NIC. DICKEN

Seit diesem Wochenende haben nach der LSAP nun auch DP und Gründe ihre Wahlprogramme für den 20. Oktober verabschiedet und veröffentlicht. Von den vier Parteien, die realistisch für die Bildung einer neue Regierungskoalition in Frage kommen, bleibt derzeit nur noch die größte, die CSV, dem Wähler die Vermittlung der eigenen Vorstellungen schuldig, wie das Land in den kommenden fünf Jahren über die Runden kommen und mit welche (neuen?) Akzente die Politik dabei setzen soll.

Seit vergangenen Freitag wurde auch großflächig mit dem Anbringen der Plakate begonnen, und ausgerechnet hier kann die CSV, neben der klotzig nationalistisch auftretenden ADR, bislang alle anderen Parteien hinter sich lassen. Mehr Schein als Sein?

Die auf besagten Plakaten geäußerten Botschaften lassen indes bereits einen aufschlussreichen Blick zu auf die Ausrichtung der verschiedenen politischen Formationen. Dass beispielsweise die Grünen „méi Verantwortung“ verlangen, klingt plausibel und verständlich angesichts der Tatsache, dass sie trotz 30 Jahren Präsenz auf der nationalpolitischen Bühne als einzige der eingangs genannten Parteien noch nie in der Regierungsverantwortung waren. Dass sie die Demokratie erneuern, in einer gesunden Umwelt gut leben, Verantwortung für Europa und die Welt übernehmen und die Zukunft sichern wollen, erscheint mehr als legitim. Wobei man ihnen empfehlen muss, die Zukunft vor der Sicherung doch erst einmal zu gestalten.

Auf regelrechten Schmusekurs mit dem Wähler geht auf großflächigen Wahlplakaten der nationale Spitzenkandidat der LSAP, der „Loscht op muer“ vermitteln will, dessen halb träumerischer, halb nachdenklicher Blick allerdings nicht so recht erkennen lässt, wie ernst es ihm denn mit diesem Angebot gemeint und wie sicher er sich selbst seiner Sache ist.

Erstaunlich konkret im Vergleich zu früheren Wahlkämpfen gibt sich die DP in ihren grundsätzliche Programmaussagen, die in der Kernaussage „Besser Léisunge fir eist Land“ gipfeln und dabei den Wunsch zu wesentlichen Veränderungen deutlich erkennen lassen.

Nachdem die CSV zweimal hintereinander auf dem „sechere Wee“angetreten ist und sich dabei offensichtlich stark verlaufen hat, verzichtet sie diesmal auf Mobilität in ihren programmatischen Aussagen und setzt auf „Stabilitéit fir eist Land“. Stabilität als Gegensatz zur Unsicherheit, oder Stabilität als Gegensatz zur Mobilität und Flexibilität, das wird dem Wahlvolk (noch) nicht klargemacht. Immerhin hat vor noch nicht allzu langer Zeit ein gewisser Jean-Claude Juncker laut gedacht, dass wir zur Veränderung bereit sein müssen, wenn wir bleiben wollen was wir sind.

Mit ihrer internen Kommunikation scheint die CSV noch Probleme zu haben. Das mit der Stabilität beispielsweise der Staatsfinanzen hat man ja bislang auch nicht so recht hingekriegt, und in vielen anderen Bereichen, die maßgeblich sind für die Zukunftsgestaltung, kracht es ebenfalls gefährlich im Gebälk.

Und da muss man dann aufpassen, dass man nicht schnell in einem Zustand endet, der dem anderen Begriff sehr ähnlich ist - Labilität statt Stabilität.