LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Simon Ramos wagt einen bescheidenen Neuanfang mit seinem Projekt Ordalie

Simon Ramos ist seit vielen Jahren musikalisch aktiv und war bislang an vielen Projekten beteiligt. Bei seinem ersten Projekt Soap Mitte der 90er Jahre beschränkte er sich auf den Gesang. Anschließend war er bei Verbal Kint als Sänger und Gitarrist tätig, bevor er in den Jahren 2000 bis 2005 bei Tiger Fernandez auch in die Saiten griff und die Lead Vocals übernahm. Die letzten acht Jahre war er Frontmann und Gitarrist bei LaFa Connected, hat zwischendurch aber auch bei Paso Doble Drums gespielt sowie bei Lecitone Gitarre, Gesang und Schlagzeug beigesteuert. Weiter war er mehrere Jahre Mitglied beim Luxemburger Independent Label „Own Records“.

Mit Tiger Fernandez gab es Erfolge im Indie-Bereich?

Simon Ramos Erfolg ist relativ. Wir haben damals den luxemburgischen „Emergenza Newcomer Contest“ für uns entschieden. Ich bin noch immer nicht davon überzeugt, ob dies ein Erfolgserlebnis war. Wir sind zwar dadurch im Rahmen verschiedener Festivals aufgetreten, dabei sollte es aber bleiben. Wir hatten eine, sagen wir, solide Fan-Basis hier im Lande. Damals gab es hier aber sehr wenig Infrastruktur, im Ausland war eh kein Fuß zu fassen und keiner redete von sozialen Netzwerken im Internet. Ich liebe unser „final EP“-Release immer noch und finde, dass es noch immer das Beste ist, was ich bis jetzt im Rockbereich gemacht habe.

Wie hat sich die Musikszene hierzulande deiner Meinung nach entwickelt?

Ramos Ich bin sehr positiv auf die Entwicklung eingestellt. Es gibt heutzutage strukturierte Hilfe, sei es für Proberäume, Konzertsäle sowie ein Exportbüro und mehr Medieninteresse. Die Bands sind auch viel professioneller geworden. Hut ab für Acts wie Sun Glitters, Monophona, Mutiny on the Bounty, Heartbeat Parade, Scarred, Mount Stealth, Hal Flavin u.v.a., die es fertig bringen, ihre Musik ins Ausland zu exportieren.

Dein neues Projekt heißt Ordalie, auf Deutsch übersetzt „Gottesurteil“. Wieso hast du diesen Namen ausgewählt?

Ramos Ursprünglich sollte das Projekt „Par le feu“ heißen. Ich fand heraus, dass es in Canada schon eine Band gibt, die so heißt. Daher habe ich etwas gesucht, das im ähnlichen Kontext anzusiedeln ist. Ordalie ist in der Tat ein Gottesurteil, wobei die Angeklagten oft eine Feuerprobe abliefern mussten, um ihre Unschuld zu beweisen.

Spiegelt sich das auch inhaltlich in den Songs wieder?

Ramos Ich versuche schon eine gewisse Spannung in meinen Songs aufzubauen, für mich hat das Thema schon etwas para-mystisches.

Wie kann die Musik von Ordalie stilistisch eingeordnet werden?

Ramos Ich wage Schoegazer, Elektro-guitar oriented zu sagen.

Die Stücke sind in Zusammenarbeit mit Victor Ferreira, alias Sun Glitters, entstanden. Wie sah diese Arbeit konkret aus?

Ramos Ich habe die Gitarren und Vocal-Parts aufgenommen, Vic hat fast alle Elektro-Komponenten eingespielt und arrangiert. Ohne ihn wären die Stücke so nicht möglich gewesen, ich bin ihm unendlich dankbar für seine Unterstützung! Vic ist der kreativste Mensch, den ich kenne! Ich habe riesigen Respekt vor ihm.

Wird es eventuell auch Sun Glitters-Remixes deiner Songs geben?

Ramos Bislang ist dies nicht geplant, die Idee ist aber verlockend!

Du hast nun vier Songs von Ordalie in digitaler Form, darunter die Single „You can run“, veröffentlicht. Wird es auch eine CD oder Vinyl mit diesen Stücken geben?

Ramos Ich bin in diesem Bereich mittlerweile sehr bodenständig. Ich bin Vater von zwei wunderbaren Töchtern und habe einen anspruchsvollen Job. Ich kann meine Musik also nur sehr bedingt promoten. Im aktuellen Kontext der Musikbranche ist es meiner Meinung nach Geldverschwendung, ohne konkrete Anfrage über eine digitale Veröffentlichung hinauszugehen.

Handelt es sich bei Ordalie ausschließlich um ein Solo-Studioprojekt oder sind auch Auftritte geplant?

Ramos Ich möchte schon ein Live-Set ausarbeiten. Ich muss aber ehrlich sein, es wird noch eine Weile dauern, bis ich für einen Auftritt bereit bin.

Wie wirst du das neue Jahr 2014 angehen?

Ramos Mit Enthusiasmus, wie immer. Die Musik ermöglicht mir einen Ausgleich zu meinem Beruf zu finden, dies ist mir sehr wichtig. Mit dem Traum von Ruhm, Erfolg und einer Musikerkarriere habe ich aber schon lange abgeschlossen.


www.facebook.com/Ordalie