LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Bildungsminister Meisch stellte Prioritäten vor: „Mehrsprachig, differenziert und kindgerecht“

Die Visionen sind groß, genau wie die Zahl der konkreten Reformprojekte, mit denen Bildungsminister Claude Meisch aktuellen Problemen sowie künftigen Herausforderungen im Schulbereich begegnen will. „Mir schwätzen Zukunft. Méisproocheg. Differenzéiert. Kandgerecht.“: Unter diesem Motto startet der Minister in das neue Schuljahr. Gleichzeitig sind dies die drei großen Prioritäten in der Bildungspolitik.

Der rasante technische Fortschritt bewirke, dass sich auch die Gesellschaft schneller denn je verändere, bemerkte der Minister gestern eingangs der traditionellen Pressekonferenz zur Schulrentrée. Gleichzeitig stelle diese Tatsache den Bildungssektor ständig vor neue Herausforderungen. „Wir müssen uns einer paradoxalen Situation stellen: Kinder und Jugendliche auf eine Gesellschaft und ein Berufsleben vorbereiten, die am Ende ihres Bildungswegs ganz anders aussehen als am Anfang. Sie müssen mit Technologien umgehen und Probleme lösen, die es am Beginn ihres Bildungswegs noch gar nicht gab“, stellte Meisch fest.

Einzelne Reformen reichen nicht

„Unser Bildungssystem muss eine Brückenfunktion erfüllen. Die Schule baut Brücken, die es unseren Kindern erlauben sollen, in Zukunft ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Wenn wir die gesellschaftliche Entwicklung ignorieren, führen diese Brücken ins Leere“, meinte der Minister. Um das Bildungssystem an die gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen, reiche es nicht, ein paar einzelne Reformen zu machen, vielmehr müsse ein Rahmen geschaffen werden, der sich permanent weiterentwickeln und verbessern könne. Wichtig seien in diesem Kontext die Aspekte, die direkt mit dem Unterrichten und dessen Qualität zu tun hätten, weshalb mehr Wert auf Aus- und Weiterbildung der Lehrer genau wie auf das Lehrmaterial gelegt werde. Die für das Jahr 2016 geplante Gründung eines Zentrums für Schulentwicklung an der Uni Luxemburg sei von großer Bedeutung, um einen Rahmen für die systematische Zusammenarbeit aller Dienste in diesem Bereich zu schaffen.

Mehr Schulautonomie - Vielfältigeres Angebot

„Schulen müssen sich unterschiedlich entwickeln können“, betonte Meisch und wiederholte eines seiner Hauptanliegen: Angesichts der Heterogenität der Schülerpopulation sei es wichtig, ein größeres Schulangebot zu schaffen. Insbesondere im „Secondaire“ soll die Schulautonomie weitergetrieben werden. Zehn Prozent ihres Programms kann eine Schule momentan selbst gestalten, diese „Freiheit“ soll aber ausgebaut werden, um noch gezielter auf die Bedürfnisse der Schüler reagieren zu können, wie der Minister erklärte. Um den Lyzeen die Idee, sich mit ihrem Angebot abzusondern und sich eine eigene Identität zu schaffen, schmackhafter zu machen, wird Meisch Anfang 2016 Gespräche mit den einzelnen Direktionen aufnehmen. Auch das Projekt „MINT-Lycée“ - die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - will er in die Tat umsetzen, dies um Schülern, die in den genannten Fächern stark sind, jedoch Probleme in den Sprachen haben, größere Chancen auf Erfolg zu ermöglichen.

85 Projekte für ein nachhaltiges Schulsystem

Momentan koordiniere und bearbeite man im Ministerium insgesamt 85 Reformprojekte, informierte der Minister: „Projekte, die dazu beitragen, unser Schulsystem nachhaltig zu entwickeln, das heißt, es so zu stärken, dass es sich kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern kann und letztendlich Kindern bessere Zukunftschancen geboten werden“.

Zwei neue Institute für Problemfälle

„Die Schwächsten dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Unser Schulsystem reproduziert aber immer noch soziale Ungerechtigkeiten. Damit möchte ich mich nicht abfinden“, betonte der Minister. Die öffentliche Schule müsse Chancengerechtigkeit garantieren. Unüberbrückbare Barrieren müssten aus dem Weg geräumt werden. Vergangene Woche war in diesem Kontext bereits das Projekt der multilingualen Frühförderung vorgestellt worden. Auch für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten soll nun endlich ein spezifisches Angebot geschaffen werden. Die Pläne einer Reform der „éducation différenciée“ würden in den kommenden Monaten konkretisiert, sagte Meisch. Die Schaffung von zwei neuen Instituten - eines für Kinder mit Lernschwierigkeiten und eines für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten - wird ein wichtiger Bestandteil davon sein.

Internetpräsenz ausgebaut

„Mir schwätzen Zukunft, dat ass eis Ambitioun. Et muss den Usproch un eis selwer sinn, eis konsequent mat der Zukunft vum Land a mat den Zukunftschancë vun eise Kanner ausserneen ze setzen“, betonte Meisch abschließend. Künftig soll deshalb noch deutlicher auf Dialog gesetzt werden. „Mitteilen und zuhören“, lautet die Devise, die mit der Schaffung eines neuen Internetportals sowie eines Blogs verfolgt wird.


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