LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Durch schwere Holzerntemaschinen kommt es zu Bodenverdichtungen

Naturschutz ist nicht mehr das Thema einer einzigen Partei. Selbst aus konservativen Kreisen wird im Hinblick auf manchen Eingriff in die Natur gefragt „Muss(te) das sein?“ So auch im vorliegenden Fall. Der adr-Abgeordnete Fernand Kartheiser wundert sich, dass große Fichtenbestände nicht in Trockenphasen, wie den Sommern 2018 oder 2019, geschlagen wurden sondern erst im regnerischen Spätherbst. Was aufgrund von hoher Bodenfeuchtigkeit und durch den Einsatz schwerer Erntemaschinen zu einer starken Verdichtung des Bodens geführt habe, wie er erläuterte. Die Folge sei, dass das Regenwasser nicht mehr versickern könne. Die Aktion sei deswegen ärgerlich, weil Nadelhölzer ganzjährig geschlagen werden können.

Kartheiser wollte nun von Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi Gréng), in deren Zuständigkeit die Forstwirtschaft fällt, wissen, wieso man die Arbeiten nicht in einer Trockenperiode durchgeführt hat, welche Schäden an den Böden entstanden sind und ob es in der Forstverwaltung eine „Sensibilisierung“ für Bodenschutz gibt. Stimmten sich die Abteilungen der Naturverwaltung untereinander ab?

Zu Beginn ihrer Antwort betonte Dieschbourg die Bedeutung des Bodens für eine gesunde Umwelt, für eine gute CO2-Speicherung und den Erhalt der Artenvielfalt. Außerdem sei der Boden wichtiger Teil des Wasserschutzes. Dem stellt die Ministerin im konkreten Fall aber die Bekämpfung des Borkenkäfers gegenüber, der sich als Holzschädling in den letzten Jahren exponentiell verbreitet hat - durch die extrem trockenen Sommer.

Späte Schadensfeststellung

Man habe erst so spät im Jahr mit dem Schlagen der Fichten beginnen können, weil sich die Borkenkäferschäden an den Bäumen - sie werden braun - erst im Spätsommer zeigten. Die Entscheidung ob die kranken Bäume sofort oder erst im Winter gefällt werden, treffe zunächst der Forstbeamte vor Ort, aber dann müssten Forstdienstleister auch Kapazitäten frei haben und auch die notwendigen Genehmigungen vorliegen. Eine Fällung im Winter lasse sich oft nicht vermeiden.

Durch das Befahren mit schweren Maschinen, in diesem Fall „Vollernter“ oder „Harvester“, kommt es zu Verdichtungen des Bodens, bei Sand weniger, bei Lehmböden mehr. Bei der Verdichtung kommen zahlreiche Faktoren zusammen, die die Beschaffenheit des Bodens verändern können. Im schlechtesten Fall dauert es bis zu 100 Jahren, bis sich der Boden von diesem Eingriff erholt hat.

In letzter Konsequenz kann der Boden immer weniger Wasser aufnehmen. Mit doppelt schlechten Folgen: Der Boden hat keine Reserven bei Trockenperioden und bei Starkregen läuft das Wasser „ungebremst“ ab. Erosion und Hochwasser können die Folge sein.

Empfehlung für bodenschonende Technik

Laut Dieschbourg müssen auch die Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung nach den Regeln der naturnahen und nachhaltigen Forstwirtschaft erfolgen. Auch die Vorgaben der Zertifikate von FSC und PEFC müssen erfüllt werden. Dafür habe die Naturverwaltung Handlungsanweisungen herausgegeben. Dazu gehören sowohl Alternativen für die Neubepflanzung, wie auch der Bodenschutz im Rahmen eines Kahlschlags. Aus diesen Gründen fördert die Naturverwaltung seit Jahren bei Privatwaldbesitzern den Einsatz von bodenschonender Technik, wie Rückepferden oder den Einsatz von Seilkränen.

Selbstverständlich gebe es eine Abstimmung zwischen den Diensten der Naturschutzbehörde, so die Ministerin. Abschließen verweist sie auf das Gesetzesprojekt 7273, das einen nationalen Bodenschutzplan vorsieht, der in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Akteuren erstellt werden soll.

Die Ministerin nennt aber in ihrer ganzen Antwort nicht eine Begründung dafür, warum in dem von Kartheiser angeführten Fall so schweres Gerät eingesetzt werden musste.