CAMILLE GIRA/MARCO GAASCH

Die Zerschneidung der Landschaft hat zur Folge, dass Tier- und Pflanzenpopulationen voneinander isoliert werden und der genetische Austausch erschwert wird, beziehungsweise nicht mehr stattfinden kann. Inzucht ist die Folge. Weiter kann die Zerschneidung für wandernde Tier-Populationen wichtige Lebensräume geografisch voneinander trennen. Mit der Reform des Naturschutzgesetzes soll deshalb die Möglichkeit hinzukommen, für die Vernetzung wichtige Bereiche als Naturschutzgebiete auszuweisen.

CAMILLE GIRA | STAATSSEKRETÄR IM NACHHALTIGKEITSMINISTERIUM: „Die Zerschneidung (,Fragmentierung‘) der Landschaft gilt als eine der wesentlichen Ursachen für den Rückgang der Tier- und Pflanzenarten, und bedroht somit die Artenvielfalt. Luxemburg ist das am stärksten fragmentierte Land Europas. Die Wiedervernetzung der Naturbereiche Luxemburgs - also das Erhalten und Wiederherstellen der ökologischen Korridore - ist ein zentrales Anliegen der nationalen Naturschutzpolitik und eine wichtige Maßnahme zur langfristigen Sicherung der Artenvielfalt Luxemburgs. Ich erinnere daran, dass die Landwirtschaftskammer zu einem früheren Zeitpunkt der Ansicht war, die ökologischen Korridore sollten nicht über den sektoriellen Landschaftsplan, sondern über das Naturschutzgesetz geregelt werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde im neuen Vorschlag des Naturschutzgesetzes die Möglichkeit eingeführt, für den Artenaustausch extrem wichtige Verknüpfungen als Naturschutzgebiete auszuweisen, und so vor Verbauung und Zerschneidung zu schützen.“

MARCO GAASCH | PRÄSIDENT DER LANDWIRTSCHAFTSKAMMER: „Die Landwirtschaftskammer sieht die Schaffung von Schutzzonen allgemein nicht als ein wirksames Instrument der Umweltschutzpolitik. Landbesitzern noch mehr Dienstbarkeiten aufzuerlegen wird ihre Motivation, die natürlichen Ressourcen zu schützen und eine positive Sichtweise auf den Naturschutz zu gewinnen, jedenfalls nicht erhöhen. Wir sind deshalb der Ansicht, dass zusätzliche Schutzzonen nur dort eine Berechtigung haben, wo auch nachweislich schutzwürdige Arten oder Habitate vorhanden sind. ,Ökologische Korridore‘, welche nach Gutdünken von Studienbüros geplant werden, erfüllen diesen Anspruch nicht. Darüber hinaus war es das Verständnis der Landwirtschaftskammer, dass die Regierung einen Schwerpunkt auf Natura 2000-Gebiete legen würde, in denen das Konzept der ökologischen Konnektivität eine wichtige Rolle spielt und für deren Ausarbeitung und Verwaltung die Eigentümer und Landwirte eingebunden würden.“