ISTANBUL
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Erster Türkei-Besuch als britischer Außenminister: Charmeoffensive statt Beleidigung

Boris Johnson vertraut seine Schmutzwäsche einer „schönen, sehr gut funktionierenden“ Waschmaschine aus türkischer Produktion an. Dieses überraschende Bekenntnis zu türkischer Industrietechnik gehörte zu Johnsons Charmeoffensive bei seinem ersten Türkei-Besuch als britischer Außenminister. Der Grund dieser Offensive dürfte in der Zeit vor Johnsons Amtsantritt im Juli liegen: Im Mai hatte Johnson den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in einem Schmähgedicht noch als „Wichser“ beleidigt.

„Mein Freund Boris“

Johnson zeigte sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit seinem Kollegen Mevlüt Cavusoglu in Ankara selber überrascht darüber, dass seine früheren Aussagen kein Thema bei dem Besuch gewesen seien - jedenfalls bis zur Frage einer Journalistin danach.

Allerdings sollte Johnson erst nach der Pressekonferenz mit Erdogan zusammenkommen, natürlich hinter verschlossenen Türen. Der türkische Staatschef ist nicht dafür bekannt, dass er Beleidigungen mit einem Achselzucken abtut. Bei Cavusoglu konnte Johnson dennoch punkten. Zumindest bezeichnete Cavusoglu Johnson als „meinen Freund Boris“. Johnson verwies im Gegenzug darauf, dass schon entfernte Vorfahren von ihm im türkischen Außenministerium gearbeitet hätten.