LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Jazz-Pianist McCoy Tyner wird heute 75

Anfang der 1950er Jahre stellte seine Mutter den damals dreizehnjährigen McCoy Tyner vor die Wahl: Entweder sollte er Gesangsunterricht oder Klavierstunden nehmen. Später sagt McCoy, dass er sehr glücklich ist, sich damals für das Klavierstudium entschieden zu haben. Kaum ein anderer Jazzpianist hat nachfolgend die Stilistik des Jazzpianos so revolutionär verändert wie er. Nach seinen Anfangsjahren bei Sonny Rollins und dem „Bennie Golson/Art Farmer Tentet“ begann sein steiler Aufstieg als wichtigster Erneuerer der stilistischen Strukturen des modernen Pianostils in dem legendären Quartett des Saxophonisten John Coltrane, dem er von 1960 bis 1965 angehörte.

Unterwegs mit Ike und Tina

„Er spielt Klavier wie ein brüllender Löwe“ charakterisierte der amerikanische Kritiker Bill Cole den Ausnahmemusiker, der mit seinen faszinierenden Akkordstrukturen der linken Hand, kombiniert mit der ungeheureren Spannung seiner intensiven Melodielinien, die Jazzwelt immer wieder in ihren Bann zog.

Der virtuose Pianist behandelt das Klavier von jeher wie ein ganzes Orchester, seine Clusters und sein unverkennbarer persönliche Sound, frei von Klischees, waren und sind auch heute noch immer wegweisend für die Entwicklung des modernen Jazzpianos. „Seine größte Gabe ist sein melodischer Einfallsreichtum und die Klarheit seiner Ideen“ lobte der Meister John Coltrane.

Nach seinem für weltweit sensationelle Beachtung erregendem Mitwirken beim klassischen „Coltrane Quartett“ wurde es in der Jazzszene zunächst ruhig um den begnadeten Musiker. Er tourte mit Ike & Tina Turner, und diversen Bluesgruppen u.a. mit Jimmy Witherspoon durch Amerika, machte eine längere Studienreise durch Japan, pausierte musikalisch während mehreren Jahren und widmete sich intensiven Recherchen in punkto Folk- und Worldmusic.

Abstecher nach Luxemburg

In seinen nachfolgenden Produktionen setzte der Musiker dann seine gesammelten Erfahrungen im Bereich der Volksmusik aus Indien, Afrika und arabischen Ländern in die Tat um. „Alle Arten von Musik sind untereinander verbunden und ich versuche herauszufinden was andere Völker uns musikalisch zu sagen haben“, so McCoy Tyner, der daraufhin auf seiner Platte „Sahara“ einen ersten Erfolg als Leader erzielte. Danach folgte ein Erfolg auf den anderen.

Als „Gruppe des Jahres“, „Pianist und Musiker des Jahres“ und „Platte des Jahres“ gewählt verbucht McCoy Tyner einen Erfolg, der neben ihm bis dato nur Miles Davis vorbehalten war. In Luxemburg war Tyner mehrmals bei Aufsehen erregenden Konzerten zu Gast, zum Beispiel in Triobesetzung bei einem raren Clubauftritt im Melusina auf Einladung des „jazzclubluxembourg“, im Conservatoire de Musique und bei den Wiltzer Festspielen.