DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Die Kultband Spyro Gyra hatte in Düdelingen einen abwechslungsreichen Auftritt

Mit über 30 Platteneinspielungen in rund 40 Jahren zählt „Spyro Gyra“ zu den produktivsten und langlebigsten Bands der Sparte Fusion weltweit. Als die Band 1975 in Buffalo, New York, gegründet wurde, sprach man noch von Rock-Jazz oder Jazz-Rock. Nur wenige Formationen können auf eine solch erfüllte Karriere zurückblicken.

Neben den „Yellowjackets“ und „Passport“ sowie den Bands der Gitarrenvirtuosen Pat Metheny und Mike Stern gehört „Spyro Gyra“ zu den Zugpferden einer Musik, die als Wegbereiter der heutigen Loungeszene nicht mehr wegzudenkenden ist.

Raffinierte Soundtexturen

Wirklich verändert hat sich die Band nicht, seitdem ich sie vor nahezu 30 Jahren beim „North Sea Jazz Festival“ in Den Haag gehört habe - und das ist auch gut so! Schon damals zeigte sich das Konzept, ohrwurmartige Melodielinien im schillernden Mantel von raffinierten Soundtexturen verpackt und mit einem gehörigen Schuss effektvoller rhythmischer Nuancierungen zu präsentieren als äußerst publikumswirksam.

Nachdem die Gruppe genau eine Woche zuvor einen bedeutenden Erfolg im berühmten Pariser „New Morning“ feiern konnte, fanden die Veteranen des „Fusion Jazz“ nach vielbeachteten Auftritten bei Festivals in der Schweiz, Italien und Holland zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihren Weg nach Luxemburg.

Eigentlich war keine musikalische oder dynamische Steigerung bei dem Programm, das „Spyro Gyra“ am vergangenen Freitag im Kulturzentrum „opderschmelz“ in Düdelingen präsentierte, zu verzeichnen. Doch die feurige Mixtur aus Rock, Pop und Latin fesselte trotzdem. Dies tat sie hauptsächlich durch die Diversität der Soundstrukturen und dem permanenten Funk-groove mit dem die Band ihren Stellenwert auf der internationalen Szene als Vorreiter der Easy Listening-Bewegung seit Jahrzehnten behaupten kann.

Erfrischende Abwechslung

Das Programm begann mit einer ekstatischen Demonstration von technischer Brillanz und durchwachsenen Orchestrationen und endete ebenso.

Was sich zwischendurch abspielte, war eine Bestätigung der bewährten, konzentrierten Klangtexturen mit dem professionellen Know How der Band um Gründungsmitglied Jay Beckenstein an Sopran- und Altsaxofon, der mit seinem, rein klanglich, akustischen Spiel für erfrischende Abwechslung im Gewirr der elektronischen Soundspielereien sorgte.

Das 2. Gründungsmitglied, Keyboarder Tom Schuman gewährleistete in vorbildlicher Manier die persönliche Transparenz des Backgrounds und setzte permanent Akzente durch Moogsynthesizersimulationen oder nostalgische Hammondorgan- oder Fenderpianountermalungen, die der Bereicherung der zahlreichen Aneinanderreihungen der gewohnten Soundmuster nur zu Gute kamen.

Auch der hervorragende argentinische Gitarrist Julio Fernandez trug wesentlich durch seine abwechslungsreichen, komplexen melodischen Improvisationen sowie einer längeren originellen und qualitativ hoch einzuschätzenden Vokaleinlage zur farbenfrohen Gestaltung des durchaus überzeugenden Abends bei.

Ein mitreißendes a cappela-Solo des Bassisten Scott Ambush, bei dem er sämtliche Register der aktuellen Bassschulen zog und eine atemberaubende Schlagzeugsoloeinlage von Lee Pearson, der neben seinem traditionellen Drumset, ein Arsenal von rund einem Dutzend Pauken und Becken bediente, sorgten für die handwerklichen Höhepunkte des doch vielschichtigen Panoramas des Konzerts, das auch zwei Kostproben des 35 Jahre alten Kultalbums „Morning Glory“ vorstellte.

Auf jeden Fall ist es eine beachtliche Leistung ein solch klischeehaftes Programm ohne Überraschungen mit einer solchen professionellen Überzeugung zu präsentieren und das Publikum dankte für diesen interessanten und kurzweiligen Ausflug in die Welt des Brückenbaus der U-Musik mit gebührendem Beifall und den schon üblichen „standing ovations“.