FRANKFURT/MAIN
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Jean-Michel Basquiat ist zum Mythos geworden - Neue Ausstellung in Frankfurt zeigt seine Vielfalt

Graffiti-Künstler haben sich Anfang der 1980er Jahre in New York nicht nur auf unzähligen Hauswänden verewigt, sondern auch auf Kühlschränken. Bei einem Exemplar - derzeit in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zu sehen - konnten sich junge Avantgardisten mit ihren Kritzeleien regelrecht austoben. Einer davon war Jean-Michel Basquiat (1960-1988). In wenigen Jahren hat er bis zu seinem Drogentod im Alter von nur 27 Jahren die gesamte New Yorker Kunstwelt aufgemischt.

Heute wird der in einer haitianisch-puertoricanischen Familie in Brooklyn aufgewachsene Basquiat, der ein extrem schillerndes und vielfältiges Werk hinterlassen hat, zu den einflussreichsten Malern des ausgehenden 20. Jahrhunderts gezählt. Vom 16. Februar bis 27. Mai widmet die Schirn nun seinem Werk eine große Überblicksausstellung, die die Verbindungen zu Jazz und Hip-Hop, Comic, Film oder Fernsehen deutlich macht.

Bekanntheitsgrad durch grelle (Selbst-)Porträts

Bekannt wurde Basquiat, der anfangs gerne Vögel und Skelette malte, für seine grellen (Selbst-)Porträts. Mit Zeichenstift und Ölkreide hat er - oft mit Übermalungen und Streichungen - in chaotisch anmutenden Collagen auch seinen Widerstand gegen Rassismus und Kapitalismus verarbeitet. In Museen sind seine Werke, die meist im Privatbesitz sind, heute eher selten zu finden. Auf Auktionen erzielen sie dafür Rekordpreise - im vergangenen Jahr brachte es ein Werk auf knapp 100 Millionen Euro bei Sotheby’s.

Die Kunstwelt polarisiert Basquiat bis heute, weil sie sich mit seiner Einordnung schwer tut. In der postmodernen Szene New Yorks hat er zu Beginn der 1980er Jahre wie ein Schwamm alles aufgesogen, was ihm unter den Nagel kam. Beim Arbeiten hatte er stets Bücher, Fernsehen und Musik um sich herum. Daraus entstand ein unglaublich eklektischer Mix. Dabei verband er Pop- und Hochkultur mit dadaistischen oder kubistischen Elementen. Nichts war ihm fremd oder heilig.

Universaltalent

Es wundert nicht, dass Basquiat auch Hip-Hopper, DJ, Dichter und Schauspieler war. Ein in der (weißen) New Yorker Kunstszene gut vernetztes afroamerikanisches Universaltalent. Er arbeitete eng mit Keith Haring zusammen - und vor allem auch mit dem von ihm bewunderten Andy Warhol. Dies dokumentiert die Schau anhand von Videos und Fotos. Aufschlussreich sind die Notizbücher Basquiats, die zumindest einen kleinen Einblick in seine Gedankenwelt geben.

Der so früh gestorbene Basquiat ist zusammen mit seinem Werk - und seinen Dreadlocks - inzwischen ein Mythos geworden. Dies wiederum überlagert die wissenschaftliche Betrachtung seiner Arbeit, wie Schirn-Direktor Philipp Demandt feststellt. Die Kuratoren haben die Ausstellung „Boom for Real“ genannt, in Anlehnung an einen Slogan von Basquiat, der sich im Atelier gerne auch aus der „Boom Box“ (Radiorekorder) inspirieren ließ.

Bei der Schau hat die Schirn mit der „Barbican Art Gallery“ in London kooperiert, die die Ausstellung zuvor gezeigt hat. In Deutschland hatte Basquiat zuletzt 1986 - vor mehr als 30 Jahren - eine Einzelausstellung in Hannover. Vier Jahre zuvor war er auch bei der documenta 7 in Kassel vertreten, als bis dahin jüngster Teilnehmer überhaupt.


Weitere Infos unter www.schirn.de