LUXEMBURG
COLETTE MART

Während des „Lockdowns“ vermehrten sich die Stimmen, eine neue Welt im Sinne der Nachhaltigkeit für uns alle in die Wege zu leiten.

Weniger Konsum, weniger Rennen nach Geld und Luxus, dafür aber mehr Zeit für die Natur, für Lesen und Spazierengehen, für andere Menschen, für die Familie: so lauteten die Traumvorstellungen, die durchaus Sinn machten, stellte sich doch heraus, dass der Lebensrhythmus vor der Pandemie uns keineswegs alle glücklich, und schon gar nicht alle reich machte.  Eine grundsätzliche Debatte darüber, wo wir denn jetzt hinsteuern wollen, erschien demnach als angebracht und als Chance.

Hier und jetzt, wo die Schulen wieder anfangen, Restaurants und Geschäfte wieder Kunden empfangen, und auch wieder einige verreisen und andere zuhause Urlaub machten, lohnt sich ein Gedanke darüber, wie denn im Moment eigentlich diese neue Welt aussieht, und wie es weiter gehen soll.  Tatsache ist, dass unzählige Betriebe nicht wissen, ob sie die Krise mittelfristig überstehen.  

In einer Gesellschaft, in der der ganze Event-Bereich noch praktisch still liegt, auch das Nachtleben noch nicht wieder angefangen hat, spontan Schwimmen oder ins Kino gehen ein organisatorisches Unterfangen wird, weil man sich vorher über Internet anmelden muss, scheint die Stimmung gebrochen. Auch das Tragen der Masken motiviert nicht zum Konsum, sondern ist ein Impuls für eine ganz neue Bescheidenheit, eine Reduzierung aufs Wesentliche: Solidarität ist wichtig, um andere nicht anzustecken, und um den eigenen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten.
Party- und Kaufstimmung kommen nicht auf, demnach bleibt man doch noch viel zuhause, wodurch dann die Wirtschaft auch nur zögerlich angekurbelt wird.  

Im Schwimmbad bewegt man sich manchmal nur mit 20 Leuten in einem Riesenbassin, und das Kino wirkt recht einsam. Konsumstimmung wäre im Endeffekt auch unfair gegenüber all den Leidtragenden der Krise.   Die neue Welt ist nicht nachhaltiger geworden, sondern hat soziale Unterschiede verschärft.  

Während die Mitarbeiter der öffentlichen Funktion weiterhin sichere Gehälter haben, verlieren viele Menschen in der Privatwirtschaft an Einkommen, und auch viele ihre Stelle und damit oft ihren Platz in der Gesellschaft.   Dies bedeutet eine Rückkehr nach Hause, eine verzweifelte Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, dies vor unzähligen geschlossenen Türen.  

Während einerseits die Anforderungen für gut bezahlte Stellen beim Staat sehr hochgeschraubt sind und die Konkurrenz demnach groß, registriert man doch eine interessante neue Offenheit in Bezug auf Arbeitssuchende.  

Erfahrung zählt, neue Luxemburger bekommen ihre Chancen, verschiedene Maßnahmen der Adem, wie zum Beispiel die Piste der „Assistants Pédagogiques“ für diplomierte Schulabgänger, sind interessante Ansätze.  

Das Kosmopolitische wird positiv bewertet, Erfahrungen aus der Privatwirtschaft werden auch in der öffentlichen Funktion geschätzt, so zum Beispiel bei Quereinsteigern im Schulwesen.  Demnach bieten die Schwierigkeiten des Arbeitsmarktes auch einige Chancen, kreative Umorientierungen zu fördern, die der ganzen Gesellschaft zugutekommen.