LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Das Ukulele Orchestra of Great Britain: Vom Pub in die Philharmonie

Eigentlich sollte es ein einmaliger Gag sein. Eine Gruppe von Briten hatte sich zusammen getan, um ein Konzert ausschließlich mit der Ukulele zu geben, dieses Instrument, das eher an eine Kindergitarre erinnert, denn an ein ernst zu nehmendes Musikinstrument. Zur Überraschung des Oktetts war der Roebuck Pub in London ausverkauft und es mussten noch zwei weitere Termine angesetzt werden, wodurch die BBC aufmerksam wurde. Das war 1985. Und dann? Dann wurde die Welt das Ukulele Orchestra of Great Britain nicht mehr los. Bis heute hin nicht. Inzwischen touren die zwei Damen und sechs Herren sogar durch so hehre Musentempel wie die Luxemburger Philharmonie und füllten am Mittwochabend das Grand Auditorium. Freilich mit einem anderen Publikum, als man es sonst dort gewohnt ist. Feine Abendgarderobe, wie zu einem Konzert mit London Philharmonia oder dem OPL war eher selten. Aber genau das ist der richtige Weg, neue Konzertbesucher letztendlich auch für die Sinfoniekonzerte zu generieren.

Oft kopiert und doch nie erreicht

Natürlich, oder vielleicht sollte man besser sagen, of course, das Ukulele Orchestra of Great Britain ist das einzig Originale. Oft kopiert und doch nie erreicht. Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn diese Kombination aus musikalischer Virtuosität auf diesen Kleininstrumenten und dem typisch britischen Humor, der immer noch einen gewissen Empire-Einschlag hat, ist unerreicht. Da kommt dann die Ankündigung, man spiele jetzt ein klassisches Stück des berühmten irischen Komponisten Saint Sean. Niemand kennt diesen Namen und man muss feststellen, das Original ist vom Franzosen Camille Saint Saëns.

Und auch Lokalkolorit spielt eine Rolle, der allerdings nicht unbedingt für jeden zu verstehen ist. Etwa wenn ein Oktettmitglied über einen anderen sagt: „Ich verstehe ihn nicht, weil ich komme aus Sheffield und er aus Liverpool.“ Das Programm ging quer Beet durch die Klassik, das Unterhaltungsgenre und durch den Folk. Dieser sowohl aus England als auch aus den USA. Die amerikanischen Folksongs „sind auch in Englisch, haben aber einen deutlichen Akzent.“ Was die Briten mit diesem „hüpfenden Floh“, wie Ukulele übersetzt heißt, alles anstellen, ist teilweise atemberaubend.

Die aus Hawaii stammende kleine Gitarre mag Markenzeichen von einigen Künstlern, in Deutschland etwa von Götz Alzmann sein und der Belustigung dienen. Bei den Briten aber bekommt sie eine andere Größe. Bei allem Unterhaltungswert lag auch in der Philharmonie eine gewisse Ernsthaftigkeit im Raum. Und das nicht nur, weil die Musiker in feiner Abendgarderobe auf der Bühne saßen. An vielen Stellen musste man über die Präzision des Ensemblespiels staunen. Hinter allem Humor verbarg sich seriöses Musizieren. Genau so, wie es in eine Philharmonie passt.