COLETTE MART

Dieses Wochenende wird in zahlreichen Gemeinden des Landes der Internationale Tag des Buches zelebriert. Wie anlässlich der diesbezüglichen Pressekonferenz unterstrichen wurde, sind Bücher wichtig für die Zukunft unseres Landes. Tatsächlich haben sich wie jedes Jahr die Akteure rundum das Buch wieder zusammengefunden, um sowohl soziale als auch spielerische Events zu organisieren, die allen Generationen das Buch (wieder) näher bringen sollen.

Einerseits ist das Buch trotz moderner Medien überall präsent, und die Leichtigkeit, mit der man alle erdenklichen Bücher über Internet beziehen kann, widerspricht dem Vorurteil, nachdem moderne Medien mit dem Buch konkurrieren und dessen Platz einengen.

Andererseits macht sich in unserem Alltag eine Verzettelung und oft auch eine Überbelastung breit, die den Zugang zum Buch erschwert, erfordert dieses doch eine Konzentration, die man nach einem langen Arbeitstag, sowie aufgrund zahlreicher elektronischer Anreize nicht mehr aufbringen kann.

Wer gerne liest, jedoch durch den Stress des Alltags den Draht zum Buch verliert, wird irgendwann das Gefühl nicht mehr los, dass ihm eine parallele, innere Welt abhanden gekommen ist. Das Buch eröffnet dem Leser nämlich in allen Fällen einen Einblick in eine andere Geschichte als die eigene, in andere Gedankenwelten, ein anderes Land, eine andere Zeit. Vergleiche werden möglich und reflektiert, Probleme können in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden, oder auch Bewältigungsstrategien plötzlich, beim Umdrehen einer Seite, gefunden werden.

Eigene Werte werden relativiert, persönliche Probleme können als allgemein gesellschaftliche identifiziert werden. Das Buch hilft, das Verständnis über das eigene Leben zu vertiefen, und einzusehen, dass andere Menschen und andere Kulturen anders funktionieren können.

Lesen bleibt oft eine einsame Sache, glücklicherweise, und erlaubt uns, endlich einmal bei uns selbst zu sein. Es erweist sich auch als privilegierter Zugang zu einem anderen Land. Wer verreist, ist am besten beraten, ein Buch zu lesen, das im Reiseland spielt, weil sich hier die Werte, die Landschaften, die Geschichte, die Menschen, die Zwischentöne und die Kultur offenbaren.

In einer Gesellschaft, in der junge Menschen sich oft mithilfe moderner Medien isolieren, und deren Kommunikation einsilbig und genormter wird, wird das Lesen, so wie es anlässlich des Internationalen Tages des Buches in unseren Schulen gefördert wird, immer öfter zu einem Klassenerlebnis.

Autoren werden in Schulen eingeladen und beantworten Fragen, jugendliche Autoren bekommen das Wort, Schreibateliers werden organisiert, so dass auch der Zugang und die Sensibilisierung für das geschriebene Wort angesprochen werden. Auch Lesenächte stehen in den Schulen auf der Tagesordnung.

Hinter den vielen Schlagzeilen, die die Schule macht, verlieren wir oft den Blick auf die zahlreichen Bemühungen, die hier unternommen werden, damit Jugendliche über die Bücher und das Wissen besser zu sich selber finden. In diesem Sinne ist und bleibt das Buch eine Investition in die Zukunft.