PASCAL STEINWACHS

War es in früheren Zeiten, das heißt bis vor wenigen Jahren, auch unter großherzoglichen Spitzenpolitikern so Usus, das öffentliche vom privaten Leben zu trennen, und sich - zumeist im Vorfeld einer bevorstehenden Wahl - allerhöchstens mal auf einem Fußballspiel, einer Braderie oder einer ähnlichen Veranstaltung ohne Krawatte sehen zu lassen, um solcherart zu unterstreichen, dass man sich, wenn nötig, auch ganz schön volksnah geben kann, so gehört es inzwischen in der Politik zum guten Ton, mehr oder weniger blankzuziehen.

Gott sei Dank nicht im richtigen Leben, denn ein solcher Anblick würde sich in der Mehrheit der Fälle wohl eher kontraproduktiv auf die potenziellen Wählerstimmen auswirken, sondern in den sozialen Medien, wo sich die Politiker in diesen Sommertagen, so wie Jenni a Menni dies ja ebenfalls tun, anhand allerlei Schnappschüsse aus dem Urlaub im Sympathisch-Dreinschauen zu übertrumpfen versuchen. Auf solche Weise können diese, die hiermit einen ausgewählten Einblick in ihr Privatleben geben, nämlich relativ einfach Sympathiepunkte sammeln, die sich bei den nächsten Wahlen möglicherweise auszahlen könnten.

Der Seriosität seines Amtes angepasst, hat sich indessen Ex-Facebook-Champ Xavier Bettel, der sich in den sozialen Medien nur noch ganz selten von seiner privaten Seite zeigt, und höchstens mal, so wie vorgestern im Anschluss an den olympischen Sieg von Tennisspieler Gilles Muller gegen die Nummer neun der Welt geschehen, ein beherztes „Bravo Mulles“ in die Welt hinaus twittert, so wie auch Vizepremier Etienne Schneider - meistens im Tandem mit seiner Staatssekretärin - fast immer nur Berufliches auf Facebook und Twitter zum Besten gibt.

Die Diskretion in Person ist - zumindest in den sozialen Medien - gemeinhin auch Außenminister Asselborn, der allerdings einmal im Jahr gehörig über die Stränge schlägt, und zwar dann, wenn er im Sommer zu seiner traditionellen Radlertour aufbricht, die ihn dieses Jahr unter anderem auf die gefürchtete Alpe d‘Huez führte. Klar, dass der mit Apfelessig mit Honig gedopte Chefdiplomat das Land bei so viel Einsatz tagtäglich via soziale Netzwerke über seine gerade abgestrampelten Etappen informieren muss. Großartig Sympathiepunkte sammeln, muss Asselborn hiermit jedoch nicht, ist er doch bekanntlich jetzt schon der beliebteste Politiker des Landes.

Ein anderer, allerdings nicht ganz so beliebter Politiker, nämlich CSV-Wüterich Michel Wolter, informiert das Land indes ebenfalls tagtäglich en détail über seine jeweiligen Tagesetappen, die ihn jedoch nicht mit dem Drahtesel über Frankreichs Berge, sondern per pedes rund um Luxemburg führen. Als Belohnung gibt‘s hunderte „Like‘s“, unzählige Kommentare, und bei den nächsten Wahlen vielleicht sogar auch einige Stimmen.

Und CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler? Der hat auf Facebook gerade einmal fünf Freunde, darunter drei, die auch Wiseler heißen. Und auf Twitter, da hat er bislang gerade einmal 24 Tweets verfasst. Da muss Parteipräsident Marc Spautz seinen allzu diskreten Spitzenkandidaten wohl noch etwas modernisieren...