LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Festivalzeit im neimënster: Auftakt der „Bock op“-Auflage 2019 mit großem Volksfest

Nicht nur der Name ist seit letztem Jahr neu, sondern auch das Datum und der Umfang des Programms: Zum zweiten Mal bietet das Kulturzentrum neimënster anstelle seines langjährigen „Festival OMNI“ nun schon ein Sommerprogramm unter dem Titel „Bock op“, dies natürlich nicht nur in Anspielung auf den Bockfelsen, vor dessen Kulisse sich die Veranstaltungen abspielen werden. „Die Sommerzeit ist eine der wichtigsten Perioden im Veranstaltungskalender unseres Hauses. Die Konzerte, die wir hier bieten, ziehen immer sehr viele Leute ein. Es ist ja auch einer der wunderbarsten Orte dieses Landes“, meinte neimënster-Direktorin Ainhoa Achutegui gestern bei der Programmvorstellung. 20.000 Besucher hatten im Sommer 2018 Bock auf die Events, die auch diesmal wieder ein breites Publikum mit unterschiedlichen Interessen anziehen sollen.

Jubiläumsfest am Pfingstwochenende

Der Auftakt der diesjährigen „Bock op“-Auflage steht derweil im Zeichen des 15. Geburtstags des Kultur- und Begegnungszentrums im Stadtgrund. „Als das neimënster damals seinen zehnten Geburtstag zelebrierte, war dies ein großer Moment. Seither hat sich aber einiges geändert. Wir feiern dieses 15. Jubiläum nicht mit einer akademischen Sitzung und politischen Reden sondern mit einem großen Volksfest am Pfingstwochenende“, sagte die Direktorin, die dieses Amt seit rund fünf Jahren innehat. Der Startschuss des Fests „ne1mën5ter“ fällt am Abend des 9. Juni um 18.00 mit einem „Apéritif à la Provençale“ und der Möglichkeit, vor der Kulisse des Bockfelsen eine Runde „Pétanque“ zu spielen. Außerdem darf ein Kino der etwas anderen Art sowie ein rockiges Clownspektakel besucht werden und bis in die Nacht beim großen Ball zu Jazz- und Swing-Klängen getanzt werden. Am Pfingstmontag geht es gleich am Morgen wieder mit einem „Apéro Jazz“ los. Musikalische Performances, kreative Workshops, Spiele im Freien akrobatische und clowneske Showeinlagen sind den ganzen Tag über für die gesamte Familie im Angebot. Der Eintritt ist selbstverständlich frei.

Freiluftkonzerte für alle Geschmäcker

Besonders viel Bock darf man aber auch auf das Konzertprogramm haben. Bereits zum dritten Mal kann man dem Ruf der Melusina folgen: Das Indie-Festival „Siren’s Call“ in Zusammenarbeit mit Konzertveranstalter „Den Atelier“ läuft am 29. Juni auf sechs Bühnen und wartet unter anderem mit Auftritten von Metronomy, Cat Power und Band of Horses auf. An diesem Tag werden indes auch die beiden luxemburgischen Talente Claire Parsons (Gesang) und Uriel Barthélémi (Schlagzeug, Elektro) das Ergebnis ihrer künstlerischen Zusammenarbeit während einer Künstlerresidenz im neimënster präsentieren. Mit Tears for Fears, Snow Patrol und Kraftwerk organisiert „Den Atelier“ bekanntlich noch drei weitere Open-Air-Konzerte auf dem Vorplatz der Abtei. Tickets gibt es allerdings nur noch für Tears for Fears am 25. Juni.

Für die Organisation einer Reihe an musikalischen Highlights verschiedenster Genres trägt aber das neimënster ganz allein verantwortlich. „Hinter der Auswahl steckt immer eine große Überlegung“, bemerkte Ainhoa Achutegui. Besonderen Wert lege man darauf, engagierte Künstler einzuladen, die über ihre Musik oder Kunst wichtige politische Botschaften vermitteln. Am 21. Juni tritt so etwa Neneh Cherry auf, die sich für das Thema Migration oder gegen gesellschaftliche Benachteiligung stark macht. Bekanntheitsgrad erlangte die Sängerin etwa durch das Lied „7 Seconds“ (mit Youssou N’Dour), erntete aber auch für ihr aktuelles Album „Broken Politics“ (2018) viel Anerkennung.

Am 26. Juni steht dann klassische Blasmusik auf dem „Bock op“-Programm. Die Freiluftbühne gehört an diesem Tag dem noch relativ jungen „Luxembourg Wind Orchestra“, das sich aus einem bunten Mix talentierter Musiker zusammensetzt. Unter der Direktion von Dirigent Philippe Noesen werden Meisterwerke aus russischer Feder gespielt. Am 10. Juli geht es mit Punk-Rock weiter: Die experimentierfreudige, britische Multiinstrumentalistin Anna Calvi hat ihr aktuelles Album „Hunter“ mit im Gepäck. Das Publikum darf sich auf gesellschaftskritische Texte und Musik, die sich zwischen Goth, Rock und Pop bewegt, freuen. Am darauffolgenden Abend (11. Juli) steht mit Alpha Blondy eines der größten Highlights an: Nach 30 Jahren im Musikbusiness, fünfzehn Alben und unzähligen Auftritten ist sein Status in der Reggae-Szene unbestritten. Der 65-jährige Musiker mit ivorischen Wurzeln ist bekannt für seinen Aktivismus und seine kritischen Songs, die auch auf seinem 2018 erschienenen Album „Human Race“ nicht fehlen.

Ausstellungen und Blues’n Jazz Rallye

Zwei Ausstellungen machen außerdem in diesem Sommer im neimënster Bock auf Kunst. Im „Cloître Lucien Wercollier“ stellt der Künstler Boris Loder ab dem 20. Juni seine Werke aus, die er aus Material erschafft, das er auf der Straße oder in der Natur findet, demnach größtenteils aus vom Menschen achtlos weggeworfenem Abfall. Auch im Grund wird er im Vorfeld der Expo „Particles“ unterwegs sein, um Material für eine Installation zu sammeln. Für die zweite Ausstellung unter dem Titel „Inside Out“ zeichnet Max Dauphin ab dem 24. Juni verantwortlich. Die Werke wird der Künstler speziell für diese Expo kreieren, sie demnach auch an die Gegebenheiten der „Salles Voûtées“ anpassen.

Die Sommersaison endet am 27. Juli mit der vom LCTO organisierten Blues’n Jazz Rallye in Clausen, dem Grund und im Pfaffenthal. Wie immer wird im Parvis der Abtei wieder die größte Bühne stehen.


Weitere Infos unter www.neimenster.lu