SIMONE MOLITOR

Ist das Buch denn nun ein bedrohtes Medium oder doch nicht? Wenngleich sich die Branche während der großen Messen wie zuletzt in Leipzig immer gerne optimistisch gibt, spricht der Rückgang von Buchkäufern doch eine andere Sprache. Besonders bei Heranwachsenden hat das Buch durch die sozialen Netzwerke und letzten Endes auch Streamingdienste zunehmend Konkurrenz bekommen. Die jüngeren Generationen gilt es deshalb, umso verstärkter zum Lesen - von Büchern wohlverstanden - zu motivieren.

Wenn am 2. April der Internationale Kinderbuchtag und am 23. April der Welttag des Buchs gefeiert wird, spielt auch die Leseförderung eine immer wichtigere Rolle. Obwohl der Trend zum weniger Lesen von Büchern laut diverser Studien auch ältere Erwachsene - jene mit höherer Bildung eingeschlossen - erfasst hat, dürfte klar sein, dass doch besonders das Interesse einer jüngeren Leserschaft geweckt werden muss. Immerhin wird der Grundstein für das spätere Leseverhalten bereits in der Kindheit gelegt. Wer früh auf den Geschmack kommt, bleibt in der Regel eher am Ball. Bücherwürmer müssen also gezüchtet werden! Damit dies gelingt und die Kleinen irgendwann zu ausgewachsenen Leseratten gedeihen, muss der Stoff stimmen. Hauptsache bunt reicht längst nicht immer aus.

Zwar reichen die Spuren der Kinder- und Jugendliteratur bis ins Mittelalter zurück, als wirklich kindgerecht kann das damalige Lese- und Vorleseangebot aus heutiger Sicht aber sicherlich nicht eingestuft werden. Oftmals waren diese altertümlichen Werke durch eine drastische Abschreck- und Drohpädagogik geprägt oder enthielten nichts weiter als trockene Belehrungen. Dem Erziehungsfaktor kam seinerzeit eine dominierende Rolle zu. Zum Glück hat die Kinder- und Jugendliteratur in den vergangenen Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel erlebt, auch wenn Verhaltensregeln und Botschaften natürlich immer noch ihren Platz zwischen den beiden Buchdeckeln finden.

Auch in Luxemburg ist die Entwicklung in diesem Bereich begrüßenswert. Nie zuvor wurden so viele Kinderbücher in luxemburgischer Sprache - oder oft auch mehrsprachig - veröffentlicht. Zweifelsohne können sie als Sozialisierungsinstrument dienen und tragen überdies bereits bei den ganz Kleinen zur Gefühlsentwicklung bei. Dem kindlichen Leser erschließen sich neue Welten, die Fantasie wird angeregt und die Neugier geweckt. Natürlich kommt den Eltern, Großeltern, der Tante oder dem Onkel in diesem Fall eine wichtige Rolle zu, nämlich die des Vorlesers. Die Bücher können noch so bunt sein, noch so toll illustriert und noch so spannende Geschichten erzählen, fehlt der ausschlaggebende warme Kontakt zu einer vertrauten Person, fällt der Einstieg in die Welt des Buchs schwer.

In einer Gesellschaft, in der Bildschirme eine immer größere Rolle spielen, muss man sich seiner Verantwortung als Erwachsener gegenüber dem Nachwuchs auch in diesem Kontext stets bewusst sein. Wer von klein auf nur passiv auf einen Bildschirm starrt, kann nie in die gleichen Fantasiewelten eintauchen oder sogar flüchten wie ein Bücherwurm. Leisten wir unseren Beitrag, damit diese Spezies nicht ausstirbt!