LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Skin Walker“: der erste abendfüllende Spielfilm von Christian Neuman

Der luxemburgische Regisseur Christian Neuman hat eine Reihe Kurzfilme gedreht, von denen „The End of Everything as You Knew It: A Guide“ (2015) bei ein paar Festivals gezeigt wurde und beim Los Angeles Independent Film Festival den Preis als bester Fantasy-Film gewann. 2016 und 2018 drehte er zwei Dokumentarfilme für die RTL-Serie „routwäissgro“. Mit „Skin Walker“ realisierte er nun seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, der von Jesus Gonzalez-Elvira (Calach Films) zusammen mit der belgischen Caviar Films produziert wurde. Calach und Caviar Films haben bereits zusammen „The Racer“ gemacht.

Zurück im Elternhaus

Regine (Amber Anderson) wird von Robert (Jefferson Hall) besucht und aufgefordert, dringend in ihr Elternhaus zu kommen. Ihr Bruder Isaac (Luc Schiltz) würde noch leben und hätte die Großmutter (Marja-Leena Junker) ermordet. Sie glaubt dem ihr scheinbar Unbekannten nicht, fährt dennoch zurück in ihre Vergangenheit. Im Haus lebt ihr Vater Claus (Udo Kier), der verbittert geworden ist, seit seine Frau Rose (Sophie Mousel) nicht über den Tod ihres Sohnes Isaac hinweggekommen ist und seitdem in einer Nervenheilanstalt interniert ist. In Rückblenden verfolgt der Zuschauer die damaligen Ereignisse aus der Sicht der jungen Regine (Juliette Gillis). Der neugeborene Isaac war entstellt, und deswegen nahm die Großmutter ihn Rose weg. Die Oma war eine dominante Frau, die alles und jeden im Haus kontrollierte. Außerdem soll Robert der Vater von Isaac sein, weil er damals eine Liaison mit Rose hatte. Die Erinnerungen an die Vergangenheit werden stärker und beeinflussen Regines Verhalten ganz stark. Schließlich verschmelzen ihre Erinnerungen mit der Realität.

Ein paar originelle Szenen

„Skin Walker“ verarbeitet sicher etliche Klischees des Thrillers und Horrorfilms, bringt es aber fertig, Spannung aufzubauen, wie die Geheimnisse aus Regines Kindheit bis zum Ende aufzubewahren. Durch die Rückblenden werden Fragen aufgeworfen, wie zum Beispiel: „Ist Isaac wirklich tot?“, die dann zum Schluss beantwortet werden. Zu diesem Suspense trägt sicher die teils originelle Kameraführung der Luxemburgerin Amandine Klee bei, wie beispielsweise bei der Begegnung zwischen Claus und Rose in der Klinik, wo die Kamera sich wie auf einem Karussell um beide dreht. Je nachdem wie es die Szene erfordert, bleibt sie auf Distanz zu den Protagonisten oder geht ganz nah ran.

Udo Kier spielt am überzeugendsten seine Rolle des enttäuschten Vaters. Jefferson Hall ähnelt mit seinen nach hinten gekämmten Haaren Luc Schiltz, der allerdings unkenntlich hinter einer Latex-Maske den grausam entstellten Isaac mimt. Schiltz‘ Partnerin aus der Serie „Capitani“ Sophie Mousel überzeugt ebenfalls als junge Rose und mit viel Make-up als gealterte Frau. Amber Anderson spielt sicher am unregelmäßigsten, mal ernst und sicher, mal abwesend und ungenau. Luc Feit mimt einen Doktor, der Regine unbedingt internieren will, doch diese Rolle hätte man ganz einfach weglassen können, denn sie bringt der Geschichte absolut nichts.

Eine teils spannende und originell gefilmte Geschichte macht aus „Skin Walker“ einen Thriller, den man sich ansehen kann, auch wenn die Schauspielergarde nicht komplett überzeugt.