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SIMONE MOLITOR

Das OCL bestreitet auch die Saison 2019/20 wieder mit Gastdirigenten

In diesem Jahr feiert das „Orchestre de Chambre du Luxembourg“ (OCL) sein 45-jähriges Bestehen. Seinen Sitz hat das Orchester, dem rund 40 Musiker angehören, im Mamer Kinneksbond. Vor einigen Monaten ist Corinne Rosé als Geschäftsführerin dazu gestoßen, und auch der Verwaltungsrat, der von Guy Dockendorf präsidiert wird und deren Ehrenpräsidentin Erna Hennicot-Schoepges ist, kann Neuzugänge verzeichnen. Neue Mitglieder sind Claude Origer und Dominique Poppe, beide aktive OCL-Musiker, die auch im künstlerischen Komitee, zuständig für die Programmgestaltung, tätig sind. Ein wichtiger Posten bleibt unterdessen weiterhin unbesetzt: der des künstlerischen und musikalischen Leiters. Seit rund einem Jahr arbeitet das OCL nun schon mit Gastdirigenten, so auch in der nächsten Spielzeit.

„Das Orchester befindet sich momentan in einer Übergangs- oder vielmehr sogar einer Umbauphase. Die Suche nach einem künstlerischen und musikalischen Direktor bleibt eine der Baustellen. Der Verwaltungsrat will sich die nötige Zeit nehmen, die richtige Person für diesen Posten zu finden“, bemerkte Corinne Rosé gestern anlässlich der Programmvorstellung der kommenden Saison. Was die Wahl der Gastdirigenten und -dirigentinnen anbelange, so habe man wiederum auf junge Talenten gesetzt, die bereits eine vielversprechende Karriere aufzuweisen hätten. „Seine Hauptmission sieht das OCL darin, das Publikum in Luxemburg sowie der Großregion das ganze Spektrum der Kammermusik entdecken zu lassen“, rief sie in Erinnerung.

Suche nach künstlerischem Leiter geht weiter

Natürlich drängt sich die Frage auf, warum sich die Suche nach einem festen Chef derart kompliziert gestaltet. „Der Markt ist riesengroß, und auf dem Papier sind sie alle hervorragend. Potenzielle Kandidaten muss man deshalb zumindest einmal erlebt haben. Das alles braucht seine Zeit“, erklärte Claude Origer. Auch die Musiker hätten ein Wort mitzureden, gab derweil der Präsident des Verwaltungsrats zu bedenken. „Es ist aber auch eine Bereicherung, mit verschiedenen Dirigenten zu spielen. Die Qualität des Orchesters ist im letzten Jahr ein gutes Stück gewachsen“, meinte er. Mit der Suche werde man sich nun aber auch nicht mehr ewig Zeit lassen, beruhigte Dominique Poppe. Das künstlerische Komitee bleibe darüber hinaus bestehen, auch wenn ein neuer Direktor gefunden sei. „Wir werden eng zusammenarbeiten, und noch dazu auch weiterhin für einzelne Konzerte auf Gastdirigenten zurückgreifen“, hieß es.

Das Programm für die Saison 2019/20 läuft erneut unter zwei Aspekten: In der Reihe „Crossing Europe“ werden Konzerte im Kammermusiksaal der Philharmonie angeboten, zum anderen ist das Orchester auf Einladung hin Teil von musikalischen Projekten - größtenteils Ballett - anderer Häuser oder Organisatoren.

Der Zyklus „Crossing Europe“ geht in diesem Jahr in die zweite Runde. Rosé sprach von einem „familienfreundlichen Format“. Die Konzerte finden immer sonntags um 17.00 statt und dauern 70 Minuten. Während man vergangene Saison eher aus dem Repertoire beziehungsweise musikalischen Patrimonium der Nachbarländer schöpfte, führt die Reise diesmal etwas weiter. „In dieser Reihe kann das Publikum teils ganz bekannte Stücke genießen, andererseits aber auch wenig bekannte Sachen entdecken“, beschrieb Rosé. Eine gewisse Recherchearbeit sei nötig, um Werke zu finden, die sich für diese Orchesterzusammensetzung eignen würden, und an denen sowohl die Musiker als auch das Publikum ihre Freude hätten. „Da wir jetzt weiter reisen, war die Programmgestaltung eine etwas spannendere Angelegenheit. In Portugal beispielsweise gibt es sehr viel klassische und auch zeitgenössische Musik, dazwischen allerdings wenig, trotzdem haben wir interessante Sachen gefunden. Es ist uns wichtig, einen gewissen Bogen zwischen den Epochen und Stilen zu spannen“, erklärte Origer.

Von Skandinavien bis Portugal

Fünf Konzerte stehen in dieser Reihe auf dem Programm. Bei zwei hat man auf Solisten verzichtet. „In unserem Orchester haben wir so viele gute Musiker, warum also nicht sie ein bisschen mehr in die Vitrine stellen“, meinte Origer. Den Auftakt macht am 6. Oktober „Visiting Scandinavia“ unter der Direktion von Adrian Prabava. Bei „Visiting Great Britain“ steht am 17. November Joseph Bastian hinter dem Dirigentenpult, während der Countertenor Yosemeh Adjei als Solist verpflichtet werden konnte. „Visiting Romania“ mit dem Posaunisten Jacques Mauger wird am 19. Januar von Olivier Grangean dirigiert. „Visiting the Czech Republic“ wartet unter der Direktion von Marie Jacquot am 1. März mit einer Kreation auf, einem Auftragswerk des Kulturministeriums. Dazu wurde der junge Komponist Hy-Khang Dang ausgewählt. Als Solist ist an diesem Tag Pascal Meyer am Klavier zu erleben. Bei „Visiting Portugal“ führt Pedro Neves am 10. Mai den Dirigentenstab.

Saisonstart im „Grand Théâtre“

Die Saison beginnt für das OCL derweil am 25. und 26. September, dann nämlich wenn das Große Theater seine Spielzeit mit „Vivaldi Variations“ und dem „Spellbound Contemporary Ballet“ eröffnet. Als Hommage an den Barockkomponisten Vivaldi haben die beiden Choreografen Jean-Guillaume Weis aus Luxemburg und Mauro Astolfi aus Italien dieses „Ballet en deux parties“ ausgearbeitet. Auf dem Programm stehen außerdem zwei traditionelle Konzerte: am 2. November das „Allerséileconcert“ mit der „Chorale Saint-Michel“ sowie am 1. Dezember „Au seuil de l’Avent“ mit der „Maîtrise Sainte-Cécile de la Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg“. Am 5. und 6. Dezember sorgt das OCL für die musikalische Begleitung von „Le Petit Prince“ mit dem „Ballet de l’Opéra-Théâtre de Metz Métropole“ im Kinneksbond. Am 6. Februar steht ein Gastkonzert mit dem Violinisten Timothy Chooi im CAPE an. Am 6., 7. und 8. März folgt eine Reise nach Metz, wo „Indicible Beethoven“ vom „Opéra-Théâtre de Metz Métropole“ aufgeführt wird. Opern-Ballett wird dann auch am 21. März mit „Orphée et Eurydice“ im Kinneksbond geboten.

Am Ende der Pressekonferenz wurde kurz die Budget-Frage angeschnitten, die zwar nicht mit Zahlen beantwortet wurde, dafür aber mit dem Hinweis, dass man einen sehr guten Kontakt zu Kulturministerin Sam Tanson sowie zum „Premier Conseiller“ Jo Kox pflege. Bei einem Treffen habe Tanson die Wichtigkeit des Orchesters für das Land hervorgehoben und die weitere Unterstützung ihres Ministeriums zugesichert, informierte Dockendorf. Noch dazu seien dem OCL eine Reihe an Perspektiven eröffnet worden, etwa Auftrittsmöglichkeiten in der Villa Louvigny. Bekanntlich soll der dortige Veranstaltungssaal erneut genutzt werden können. „Wir fühlen uns wirklich richtig getragen vom Kulturministerium“, so der Präsident des Verwaltungsrats.

Alle Details zum Konzertprogramm unter www.ocl.lu