LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Notti magiche“ ist eine satirische Hommage

Der italienische Regisseur Paolo Virzì dürfte den Fans des italienischen Kinos ein Begriff sein. Er besuchte bereits zweimal das italienische Filmfestival in Villerupt, wo er 2013 den Ehrenpreis der Stadt erhielt. Seine bekanntesten Filme der letzten Jahre sind „La prima cosa bella“, „Il capitale umano“ und „The Leisure Seeker“. In seinem neuesten Film „Notti magiche“ (Nuits magiques) wirft er einen satirischen Blick auf das italienische Kino. Der Spielfilm ist aber auch eine Hommage an das Kino aus dem Land der Pasta und Pizza schlechthin. Nur muss man schon ein eingefleischter Filmfan sein, um sich zurecht zu finden und zu wissen, wer denn nun gemeint ist, denn es werden nur Vornamen genannt: Federico, Dino, Vittorio, Gianni, Alberto und so weiter.

Drei Drehbuchschreiber

Der Film beginnt damit, dass Römer das Halbfinale der Fußball-WM 1990 zwischen Italien und Argentinien auf einer Café-Terrasse verfolgen, als ein Auto beim letzten verschossenen Elfmeter der Squadra Azzurra in den Tiber stürzt. Im Auto befindet sich die Leiche des Filmproduzenten Leandro Saponaro (Giancarlo Giannini), der ein Foto bei sich hat, auf der seine möglichen Mörder zu sehen sind. Die Polizei nimmt die vier Verdächtigen fest: die Freundin von Saponaro Giusy (Marina Rocco) und die drei Drehbuchschreiber Antonino (Mauro Lamantia), Luciano (Giovanni Toscano) und Eugenia (Irene Vetere). Ein Polizeikapitän (Paolo Sassanelli) verhört sie und erfährt, dass sie sich bei der Verleihung der Solinas-Preise kennengelernt haben, welche die besten Drehbuchautoren auszeichnen.

Danach machen sie eine Art Odyssee durch die italienische Filmwelt, landen bei Produzenten, Regisseuren und Filmdrehs. Mal sind ihre Gegenüber scheinbar normale Menschen, mal sind sie ausgeflippt, mal exzentrisch oder komplett daneben. Antonino, der den Hauptpreis gewonnen hat, hat gute Chancen, dass sein Drehbuch, eine Biografie des sizilianischen Malers Antonello da Messina, von Saponaro produziert wird. Auch Lucianos Talent wird entdeckt, während Eugenia ihre Ängste mit Amphetaminen verdrängt. Es gibt unter den Filmschaffenden eine Anzahl von Leuten, die Saponaro nicht leiden können und seinen Tod wünschen.

Dialoge über Dialoge

Anfangs bietet der Film viele teils lustige und bissige Anspielungen auf die italienische Filmindustrie und die Situation des Kinos generell, auch wenn der Film 1990 spielt, und die Umstände noch prekärer waren als heute. Das Fernsehen war damals ein riesiger Konkurrent des Kinos, was hier deutlich wird, als Luciano sich inmitten von zig an Schreibmaschinen tippenden Schreibern wiederfindet, die an den einzelnen Episoden einer TV-Serie arbeiten.

Das Negative am Film ist, dass eine Sintflut an Dialogen auf die Zuschauer prasselt, sodass im letzten Drittel des 125-minütigen Films die Konzentration nachlässt, was auch an den sich stets wiederholenden Szenen liegt, was wiederum zu einer auf der Stelle tretenden Geschichte führt, der die Ideen und der Biss ausgehen. Somit werden auch eingefleischte Filmfans nicht unbedingt Luftsprünge vor Begeisterung machen. In Nebenrollen spielen Roberto Herlitzka, Ornella Muti - in einer „freizügigen“ Rolle -, Regina Orioli und Jalil Lespert.