LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Saison 2018/19 in den Rotondes wird wieder abwechslungsreich

Der Grundstein wurde bereits im Kulturjahr 2007 gelegt. Ab 2008 nahm das Abenteuer „Rotondes“ mit Robert Garcia an der Spitze - und später Steph Meyers - dann unaufhaltsam an Fahrt auf, zuerst in Hollerich im CarréRotondes und nun seit drei Jahren in den beiden ehemaligen namengebenden Wartungshallen der Eisenbahn. Der Standort ist noch nicht komplett fertiggestellt, die Restaurierungsarbeiten in Rotunde 2 dauern an. Viele Baustellen befinden sich noch dazu in unmittelbarer Nähe, was nicht immer ohne Auswirkungen auf das Programm beziehungsweise den Betrieb bleibt, wie im Verlauf der gestrigen Vorstellung der neuen Spielzeit mehrfach angemerkt wurde.

Dennoch: „Als Struktur sind wir nach zehn Jahren nicht mehr aus der kulturellen Landschaft Luxemburgs wegzudenken“, stellte völlig zu Recht Verwaltungsratspräsidentin Nancy Braun fest. Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer sprach von einem wichtigen Begegnungsort, insbesondere - aber nicht nur - für junge Leute, dies an einer Schnittstelle zwischen zwei dynamischen Stadtvierteln. „Das Programm hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt und gewinnt Jahr für Jahr an Anklang. Das spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider, die konstant steigen. Letzte Saison konnten so fast 90.000 Besucher gezählt werden“, wusste derweil Kulturstaatssekretär Guy Arendt zu berichten. Innerhalb von sechs Jahren hätte man einen Zuwachs um 200 Prozent verzeichnen können, fügte Direktor Steph Meyers hinzu. Auch in der elften Saison werden in dem Kulturzentrum wiederum Brückenschläge zwischen den Sparten Bühnenkunst, Musik und bildender Kunst unternommen. Hinzu kommen Vorträge, partizipative Projekte und Workshops aller Art und für alle Altersgruppen.

Zwei eigene Bühnenkreationen

Was den Programmteil „Bühnenkunst“ anbelangt, so konnten letzte Saison 23.400 Besucher in 240 Vorstellungen gezählt werden. 2018/19 sind 34 Produktionen (218 Vorstellungen) vorgesehen, darunter zwei Kreationen. „Willkommen. Bienvenue. Wëllkomm!“ der Berliner Regisseurin Ania Michaelis (Premiere am 11. Oktober) richtet sich mit Klängen, Musik, Licht und Gesten an die Allerkleinsten (ab zwei Jahren). Milla Trausch, Elsa Rauchs und Jean Bermes stehen auf der Bühne. Die zweite Kreation steht zum Ende der Saison an: „Drawing on Steve Reich“ (5. und 6. Juni) versteht sich als synästhetische Reise mit Musik von Steve Reich. Das Ensemble der „United Instruments of Lucilin“ spielt, begleitet von Preisträgern der „Bourse Michelle“, „Music for 18 musicians“, ein Hauptwerk der Minimal Music. Dazu wird eine Gruppe von Kindern ein großes Bild in der Gestalt eines Mandalas entwerfen. „Diese zwei Koproduktionen verdeutlichen die Bandbreite dieses Hauses“, sagte die Programmverantwortliche Laura Graser.

Zu den bewährten Programmschwerpunkten zählen wiederum das elektrifizierte Familienfestival „PICelectroNIC“ (27.-28.10), „Chrëschtdeeg am Theater“ (26.-30.12), „Fabula Rasa“ (23.-29.01) rund ums Erzählen und die Welt der modernen Märchen sowie das alle zwei Jahre stattfindende Festival „Multiplica“ (1.-3.03), das die Verbindungen zwischen dem digitalen Schaffen und verschiedenen Kunstrichtungen erforscht.

Auch Tanz wird in seiner ganzen Bandbreite in der neuen Spielzeit wieder sehr präsent sein, angefangen mit „7m2“ inspiriert an „Hänsel und Gretel“ (4.+6.10) über „SaC à DoS“ (23.10) der beiden Choreografen Jennifer Gohier und Grégory Beaumont bis hin zu „Hocus Pocus“ (31.03 + 2.04) der Kompanie Philippe Saire aus Lausanne. Der „Nouveau Cirque“ hat ebenfalls seinen festen Platz im Programm der Rotondes: ein erstes Rendezvous ist mit dem „Collectif à Sens Unique“ und dem Stück „Mule“ am 18. und 19. Oktober vorgesehen.

Siegel „Auch empfohlen für Erwachsene“

Um zu verhindern, dass Erwachsene Veranstaltungen fernbleiben, die sie wegen der nebenstehenden Altersangabe als zu kindlich erachten, haben die Programmverantwortlichen indes ein neues Label entwickelt: Mit dem Siegel „Auch empfohlen für Erwachsene“ sind ab nächster Saison alle Events gekennzeichnet, die ein breiteres Publikum interessieren dürften.

Zu den Grundsteinen der Rotondes gehört derweil außerdem das auf die ganze Saison verteilte Workshop-Programm „Labo“ für alle Alterskategorien. Das reicht vom „Labo Tiptiptaps“, einem Musikworkshop im Eltern-Kind-Duo über wöchentliche „Theaterlabos“ bis hin zu Akrobatik-Workshops. Ein breitgefächertes soziokulturelles Programm gehört bekanntlich ebenfalls dazu. Thematisch und formal sind in diesem Kontext keine Grenzen gesetzt: Diskussions- und Filmabende oder populäre Events wie „We Ride - Bike & Skate Market“ (23.-24.08), „de lokale Maart“ (29.-30.09) oder die „Foire aux disques“ (7.10 + 10.02), um nur einige zu nennen.

Das anstehende Sommerprogramm

Was den musikalischen Bereich anbelangt, so steht mit den „Congés Annulés“ bekanntlich ein letztes Saison-Highlight (27.07-24.08) in den Startlöchern. 48 Gruppen und 30 DJ Sets stehen an 29 Programmtagen im Mittelpunkt des Geschehens. Im Herbst beginnt dann die neue Konzertsaison mit internationalen Musikern und lokalen Bands. Das Programm wird nach und nach gelüftet. Vormerken kann man sich bereits den 29. März, wo erneut der „Piano Day“ veranstaltet wird.

Mit „18“ erwartet die Besucher in den beiden Rotunden sowie im Außenbereich in knapp zehn Tagen derweil noch ein weiteres ungewöhnliches Projekt, in dessen Fokus Minigolf steht. Die verschiedenen Stationen der weitläufigen Ausstellung (beziehungsweise Minigolfanlage der etwas anderen Art) werden kreativ von Künstler gestaltet, die die Rotondes in den letzten zehn Jahren mit ihren unterschiedlichen Beiträgen begleitet haben. Natürlich kann man selbst den Minigolfschläger schwingen.

Das ganze Programm unter www.rotondes.lu