NEUHÄUSEL
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Wie Rheinland-Pfalz die Afrikanische Schweinepest verhindern will

Um bei einem Ausbruch der für Tiere hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest rasch reagieren zu können, kommt auch ein ferngesteuertes kleines Raupenfahrzeug zum Einsatz. Mit einem Mähwerk schneidet es eine schmale Schneise im Gelände vor einem Wald frei. Zwei Männer rammen im Abstand von dreieinhalb Metern Pfosten in die Erde. Von einem anderen Fahrzeug rollen sich Drähte ab. So schildert Bernd Kerscher, Geschäftsführer einer Zaunbaufirma, seine Arbeit gestern der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne), als sie sich in Neuhäusel im Westerwald den probeweisen Aufbau eines mobilen Elektrozauns anschaut.

Ende 2018 ist die Afrikanische Schweinepest in Belgien ausgebrochen, nur rund 40 Kilometer entfernt von Rheinland-Pfalz. Für Menschen ist sie ungefährlich, Bauern haben aber wegen ihrer Tiere große Angst vor der schweren Virusinfektion. Infizierte Schweine sterben meist innerhalb weniger Tage. Höfken bezeichnet es daher als „oberstes Ziel“, eine Verbreitung der Tierseuche im Land zu verhindern. Aus wirtschaftlichen und aus Tierschutzgründen sei es wichtig, dass sie nicht in hiesige Bestände von Haus- und Wildschweinen eingeschleppt werde. Die Gefahr werde „ständig größer“.

Ein Maßnahmenbündel

Das Land wappne sich mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen dagegen. Dazu gehören auch mobile Elektrozäune. Sie können bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest das betroffene Gebiet absperren oder etwa bei Bedarf auch an der Grenze zu Belgien errichtet werden. Das Übungsszenario bei Neuhäusel schildert Wolfgang Naujok von der Obersten Veterinärbehörde im Mainzer Umweltministerium: Spaziergänger finden zwei tote Wildschweine, die der Seuche zum Opfer gefallen sind. Bei einer systematischen Fallwildsuche werden vier weitere Wildschweinkadaver entdeckt. Später folgt die großflächige Einzäunung, damit möglicherweise hier infizierte Artgenossen nicht abwandern und woanders weitere Wildschweine anstecken können. Bislang hat das Umweltministerium nach eigener Auskunft für rund 30.000 Euro 30 Kilometer mobilen Elektrozaun gekauft. Die Ausschreibung zum Kauf weiterer 60 Kilometer einer derartigen Absperrung laufe, ebenso die Ausschreibung für einen 40 Kilometer langen festen Zaun.

Wo es beispielsweise in einem bergigen Wald in bestimmten Abschnitten nicht möglich ist, Zäune zu errichten, sollen alle 15 Meter hochkonzentrierte Duftstoffe in kleinen Fläschchen mit ihrem „Fäkalgeruch“ dazu beitragen, Wildschweine fern zu halten. Der ein Meter hohe Elektrozaun mit vier horizontalen blauen Drähten habe eine hohe Spannung bei niedriger Stromstärke, erklärt Kerscher. Damit werde auch eine „Luftbrücke“ von wenigen Zentimetern überwunden, wenn ein Wildschwein nur mit seinen Borsten den Zaun berühre. Ein Keiler ist kein Schoßhündchen: „Über 180 Kilogramm Reißfestigkeit hat der Zaun“, versichert der Geschäftsführer. Laut Umweltministerium zeigen Erfahrungen mit der Afrikanischen Schweinepest in Tschechien, dass beim frühen Fund eines betroffenen toten Wildschweins eine Kombination aus elektrischem Weidezaun und Duftzaun zusammen mit den anderen Maßnahmen eine Weiterverbreitung verhindern kann.

In Belgien allerdings seien Kadaver teils erst nach einem halben Jahr gefunden worden, sagt Fachmann Naujok. „Da hat sich die Infektion schon ausgebreitet.“ Die Folge: Belgien habe mit einem Millionenaufwand mehr als 300 Kilometer feste Zäune aufgestellt, um die Tierseuche einzudämmen. Auch Frankreich und Luxemburg haben Zäune aufgestellt. In beiden Ländern wurde bislang noch kein Fall nachgewiesen,