NIC. DICKEN

Die Katze lässt das Mausen nicht. Selten um einen, selbst deftigen, Affront verlegen, hat der zum Leidwesen eines größeren Teils der übrigen Welt immer noch amtierende US-Präsident Donald Trump seinen heute beginnenden Staatsbesuch im Vereinigten Königreich offenbar einmal mehr akribisch vorbereitet. So als gäbe es im derzeit allenfalls von früherem Stolz zehrenden Königreich nicht schon genug politische Scherben im Zuge des unseligen Brexit-Geschachers, hat der Gast aus Übersee kurz vor seinem Eintreffen noch einmal kräftig Öl ins Feuer gegossen und damit nicht nur die ohnehin auf Abruf noch amtierende britische Regierungschefin vehement brüskiert, sondern mit seiner offen gezeigten Sympathie für die Gegner der EU auch der Staatengemeinschaft diesseits des Atlantiks noch einen kräftigen Seitenhieb verpasst.

Typisch Trump, könnte man einmal mehr sagen und in gewohnter Manier den Kopf schütteln ob des respektlosen und wenig geistreichen Gebarens des ersten Repräsentanten der langjährigen Partnernation gegenüber den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Verbündeten in Europa, an dessen sprunghafte, großkotzige und unberechenbaren Hirnsprünge man sich doch nicht recht gewöhnen mag.

Einmal sollte damit aber auch genug sein. Den amerikanischen Präsidenten verbindet mit dem derzeit lautstärksten Brexit-Befürworter auf der Insel, May-Herausforderer Boris Johnson, nicht nur die Vorliebe für Sturmfrisuren; sondern auch der klar erkennbare Wille, die über Jahrzehnte gewachsene europäische Staatengemeinschaft zu erniedrigen und am Ende der Zerstörung preiszugeben.

Es könnte Zufall sein, dass der Besuch von Trump im Vereinigten Königreich zeitlich zusammenfällt mit der 75. Jahrestag der Landung der alliierten Truppen an der Normandie-Küste, mit der nicht nur die transatlantische Partnerschaft begründet, sondern auch die Grundlage für die spätere politische Einigung Europas geschaffen wurde. Weil man aber an einen solchen Zufall nicht glauben mag, erscheint es umso verwerflicher, dass der Tollpatsch aus Übersee ausgerechnet diesen Termin nutzt, um seine Provokationen an die Adresse der nach wie vor offenbar in Schockstarre verharrenden National- und EU-Politiker auf dem europäischen Festland zu bekräftigen und zu erneuern.

Können sich diese eine derartige Demütigung und Erniedrigung auf Dauer gefallen lassen, oder muss man nicht endlich auf einen groben Klotz einen groben Keil setzen? Will sagen: Muss man dem GröPaZ aus USA nicht endlich klar und deutlich sagen, dass es so nicht sein kann und damit vor allem seinem heimischen Anhang, der angesichts mangelnden Widerspruchs ihren Anführer sogar im Recht wähnt, verständlich machen, dass dem nicht so ist, weil zu einer fairen und konstruktiven Partnerschaft eben auch gewisse Benimmregeln erforderlich sind, die der amtierende US-Präsident mittlerweile lange genug über Gebühr strapaziert hat.

Das Trump-Dilemma darf nicht noch um vier Jahre verlängert werden.