LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Francine Closener: Der Aufwärtstrend im luxemburgischen Tourismus hält auch 2015 an

Manchmal braucht es schon einen Anlass, um Dinge, mit denen man quasi täglich zu tun hat, aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. In diesem Fall gab die Sommertour der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Francine Closener, die für den luxemburgischen Tourismussektor verantwortlich ist, Gelegenheit, durch den Stadtpark der Hauptstadt zu streifen.

Erst unter sachkundiger Führung wird dem Besucher bewusst, welche Kleinode sich in dem zwanzig Hektar großen Gelände verstecken - vom Amalien-Denkmal über mächtige Sequoias bis hin zu jüngeren Attraktionen, wie dem Piratenschiff-Spielplatz. Der Park, der nach dem Abriss der Festungsmauern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand und sich kontinuierlich entwickelt, ist ein Gesamtkunstwerk. Mit der Fertigstellung des Aufzugs nach Pfaffenthal - die Montage der Fußgängerbrücke beginnt an diesem Wochenende - wird noch eine weitere Attraktion hinzukommen.

Schöne Parks und erfolgreiche Frauen

Während des Rundgangs durch den Park erläuterte Marc Angel, Präsident des Luxembourg City Tourist Office (LCTO), dass man genau mit diesen Pfunden wuchern will. So hat das LCTO eine Broschüre über die sehenswerten Grünanlagen der Hauptstadt herausgegeben. Die Broschüre „Parc et jardins“ gibt es in Deutsch, Französisch und Englisch.

Bei der Besichtigung des 1876 gebauten Amalien-Denkmals, das zumindest eine didaktische Aufwertung vertragen könnte, wies Angel Staatsekretärin Closener darauf hin, dass es auch eine touristische Broschüre - „Femmes légendaires“ - über wichtige Frauen der luxemburgischen Geschichte und ihre Wirkungsstätten gibt.

Francine Closener stellte beim Rundgang durch den Park fest, dass es eigentlich nur an einer angemessen Gastronomie, etwa einem Biergarten, fehlt. Um hier Abhilfe zu schaffen, müsste die Stadt Luxemburg aktiv werden, so Marc Angel.

Im Verlauf des Rundgangs traf die Staatssekretärin auf zwei der „Luxembourg Jackets“, die in ihren hellgrünen Jacken mit dem Aufdruck „Ask me“ wirklich viel und häufig gefragt werden. Die beiden Studenten, die ihr Revier vor der „Gëlle Frau“ haben, meinten, dass aktuell viele Deutsche und niederländische Touristen in der Hauptstadt unterwegs sind.

Es geht stetig aufwärts

Bei einem Pressegespräch im Hof der Abtei Neumünster konnte Francine Closener im Großen und Ganzen positive Zahlen für den luxemburgischen Tourismus vorlegen. Negative Ausreißer gibt es nur wenige, etwa der Rückgang der Übernachtungen in der Region Mosel - bedingt durch die monatelange Renovierung des Mondorf Parc Hotel.

Closener verwies auf einen deutlichen Anstieg bei Touristen aus Deutschland und den USA. Hier dürfte auch der Erinnerungstourismus, 70 Jahre nach Kriegsende, eine wichtige Rolle spielen. So führt Tripadvisor den US-Friedhof in Hamm als erstes touristisches Ziel für Luxemburg, schon auf Platz vier folgt das Militärmuseum in Diekirch. Die Übernachtungszahlen für US-Gäste stiegen 2015 um 18 Prozent.

Die Gesamtzahl der Übernachtungen in Hotels ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent geklettert, die Auslastung der Hotels liegt im Landesschnitt bei 70, in der Hauptstadt sogar bei 75 Prozent. Die betriebswirtschaftliche Rendite pro Zimmer beläuft sich auf sehr gute elf Prozent. Internationale Hotelketten hätten daher großes Interesse an Luxemburg, aber auch hier seien die hohen Grundstückspreise ein Hindernis, so Closener.

Die luxemburgischen Jugendherbergen empfingen 7,3 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. In den nächsten Jahren wird es drei neue Jugendherbergen geben: In Esch/Alzette, Ettelbrück und Vianden.

Einen Rückgang von 4,5 Prozent gab es bei den Campingübernachtungen, allerdings war 2014 ein ausgesprochenes Rekordjahr. Auffällig ist, dass Urlauber mit Wohnmobilen mittlerweile 38 Prozent der Campingplatzbesucher ausmachen.

Umstrukturierung des ONT

Mit dem 1. Januar 2016 wird das ONT zu einem GIE, einer wirtschaftlichen Interessensgemeinschaft umstrukturiert, an der Staat, Luxair, Stadt Luxemburg und die Handelskammer beteiligt sein werden. Auch das System der regionalen Tourismusbüros, ORT, wird ausgebaut. Ziel sei einer schnellere Kommunikation und eine bessere Vernetzung aller Akteure, so Closener.

Es sei vielen Luxemburgern sicher nicht bewusst, dass der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt (BIP) jetzt schon höher sei, als der der produzierenden Industrie. Sechs Prozent gegenüber fünfeinhalb Prozent. Im Tourismusgewerbe seien 20.000 Menschen beschäftigt. Jobs die man nicht ins Ausland verlagern kann. Abschließend kündigte Francine Closener noch einen neuen Gesetzentwurf zur Klassifizierung von Unterkünften an, damit will sie der Kritik des Staatsrats am Entwurf der Vorgängerregierung gerecht werden.