LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Frost im April - Gefahr für Weinbau und Landwirtschaft

Vor 14 Tagen sah es noch danach aus, dass der Sommer vorzeitig beginnt und nun ist der Winter mit heftigen winterlichen Nachtfrösten zurückgekehrt. Insbesondere die Winzer sorgen sich um die Blüte der Weinstöcke. Den klassischen Landwirten macht dagegen mehr der Niederschlagsmangel große Sorgen. Die Winzer mussten schon 2016 an einigen Orten an der Mosel erhebliche Frostschäden hinnehmen

Ein telefonischer Rundruf unter Experten zeigt, dass auch 2017 Sorgen angebracht sind. Nach Auskunft des Weinbauinstituts in Remich (IVV) haben bereits die ersten Junganlagen, also Weinberge, die erst angelegt wurden, Frostschäden erlitten. Auch in älteren Weinbergen, abhängig von ihrer geografischen Lage sei es schon zu vereinzelten, zum Teil sogar starken Schäden gekommen. Aber man müsse abwarten, was die nächsten Tage noch bringen, so Serge Fischer vom IVV.

Eisige Kälte am Boden

Es handelt sich nach Expertenmeinung um eine erstaunliche Kälte. Eine Kälte, die, laienhaft formuliert, über den Boden kriecht. In der Nacht vom 18. auf den 19. April sank das Thermometer in Remich in einer Höhe von fünf Zentimetern über dem Boden auf -4,6°C. In zwei Metern Höhe war es dagegen mit Minus einem Grad deutlich „wärmer“. Diese Situation ist neben den Junganlagen auch für Weinstöcke gefährlich, die in einer Senke liegen, wo sich die kalte Luft ansammeln kann.

Die Berater des Weinbauinstituts empfehlen den Winzern im Moment, auf Bodenbearbeitung, etwa das Pflügen, zu verzichten. Selbstverständlich sollten sie jetzt auch nichts anpflanzen.

Die Weinstöcke haben gewissermaßen eine Frostreserve. Stirbt eine Blüte durch die Kälte ab, entwickelt sich daneben mit etwa zehn Tagen Verzögerung eine zweite Knospe, allerdings mit deutlich weniger Trauben. Die Ernte fällt zwar nicht ganz aus, wird aber massiv schrumpfen.

Früher gab es an der Mosel Beregnungsanlagen, die Wasser in den Weinberg pumpten, um die Blüten mit einem Eismantel gegen Kälte zu schützen. Was paradox klingt funktionierte, verlangte aber nach einem hohen logistischen Aufwand. Heute erhalten die Winzer staatliche Zuschüsse von bis zu 65 Prozent, wenn sie eine Frost- und/oder eine Hagelversicherung abschließen, die bei den Vollerwerbsbetrieben mittlerweile Standard ist.

Die Auskunft bei der Genossenschaftskellerei „Vinsmoselle“ fällt nur geringfügig anders aus. „Wir zittern uns so durch“, lautet das Statement von Harald Beck. Es sei zwar noch nicht viel passiert, aber schon zu Frostschäden gekommen, aber die nächste Nacht - die zu heute - sei wohl die Entscheidende. Ein früher Austrieb an den Reben bringe immer ein klares Frost-Risiko mit sich. Bei den Landwirten sieht die Situation etwas anders aus. In der klassischen Landwirtschaft ist nicht die Kälte, sondern die anhaltende Trockenheit ein Problem. Wobei die Kombination die Situation noch einmal verschärft, wie ein Experte der Landwirtschaftskammer unterstrich. Es habe in den letzten Monaten schlicht zu wenig geregnet. Da es an Wasser und Temperatur im Boden mangelt, kommt es einfach zu keinem Wachstum, was derzeit besonders bei Grünland festzustellen sei. Theoretisch sie jetzt die Zeit, um Mais zu pflanzen, allerdings sei es für Mais einfach zu kalt. Über den Raps, der jetzt schon im Gutland blüht, könne man noch nichts sagen.

Fazit: Alles hängt von einem baldigen Ende der Kältewelle ab.