LUXEMBURG
LIZ MIKOS

In seiner Debütsingle „Cool“ verbindet Mateus Wojda Leidenschaft, Studium und Psychologie

Seit seiner Kindheit träumt Mateus Wojda von einer Karriere als Musiker. Nachdem der 24-jährige Jazz-Student sich jahrelang an zahlreichen Projekten beteiligt hat, wagte er nun den Schritt, sein erstes Soloprojekt zu starten. Wie es zur Debütsingle „Cool“ kam und inwiefern sein Studium „Maddy“ – so sein Künstlername - inspiriert und beeinflusst, erklärt er im Interview.

Wie ist es Dir die letzten Wochen ergangen?

MATEUS WOJDA Mir geht es tatsächlich ganz gut, ich arbeite gerade an meinem Bachelorabschluss, den ich am 1. Juni abgeben muss, von daher bin ich derzeit auf jeden Fall beschäftigt. Zudem habe ich Zeit, Dinge zu erledigen, für die ich zuvor die nötige Motivation nicht aufbringen konnte. Deshalb habe ich die Situation genutzt, um produktiver zu sein. Ich habe es außerdem als den perfekten Zeitpunkt empfunden, meine erste Single zu veröffentlichen. Der Stillstand und das Ausfallen von Konzerten machen den Leuten noch mehr Lust, sich neue Musik anzuhören und im Blick zu behalten, was in der Kulturszene passiert. Diese ganzen Wochen zuhause haben mir die Gelegenheit gegeben, diese Single, an der ich nun schon seit drei Jahren arbeite, zu Ende zu bringen und aufzunehmen.

Drei Jahre an einem Song zu arbeiten, klingt nach einem sehr großen Zeitaufwand für ein einziges Lied. Wie war es für Dich, diese Arbeit nun abzuschließen?

MATEUS Als ich angefangen habe, war der ganze Aufnahmeprozess noch ganz neu für mich. Einige Aufnahmen waren gelungen, andere wiederum nicht. Deshalb habe ich mir alles noch einmal ganz genau angehört, um entscheiden zu können, was ich übernehmen, was noch ausgebaut und was schlichtweg nicht benutzt werden kann. Allein dieser Vorgang hat mich viel Konzentration und Zeit gekostet, danach habe ich wieder neue Frequenzen aufgenommen. Mittlerweile ist es so, dass ich mir den Song einfach viel zu oft angehört habe – die letzten drei Jahre tatsächlich fast täglich. Der Feinschliff - die finalen Aufnahmen und der Mix - hat am Ende rund drei Wochen gedauert. Da mein Mitbewohner ein Schlagzeug besitzt, konnte ich trotz Quarantäne die Drums von zuhause aus aufnehmen, was beim Prozess ungemein geholfen hat. John von Stayfou hat die Perkussion aufgenommen, sodass mich auch einige Leute tatkräftig unterstützt haben, der Großteil ist allerdings Eigenproduktion.

Du bist in einigen Gruppen bereits länger als Musiker tätig. Wann kam der Wunsch, ein Soloprojekt zu starten?

MATEUS Die Idee war eigentlich immer im Hinterkopf, aber sie war nicht konkret. Ich wusste anfangs nicht, wie ich es angehen und in welche Richtung es gehen soll. Als Kind habe ich bereits großen Gefallen am Singen und Gitarrespielen gefunden, bin dann aber in den meisten Bandprojekten als Bassist eingesetzt worden. Zu dem Zeitpunkt, als ich meine ersten eigenen Lieder geschrieben habe, wollte ich meine Stimme und die Gitarre wieder mit einbauen. Es gab eigentlich zwei konkrete Momente in meinem Leben, in denen ich gemerkt habe, dass ich mich der Musik widmen will. Das erste Mal kam mir der Gedanke, als meine Schwester mir ein Live-Konzert von „System Of A Down“ zeigte. Ich dachte nur: „Das will ich auch machen.“ Auch prägend, war der Moment, an dem ich in meiner Bach-Prüfung in der Musikschule 59 von 60 Punkten bekam. Die Lehrer haben mich ermutigt, mich damit auseinanderzusetzen, ob ich professioneller Musiker werden will – daraus wurde tatsächlich der Wendepunkt, an dem ich beschlossen habe mein Hobby zum Beruf zu machen. Wie genau das funktionieren wird, steht zwar noch in den Sternen, aber das wird die Zeit wohl zeigen. Auf jeden Fall habe ich vor, nach meinem Studium auch Musikunterricht zu geben.

Professionelle Musik ist ein gutes Stichwort, denn Du studierst auch Jazz. Beeinflusst das Studium Deine Songs?

MATEUS Ich glaube schon. Ich habe mich immer eher Rockmusik gewidmet, allerdings hat sich mein Musikgeschmack über die letzten fünf bis sechs Jahren viel weiter ausgedehnt und Jazz bekam eine immer wichtigere Rolle, vor allem, weil viele andere Richtungen sich daran inspirieren. Alles, was Funk, Soul, RnB oder Hip-Hop ist, schöpft Inspiration aus Jazz. Mein Studium breitet sich eigentlich auch auf all diese Genres aus.

Wie muss man sich ein Jazz-Studium vorstellen?

MATEUS Es ist ein sehr praktisches Fach, trotz Theorie- und Harmoniekursen. Das Spielen des Instruments wird in den Vordergrund gerückt, und da Jazz eine Musikrichtung ist, die sehr improvisiert ist, wird viel Wert auf die Improvisationsfähigkeit der Studierenden gelegt. Meine Abschlussprüfung besteht zum Beispiel darin, dass ich 30 bis 45 Minuten an Aufnahmen einsende, in denen ich Stücke selbst aussuche, sie aber zu meinen eigenen machen muss. Es geht also quasi darum, wie ich im Moment etwas Neues aus einem Stück schaffe.

Ein ganz eigenes Stück hast Du erst vor kurzem veröffentlicht: Kannst Du das kurz vorstellen?

MATEUS Beim ersten Hören klingt der Song, als würde ich mich an jemanden richten. Meine Idee war es allerdings, die Konversation zwischen einem selbst und seinem Ego wiederzugeben. Man ist nicht immer zu 100 Prozent von sich überzeugt, manchmal ist das Ego stärker, mal schwächer. Es ist also quasi eine Message ans Ego, ein Aufruf, nicht gegen sich selbst zu arbeiten, sondern eine Einheit aus dem Selbst und dem Ego zu bilden.

Steht schon fest, wann die Leute noch mehr von Dir zu hören bekommen?

MATEUS Ich bin weiterhin fleißig am Schreiben, einen konkreten Plan gibt es allerdings nicht. Vielleicht werde ich gegen Ende des Jahres eine EP oder ein paar neue Singles veröffentlichen, lasse das aber jetzt erst einmal auf mich zukommen. Ich will mir keinen Druck machen und mir Zeit nehmen, um etwas zu schaffen, womit ich am Ende zufrieden bin.