PATRICK WELTER

Man sollte das Wort weder mündlich noch schriftlich verwenden, schon gar nicht in einem Leitartikel. Es hat auch keinen literarischen Niederschlag gefunden, wie die Nachricht des Götz von Berlichingen. Allein ein damals junger deutscher Oppositionspolitiker und späterer Außenminister hat es mal dem Bundestagspräsidenten an den Kopf geschleudert „Mit Verlaub, Herr Präsident sie sind ein A…“. Skrupel sind also angebracht, aber es geht nicht anders - leider.

Der Kerl ist ein echtes Ars… . Nein, ich meine nicht Akif Pirincci, der ist nur ein Dummschwätzer. Benjamin Netanjahu ist derjenige, zu dem mir nichts anderes einfällt als das derbste aller deutschen Schimpfworte. Geisterfahrer oder Geschichtsfälscher sind viel zu schwache Begriffe für den Mist, den diese Karikatur eines Ministerpräsidenten baut.

Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass die mediale Aufteilung in böse Israelis hier, arme palästinensische Opfer dort, ziemlich bis gänzlich falsch ist. Zu oft wird die lange Geschichte des Konflikts außer Acht gelassen und die jeweiligen Zeloten beider Lager als Meinungsführer präsentiert. Friedenschancen haben beide Seiten zuhauf vermasselt.

Europa hat wegen seines Versagens während des Holocaust - egal ob als Täter, Mittäter oder Zuschauer - die Pflicht und Schuldigkeit Israel beizustehen. Ich weiß, dass ist das, was die Linke gerne die Holocaustkeule nennt. Zu der Überzeugung stehe ich weiterhin. Bibi Netanjahu war bisher schon, selbst für große Israelfreunde, nur schwer zu ertragen. Selbst Obama nennt ihn einen Lügner. Angesichts des Mülls, den er jetzt über den ursächlichen Zusammenhang zwischen Palästinensern und der Shoah labert, zeigt er sich bösartig und abgrundtief dumm - eben als Ar…!

Herr Hitler brauchte keinen islamischen Geistlichen, um seinen Antisemitismus auf Trab zu bringen. Sein Handbuch zur Eroberung der von Juden beherrschten Welt, „Mein Kampf“, hat er schon 1923/24 in der Haft geschrieben. Richtig ist auch, dass die Nazis wirklich über die Deportation der deutschen Juden nach Madagaskar (!) nachdachten. Spätestens mit dem Krieg änderte sich das. Es waren, mit Ausnahme von Himmler und der Dreckschleuder Streicher, auch keine Spitzen-Nazis, die sich die Finger schmutzig machten. Die Mordmaschinerie führten Verwaltungsmenschen wie Adolf Eichmann, Reinhard Heydrich und Otto Ohlendorf. Adolf H. hatte seine Leute für so was. Den Großmufti von Jerusalem brauchte er dafür nicht, den sah er bestenfalls als Verbündeten im Kampf gegen die Briten an.

Wie bei allen bösartigen Verschwörungstheorien vermischt Bibi ein paar Tatsachen, garniert mit Wunschdenken, zu einer giftigen Brühe. Es ist richtig, dass man in Kairo sehnsüchtig den Einmarsch Rommels erwartete - weil man die verhassten Engländer loswerden wollte. Ein deutscher Einmarsch in Palästina, via Ägypten, hätte dem Großmufti natürlich gut in den Kram gepasst. Bibi Netanjahu hat eine Sache noch vergessen. Es gab sogar muslimische Hilfstruppen in den Reihen der Wehrmacht. Die operierten aber im Kaukasus, weit weg von Palästina.

Auch aus überzeugter proisraelischer Sicht kann man nur eines feststellen: Netanjahu denkt, redet und macht Mist - wenn man es so nennen will.