LOS ANGELES
PATRICK VERSALL

Autor Lawrence Grobel ist seit über 30 Jahren mit Al Pacino befreundet

Der US-amerikanische Journalist Lawrence Grobel hat Al Pacino 1979 kennen gelernt, als er ihn für die US-amerikanische Ausgabe des „Playboy“-Magazins zum Interview traf. Grobel hat den Superstar seitdem für zahlreiche amerikanische und deutsche Kinomagazine und den „Rolling Stone“ interviewt; die gesammelten Interviews sind 2008 unter dem Titel „Al Pacino in conversation with Lawrence Grobel“ erschienen, das mittlerweile in über 13 Sprachen übersetzt wurde. „Das erste meiner Bücher, was auf Chinesisch erschienen ist“, betont der Autor im „Journal”-Interview, der bis heute mit Al Pacino befreundet ist und sich sogar während 15 Jahren jeden Sonntagmittag mit ihm zum Essen getroffen hat. Für den Journalisten war es schon eine Überraschung, dass sich zwischen ihm und dem Schauspieler eine Freundschaft entwickelt hat, da Pacino jahrelang die Presse gemieden hat und Interviewanfragen immer Absagen erteilte. „Rückblickend kann ich behaupten, dass wir beide uns von Anfang an aber ziemlich gut verstanden haben“. Beide stammen aus New York, Pacino aus der Bronx und Grobel aus Brooklyn.

Zurückhaltend

Grobels Erinnerung an seine ersten Zusammentreffen mit Al Pacino Ende der 1970er sind ihm heute noch sehr präsent: Er traf den Mimen in dessen Wohnung, die, für einen bekannten Schauspieler, eher schlicht eingerichtet und möbliert war. Etwas unordentlich sei es in der Wohnung gewesen, sie habe ihn an eine Junggesellenbude erinnert, erklärt der Journalist. Pacino war sehr nervös, als er Grobels Aufnahmegerät erblickte. „Ich wusste, dass ich die Kontrolle des Gesprächs übernehmen musste.“ Pacino erlaubte dem Journalisten auf Anhieb, die Kontrolle zu übernehmen, vermutlich deshalb, weil er Grobels Interviews mit Marlon Brandon, den er schätzte, kannte und gelesen hatte.

Die ersten Gespräche waren eine richtige Herausforderung für den Journalisten, da Pacino äußerst zurückhaltend war. Grobel blieb eine Weile in New York, begleitete Pacino zum Filmset; sie spielten Baseball und joggten. Nachts saßen sie oft zusammen und redeten lange. Grobel wollte keinesfalls den Gesprächspartner dazu bringen, in kürzester Zeit Persönliches preiszugeben. „Es entwickelte sich etwas Besonderes, insbesondere aber für ihn, weil er nie zuvor mit Journalisten gesprochen hat. Al sprach zwar mit Psychologen, aber nicht mit Journalisten“, erklärt Grobel mit einem leichten Schmunzeln. Der Buchautor und Journalist stellte dem Theater- und Filmschauspieler Fragen, die ihn in gewisser Weise herausforderten. Grobel hatte das Gefühl, dass Pacino diese Art des Gesprächs mochte.

Pacino und Grobel fingen an, die gegenseitige Gesellschaft zu schätzen. Der Schauspieler entdeckte den Menschen hinter dem Journalisten und kapierte, dass es Grobel, im Gegensatz zu anderen Journalisten, nicht nur darum ging, eine Story zu bekommen. Pacino lernte Grobels Frau kennen, er schickte ihr Blumen, als die Grobels ein Kind bekamen. Eine richtige Freundschaft entwickelte sich zwischen den beiden.

Unveröffentlichte Gespräche

Grobel und Pacino sprachen öfters darüber, dass der Journalist eines Tages die Memoiren des Hollywoodschauspielers verfassen sollte. Grobels Tochter zog ihren Vater immer damit auf, dass er nie ein Buch über Pacino verfassen würde, weil dieser es vielleicht nicht wollte. „Ich dachte irgendwann sogar, dass sie vielleicht gar nicht so unrecht hatte“, betont Grobel. Die Verlage boten dem Autor schon vor Jahren mehrstellige Beträge an, damit er die Biografie seines Freundes schreiben würde. Grobel hatte aber nie die Absicht, Pacino dazu zu drängen, sein Einverständnis für ein solches Projekt zu geben. „Ich schlug ihm dann irgendwann vor, die bereits geführten Gespräche zu einem Buch zusammen zu fügen. Er willigte ein und sagte: „Dann mach mal.“ Grobel schrieb einen einleitenden Text, Pacino das Vorwort. „Al schreibt eigentlich nie Vorworte für Bücher.“ „Al Pacino in conversation with Lawrence Grobel“ enthält auch das eine oder andere Interview, das noch nicht in einer Zeitung oder einem Magazin veröffentlicht wurde. Er habe noch ausreichend Material, um zwei weitere Bücher über Pacino zu publizieren, meint Grobel. In Polen ist mittlerweile schon eine überarbeitete Fassung erschienen, das der Autor um ein weiteres Kapitel ergänzt hat. „Das Buch scheint populär zu sein.“

Grobel will den Lesern mit dem Buch zeigen, wie Al Pacino im Laufe der Zeit über seine Rollen und Projekte reflektierte und sich seine Meinungen zu verschiedenen Themen zu ändern begannen. „Ich fand das sehr interessant, denn es zeigt die Evolution eines Denkprozesses“.

Pacino und Grobel haben sich selten über Details gezankt, die nicht veröffentlicht werden sollten. Am Anfang sei Pacino nervös gewesen, wenn es darum ging darüber zu reden, wieso er nicht in der Armee war; er sei sogar ins „Playboy“-Büro gekommen und habe darum gebeten, diese Passage aus Text heraus zunehmen, erzählt Grobel. „Ich lachte und willigte ein, denn in meinen Augen handelte es sich um ein kleines Detail. Hätte ich es nicht getan, wäre er wahrscheinlich angepisst gewesen.“