CORDELIA CHATON

Lange, sehr lange Zeit galten sie als der Traum eines jeden Anlegers: Google, Apple, Facebook und Amazon, das oft als GAFA abgekürzte Quartett. Jetzt könnte sich das ändern.

Waren es bislang vor allem Europäer, die Milliardenstrafen wegen Wettbewerbsverzerrung verhängten, denken jetzt auch die Amerikaner darüber nach. Beispiel: Die „Federal Trade Commission“ (FTC) setzt sich mit der Macht von Facebook auseinander; als Ausgleichssumme für Anti-Datenschutz-Vergehen sind fünf Milliarden Dollar im Gespräch. Die Aufsicht über das Quartett wollen sich die FTC und das Justizministerium aufteilen. Eine gemeinsame Untersuchungskommission von Republikanern und Demokraten spricht von der „außergewöhnlichen Macht einer kleinen Zahl von unregulierten Plattformen“. Allein schon, dass Vertreter beider Parteien in diesen von Trump vergifteten Zeiten miteinander reden, spricht Bände. Beide Seiten wollen politisches Kapital aus der Sache schlagen, denn die Republikaner fühlen sich von der „Washington Post“, die Amazon-Chef Jeff Bezos gehört, ungerecht behandelt, während die Demokraten die Ungleichbehandlung gerade bei Steuern zum Wahlkampfthema machen wollen. Für Google liegt der Höchstsatz bei etwa drei Prozent.

Angesichts der Zahlen reibt man sich die Augen, dass das nicht schon viel früher passiert ist. Hier nur mal die Umsätze 2018: Apple 266 Milliarden Dollar, Amazon 233 Milliarden Dollar, Google-Mutter Alphabet 136 Milliarden Dollar und Facebook 55,84 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Luxemburger Staat gab 2018 geschätzt 27 Milliarden Euro aus. Angesichts solcher Zahlen ist schnell klar, wie wenig Milliardenstrafen den Konzernen ausmachen. Und warum selbst andere Multis vor ihnen zittern. So sorgt sich der Versicherungsriese Allianz angesichts der Marktmacht von Amazon ebenso wie mehrere Post- und Logistikunternehmen. Wer einmal das Volumen gesehen hat, dass Amazon - auch hier - in Posthallen einnimmt, der ahnt, was ein Rückzug bedeuten kann.

Längst geht es aber nicht mehr nur um Märkte, sondern auch um Demokratie. Das hat Facebook mit dem Cambridge Analytica-Skandal gezeigt und beweist es immer wieder, in dem Hassposts und Demokratiefeindliches zugelassen wird. FB-Mitgründer Chris Hughes forderte die Abspaltung von Instagram und Whatsapp, weil die Marktmacht viel zu groß und nur auf eine Person konzentriert sei. Was für ein werteloser Mann er ist, hat FB-Chef Zuckerberg ja immer wieder unter Beweis gestellt.

Für Luxemburg ist die Lage leicht verzwickt, will sich das Land doch nicht offen für höhere Steuern aussprechen, wo Google hier investiert und Amazon schon niedergelassen ist. Doch die OECD treibt das Thema weiter und will bis Ende 2020 ein Abkommen. Die G20 geht in eine ähnliche Richtung. Die EU sollte hier geschlossen zusammen stehen. Immerhin war sie es, die die Richtung vorgegeben hat, der die Amerikaner jetzt folgen. Werte zahlen sich aus. Das gilt übrigens auch für die Börse, wo die Kurse absackten. Vielleicht wird GAFA ja noch für „Gebe amerikanischen Firmen Anstand“ stehen oder für „Gruselige angsteinflößende Fiskuspreller abschaffen“.