LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Ressortminister Meisch optimistisch, dass Unterricht und Betreuung in der Grundschule

Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat sich am Freitag zuversichtlich über die Organisation der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in den Grundschulen des Landes geäußert und bei dieser Gelegenheit erneut betont, wie wichtig die Rückkehr in die Klasse und das Wiedersehen von Freunden und Lehrern für die Kinder und ihre Entwicklung sei. Es sei wichtig, das Schuljahr sauber abschließen zu können und eine gute Grundlage für das kommende Jahr zu legen – auch im „Cycle 1“, zu dem es vonseiten von Lehrergewerkschaften und nationaler Elternvertretung unterschiedliche Einschätzungen gibt.

Der DP-Minister kündigte derweil an, dass für Kinder ab sieben Uhr morgens eine Beaufsichtigung im Schulhof vorgesehen ist. Es handele sich „nicht um einen ,Accueil´“, der, um eine Vermischung der Kinder zu verhindern, nicht mehr stattfinden kann, sondern ist eher als Angebot zu verstehen an Eltern, die berufsbedingt ihre Kinder früher bei der Schule absetzen müssen. Pro Schule sollen dann zwei Lehrer darüber wachen, dass Abstände und das Tragen des Mundschutzes eingehalten werden.

„Wir können den Cycle 1 aufmachen, ohne uns deswegen besonders große Sorgen machen zu müssen“, sagte der Ressortminister weiter auf einer Pressekonferenz. Das sei die Schlussfolgerung des Ministeriums nach einer nach Angaben Meischs breiten Konsultation mit Bildungsakteuren, Kinderärzten, Psychologen und auch der Wissenschaft. Er bezog sich dabei auf die am Donnerstag von „Research Luxembourg“ vorgestellte Bestandsaufnahme zum Kenntnisstand der Wissenschaft zu Kindern und Covid-19. Demnach verläuft die Krankheit bei Kindern eher mild und die Ansteckungsrate wird als eher gering eingestuft. Damit wisse man heute, dass Krippen und „Maison Relais“ eine „viel kleinere Rolle“ bei der Verbreitung des Coronavirus spielten, als noch vor zwei Monaten befürchtet.

Kleine Gruppen von bis zu drei Schülern zusammenlegen

In den Vorschulklassen setzt die Regierung auf „besonders kleine Gruppen“ durch eine Halbierung der Klassen und eine Trennung der Gruppen. Ein Zusammenlegen von Gruppen ist inzwischen allerdings auf den anderen Klassen in der Grundschule möglich. Wenn in der Betreuung am Nachmittag zwei bis drei Kinder in einer Gruppe übrig bleiben, soll eine Zusammenlegung möglich werden. Es sei im Interesse der Kinder, Aktivitäten in größeren Gruppen zu veranstalten. Allerdings müssen diese Gruppen dann für die verbleibenden Schulwochen konsistent bleiben.

Kritik äußerte in diesem Punkt gestern die Lehrergewerkschaft SNE (CGFP), sollte aus sanitären Gründen eine Vermischung von Gruppen doch um jeden Preis vermieden werden. Zudem seien die schulischen und pädagogischen Kriterien bei der Festlegung der Gruppen, die im Wochenrhythmus alternierend zum Unterricht antreten, zunehmend in den Hintergrund gerückt. Das stelle Eltern jetzt vor große organisatorische Herausforderungen, wenn Geschwister nicht mehr sinnvoll eingeteilt werden könnten und nur noch das Kriterium der Betreuung ausschlaggebend sei.

Am Dienstag sollen übrigens die Eltern Bescheid wissen bezüglich ihrer Einschreibung für die Schul- und Übungswoche und die Betreuung in der „Maison Relais“. Meisch zeigte sich gestern zuversichtlich, dass alle Gemeinden ab dem 25. Mai sowohl den Unterricht wie auch die Betreuung an den Nachmittagen sicherstellen können. Lediglich in einer Gemeinde sei das zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt.

Die Schüler können sich dann auch in den Schulstunden und unter Aufsicht auf den Spielplätzen im Pausenhof austoben – natürlich nicht alle Klassen zur gleichen Zeit. Allgemein rief Meisch gestern noch einmal dazu auf, so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen, nicht nur, weil dort die Ansteckungsgefahr am kleinsten sei, sondern auch, weil die Kinder nach so vielen Wochen daheim Bewegung brauchen. Es ist dann weiter geplant, dass die Kinder ihre Mahlzeiten in den jeweiligen Räumen zu sich nehmen. Spielsachen und Oberflächen sollen in regelmäßigen Intervallen desinfiziert werden.

Halbierte Kapazität in den Kinderkrippen

In die Kinderkrippen dürfen ab dem 25. Mai maximal fünf Kinder pro Raum aufgenommen werden. Ein Erzieher soll sich „im Rahmen der Möglichkeiten“ immer um dieselbe Gruppe kümmern. Wie im C1 sollen diese kleine Gruppen voneinander und nach außen abgeschirmt werden. Durch diese Bestimmungen wird die Kapazität an Betreuungsplätzen im Vergleich zum Vorkrisenmodus halbiert. Aus diesem Grund gibt die Regierung den Eltern die Möglichkeit, für Kinder unter vier Jahren auf den Sonderurlaub aus familiären Gründen zurückzugreifen. Eine wichtige Information für Eltern ist dabei noch, dass ihr Vertrag mit einer „Créche“ bis zum Start der Sommerferien ausgesetzt ist, sie also keinen sicheren Betreuungsplatz haben. Meisch ist dennoch zuversichtlich, dass die verringerten Kapazitäten ausreichen werden.

Kompetenzzentren: spezielle Situation

Eine spezielle Situation stellt sich in den Kompetenzzentren dar, die je nach den Bedürfnissen ihrer Schüler eigene Arbeitsweisen – und dementsprechend auch unterschiedliche Klassengrößen fahren. Da es sich aber in allen Fällen um „kleine“ Gruppen handele, sei eine Aufteilung nicht nötig. Allerdings wird es diesen Kindern nicht möglich sein, nachmittags in die „Maison Relais“ ihrer Heimatgemeinde zurückzukehren. Nach Bedarf könnten die Eltern auf den Urlaub aus familiären Gründen zurückgreifen, heißt es aus dem Ministerium. Die spezifischen Ateliers der Kompetenzzentren bleiben bis zum Ende des Schuljahres geschlossen. Die Schüler der Kompetenzzentren erhalten weiterhin entweder eine „Frupstut“ oder eine an die spezifischen Bedürfnisse des Kindes angepasste Mahlzeit.

Im Vorfeld der gestrigen Pressekonferenz meldeten sich die Personalvertretung der Mitarbeiter der Kompetenzzentren (APCCA) und der SEW/OGBL erneut zu Wort. In einem offenen Brief werfen sie dem Ressortminister vor, sich keine Gedanken über die Schüler mit spezifischen Bedürfnissen zu machen beziehungsweise dem Personal und den Eltern die Details vorzuenthalten. Die APCCA weist darauf hin, dass durch den Wegfall vieler Aktivitäten Konflikte zunehmen werden. „Unsere Schüler verstehen nicht, warum man jemanden nicht anfassen darf und machen es trotzdem.“