LUXEMBURG
JEFF KARIER

Claire Parsons beeindruckt mit ihrer Stimme und ihrer musikalischen Vielseitigkeit

Singen war eigentlich schon immer ein treuer Begleiter“, sagt Claire Parsons. Die junge Sängerin zählt zu den wohl interessantesten Talenten, die Luxemburg aktuell zu bieten hat. Das sah auch die Jury der „Luxembourg Music Awards“ so, weshalb sie die 26-Jährige am 19. Dezember in der Rockhal mit dem „stART-up award for best upcoming musician“ auszeichneten. „Musician“, weil Parsons nicht nur eine hervorragende Sängerin ist. „Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu lernen und mit neun kam die Gitarre noch dazu“, erinnert sie sich. Dennoch ist das Singen ihr musikalischer Anker, das, für das sie mit Leib und Seele brennt.

Ihre Verbindung zum Singen hat sich laut Parsons bereits vor ihrer Geburt entwickelt. Denn ihre Mutter hat ihr bereits während der Schwangerschaft vorgesungen. „Später musste sie immer an meinem Kinderbett singen, damit ich einschlafe.“ Und auch beim Lernen neuer Instrumente sei das Singen wichtig, da es ihr sehr viel dabei geholfen habe.

Prägung durch verschiedene Genres

Singen habe sich für Parsons schon immer sehr natürlich angefühlt, weshalb sie ohne sich wirklich darüber bewusst zu sein, andauernd gesungen habe. Den ersten richtigen Gesangskurs habe sie jedoch erst mit 16 Jahren besucht, da dies damals das vorgeschriebene Mindestalter in Luxemburg war.

Während ihre frühe musikalische Ausbildung zuhause sehr Rock- und Pop-orientiert war, war die Musikschule sehr klassisch. „Ich trage diese Musikgenres wie tiefe Pfeiler in mir.“ Jazz lernte Parsons mit 13 Jahren kennen und schloss ihn sofort in ihr Herz. „Ohne Jazz wäre ich heute nicht dieselbe Person“, betont die Musikerin. Neben der Schule habe sie es geliebt, musikalische herumexperimentieren und eigene Musik zu schreiben. Sie mischte dabei die Genres zum Teil wild durcheinander. Auf diesem sehr breiten musikalischen Hintergrund konnte sie aufbauen und findet sich in ihrem Schaffen auch wieder.

Im Laufe ihrer Ausbildung sowie ihrer Karriere traf Parsons auf zahlreiche Sänger und Musiker. Viele davon haben sie nachhaltig beeinflusst. „Ich lerne gerne von jedem und allem“, meint die 26-Jährige. Dennoch gebe es einige Schlüsselfiguren für sie. „Meinen Universitätsprofessor David Linx würde ich als einen meiner größten Helden bezeichnen; gesanglich wie auch menschlich habe ich sehr viel von ihm gelernt. Er sieht den Gesang als etwas ganz besonderes und er gibt der Aufgabe ein Sänger in einem musikalischen Projekt zu sein sehr viel Hochachtung und Wertschätzung. Er hat mich sicher am meisten geprägt in den letzten Jahren.“

Viel beschäftigt

Parsons ist sehr aktiv und steht sehr oft im In- und Ausland auf der Bühne, und zwar immer wieder mit anderen Künstlern zusammen. Denn sie ist Teil gleich mehrerer Formationen und Projekten. Angefangen bei ihrem „Claire Parsons // Duo“. Bei diesem übernimmt sie Gesang und Piano und Eran Har Even begleitet sie auf der Gitarre.

Zum „Claire Parsons ///// Quintet“ gehören neben ihr und Eran Har Even auch Pol Belardi, Niels Engel sowie Jérôme Klein. Darüber hinaus ist sie Teil des Brüsseler Septetts „Aishinka“ und von „Tadpole Evolution“. „Ansonsten findet man mich in verschiedenen Projekten als Gastmusiker wieder oder ich mache eine spezielle Kreation für ein Konzert.“ So war sie Teil des „Orchästra“ der luxemburgischen Hip Hop-Formation „deLäb“, als diese 2018 ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Außerdem unterstützte Parsons Sacha Hanlet bei dessen neuem Projekt „Them Lights“ auf der Bühne.

Auf die Frage, ob ihr das nicht zu viel werde, meint Parsons: „Es gibt für mich nichts Schöneres, als mit vielen verschiedenen Musikern zu spielen. Ich möchte mir keine Gelegenheit entgehen lassen irgendwo dabei sein zu dürfen und die vielen verschiedenen Facetten von Musik, Bühnen und Menschen mitzuerleben.“ Laut Parsons kann man von jedem Menschen und Musikstil sehr viel lernen.

„Und genau dieses aufregende Gefühl bekomme ich, wenn ich in verschiedenen Formationen mitspiele“, erklärt das Multitalent. Man wachse mit so vielen Emotionen, Eindrücken und Wissen auf, die man dann in die eigene Musik einfließen lassen kann. Das motiviere sie in so vielen verschiedenen und unterschiedlichen Formationen aktiv zu sein. Für dieses Jahr plane sie ein Album mit ihrem Quintett aufzunehmen und weiter viel Zeit in ihre musikalische Ausbildung zu investieren sowie Musik zu schreiben. Aufgrund dieser vielen Engagements verbringt die Künstlerin sehr viel Zeit im Auto. Stand sie am Donnerstagabend noch im „Gudde Wëllen“ mit „SMAF“ auf der Bühne, so spielt sie heute im „Bix Jazz Club“ in Stuttgart und am 11. Februar im „KCB“ in Brüssel. Und was tut sie, wenn sie nicht auftritt? „Ich arbeite als Jazz/Pop-Gesangslehrerin an der Musikschule von Differdingen und in der Rockhal. Außerdem mache ich aktuell noch meinen Musik-Master in Brüssel. Auch meine Freizeit hat irgendwie immer mit Musik zu tun. Konzerte besuchen, Musik schreiben, Musik hören. Ich liebe es!“