LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der erste „Corona-Virus“ Fall in Luxemburg war ein Fehlalarm - Was tun, wenn doch?

Zum Glück war es ein Fehlalarm. Am Wochenende hieß es zunächst: „Erster Verdachtsfall
einer Coronavirus-Infektion in Luxemburg“ was aber bald vom Gesundheitsministerium dementiert wurde.
Es stellt sich die Frage: was und wann kann in Luxemburg passieren und was tut man dagegen?

Von China nach Europa?

Zunächst sorgte der Ausbruch einer neuen Lungenkrankheit in China für Aufregung, zum ersten Mal hörte die Welt vom „Corona-Virus“. Wobei es eine ganze Reihe von bekannten Corona-Viren gibt, das jetzt aufgetauchte Virus heißt korrekt „2019-nCov.“ Medial ist es einfach „der Corona-Virus“. In der Volksrepublik steht die Millionenstadt Wuhan komplett unter Quarantäne, da dort der Herd der Virusinfektion vermutet wird. Dennoch breitet sich die Lungenkrankheit, ähnlich wie das ebenfalls in China entstandene Krankheitsbild SARS um 2003, ziemlich schnell aus. Nicht nur in China, auch in Europa gibt es - die Folge einer verkehrstechnisch vernetzten Welt - die ersten Fälle. In den Nachbarländern wurden erste Krankheits- oder Verdachtsfälle vorsorglich isoliert und unter Quarantäne gestellt. Vor allem Reisende, die aus China kommen. Die Luftwaffe hat deutsche Bürger, die in Wuhan arbeiteten oder auf Geschäftsreise waren, ausgeflogen und nach der Ankunft in Frankfurt ebenfalls isoliert. Dennoch muss man festhalten, dass die Todesrate unter Erkrankten in China zwar steigt, aber der Corona-Virus nach derzeitigem Wissensstand für Menschen mit normaler Konstitution keine Gefahr darstellt.

Gesundheitsministerium:Das Schutzsystem funktioniert

Zwischenzeitlich haben die luxemburgischen Gesundheitsbehörden umfassend reagiert und über den Stand der Dinge berichtet, vor allem haben sie eine ganze Reihe von Schutz- und Verhaltensregeln kommuniziert.

Der Verdachtsfall war bei einem europäischen Bürger aufgetreten, der vor einigen Tagen aus China zurückgekehrt ist. Das Nationale Gesundheitslabor (LNS) in Düdelingen konnte aber eine Corona-Infektion definitiv ausschließen. Nach Auffassung des Gesundheitsministeriums hat dabei die Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsbehörden, der Flughafenverwaltung und der Krankenhäuser hervorragend funktioniert.

Empfehlungen für mögliche Patienten

Das Ministerium und die Gesundheitsdirektion appellieren an Geschäftsreisende und Touristen die aus China zurückgekommen sind und innerhalb der letzten 14 Tage Symptome einer Atemwegserkrankung zeigen sich an folgende Verhaltensweisen zu halten:

- Zuhause bleiben und Kontakt mit anderen Menschen vermeiden,

- wenn der Kontakt mit anderen Menschen unumgänglich ist, eine einfache Atemmaske zu tragen,

- Einwegtaschentücher benutzen und regelmäßig Hände waschen,

- die Gesundheitsinspektion schnellstens unter 247 - 85560 zu informieren, außerhalb der üblichen Bürozeiten sollen Sie die Notrufnummer 112 anrufen,

- keinesfalls den Hausarzt oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen, um eine potenzielle Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Empfehlungen für Rettungskräfteund Mediziner

Zu den Symptomen einer Coranavirus-Infektion gehören Fieber, Husten und Atemschwierigkeiten. Wer auf einen solchen Patienten trifft, soll sich über seine Reisetätigkeit, gegebenenfalls mit genauer Ortsangabe, in den letzten vierzehn Tagen informieren lassen. Außerdem ist festzustellen, mit wem der Betroffene hierzulande in Kontakt gekommen ist. Jeder Verdachtsfall muss umgehend der Gesundheitsdirektion gemeldet werden.
Dringlichkeitsanfragen sind im parlamentarischen Procedere eher selten und werden noch seltener als solche anerkannt. Anders ausgangs der letzten Woche. Die beiden CSV-Abgeordneten Marc Spautz und Jean-Marie Halsdorf wollten „dringend“ von Transportminister François Bausch und Gesundheitsminister Etienne Schneider wissen, wie es um die regelmäßigen Frachtflüge der Cargolux in die chinesische Provinz Heinan steht. Natürlich geht es dabei um 2019-nCov, den „Corona-Virus“. Sie bezogen sich auf eine Aussage Schneiders, dass die Wahrscheinlichkeit einer reisebedingten Ansteckung für Luxemburg gering sei. Das mag für Touristen gelten, aber auch für die 23 wöchentlichen Frachtflüge nach Zhengzhou - in die relative Nähe zum Krisenherd Wuhan?

Spautz und Halsdorf fragen, wie es mit der Möglichkeit einer Einschleppung des Virus auf dem Luftweg aussieht, welche Vorsorgemaßnahmen hat die Cargolux getroffen, werden die von den Chinaflügen zurückkehrenden Personen besonders überprüft? Gibt es weitere Maßnahmen?

François Bausch antwortet lang und ausführlich: Laut Europäischer Gesundheitsaufsicht sei die Gefahr einer Einschleppung „moderat“. Da nur begrenztes Bordpersonal bei den Frachtflügen eingesetzt wird, sei das Risiko einer Übertragung gering. Dennoch habe Cargolux eine Reihe von Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wie die Bereitstellung von persönlicher Schutzausrüstung, z.B. Masken und Desinfektionstücher.

Außerdem wurde ein Verhaltenskodex aufgestellt. Die Anweisungen umfassen zu vermeidende Orte und das entsprechende Verhalten im Allgemeinen. Der Codex enthält auch eine Beschreibung der Symptome und des Verfahrens, das im Zweifelsfall zu befolgen ist. Cargolux stellt seinen Piloten eine medizinische Notfallnummer zur Verfügung, die Tag und Nacht erreichbar ist. Das Unternehmen bittet seine Mitarbeiter, Geschäftsreisen nach China möglichst zu vermeiden, Privatflüge mit Cargolux-Flugzeugen sind nicht mehr erlaubt und auch die Nutzung von Passagierflügen für Piloteneinsätze wird auf ein Minimum reduziert. Außerdem wurde ein Embargo für den Transport von Tieren oder Fleisch aus China eingeführt. Ein Screening durch Temperaturüberwachung bei der Ankunft werde von der ECDC nicht als effiziente Maßnahme zur Erkennung von 2019-nCoV infiziert sind, weil die Symptome dieser Infektion mit denen der saisonalen Grippe übereinstimmen. Die Einführung einer systematischen Temperaturüberwachung der Besatzungsmitglieder auf Cargolux-Flügen von Zhengzhou aus erscheint daher derzeit nicht angebracht. Cargolux hat übrigens gestern medizinisches Hilfsmaterial nach Shanghai geflogen. pw


Detaillierte Informationen über den Umgang mit „nCoV 2019“ finden sich unter: tinyurl.com/corona-sante