LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Leidenschaft und Wissen - Hans Fellner hat wieder eine Kunst- und Kulturbuchhandlung eröffnet

Von Bücherfreunden wurde er schmerzlich vermisst. Die Kollegen vom „Land“ waren die ersten, die erfreut feststellten „Fellner is back.“ Freunde besonderer Bücher wissen, um wen es geht. Hans Fellner war mit seiner Buchhandlung „Fellner Artbooks“ in der rue de l’eau, direkt am Krautmarkt, von 1998 bis 2010 die Anlaufstelle für Liebhaber außergewöhnlicher, aber immer bezahlbarer Bücher. Als er mit Auslaufen des Mietvertrags und genervt durch eine Dauerbaustelle vor der Tür seine Buchhandlung schloss, um sich anderen Kulturaufgaben zuzuwenden, hinterließ er eine deutliche Lücke.

Acht Jahre später gibt es einen Neustart als Buchhändler mit leicht verändertem Konzept: „Fellner Louvigny“ in der namensgebenden rue Louvigny in der Oberstadt. Hans Fellner, Luxemburger niederländischer Abstammung, nennt es eine „Kunst- und Kulturbuchhandlung“ wobei der Begriff Kultur durchaus ein bisschen weiter gefasst ist.

Ausflug ins Ausstellungs- und Museumswesen

Aber zunächst interessiert uns, was der studierte Kunsthistoriker und Germanist in den vergangenen Jahren gemacht hat. Kurz gesagt; er hat sich in den luxemburgischen Kulturbetrieb gestürzt und Ausstellungen und Museen kuratiert. Etwa das Druckereimuseum in Grevenmacher oder 2015/2016 die architektursemiotische Ausstellung „bau - zeichen, unsere gebaute umwelt lesen“ des OAI im Stadtmuseum. Er war auch Verfasser des Sammelbandes „Luxembourg Collecting“ über luxemburgische Privatsammlungen.

Warum er jetzt wieder eine Buchhandlung eröffnet hat, ist für Fellner eine leicht zu beantwortende Frage. Er beschäftige sich einfach mit seinen grundsätzlichen Interessen und seinen Wissensgebieten. Vor allem mit der Kunst in all ihren Seitensträngen, Malerei, Fotografie, Grafik, Film etc.

Eines wird nach wenigen Minuten Gespräch ganz klar. Mit „Fellner Louvigny“ macht der Inhaber einen Job, der viel mehr Leidenschaft und Begeisterung für eine Sache ist als nur schnöde Arbeit.

Angefangen hat Hans Fellner, der mit 14 Jahren aus den Niederlanden nach Luxemburg kam, nach seinem Studium in Deutschland und Österreich - unter anderem in Trier - mit dem Handel von Trödel und Antiquitäten. Schnell ergab sich eine Spezialisierung auf alte Grafiken und Bücher, vor allem Luxemburgensia. Bald galt er als Spezialist für Luxemburgisches. 1998 eröffnet er die Kunstbuchhandlung „Fellner Artbooks“, damals noch mit angegliedertem Antiquariat.

Englisch auf dem Vormarsch

„Fellner Louvigny“ bietet eine Mischung von interessanten neuen Titeln und preisreduzierten Büchern. Bücher, die Fellner in Deutschland, Frankreich und Großbritannien einkauft, wobei man auch berücksichtigen muss, dass die englischsprachige Buchproduktion viel umfangreicher ist als die auf Deutsch oder Französisch. Was sich auch in Fellners Buchhandlung deutlich niederschlägt. Er meint, dass rund zwei Drittel seines Bücherangebotes auf Englisch verfasst sind. Was kein Problem sei, denn die Stadt Luxemburg sei in den letzten Jahren sehr anglophon geworden.

Über den üblichen Kultur- und Kunstbegriff hinaus geht sein Angebot weiter und umfasst auch Kochbücher und - wie Fellner betont - „gut gemachte“ Kinderbücher. Bei Kochbüchern spricht ihn vor allem eine übersichtliche Gestaltung an, Selbstdarsteller am Herd sind dagegen eher ein Ausschlusskriterium.

Warum gibt es in der Kunst- und Kulturbuchhandlung Kinderbücher? Fellner führt es darauf zurück, dass er mit 62 jetzt - via Partnerschaft - der Großelterngeneration angehört. Bis dahin habe er sich noch nie mit dieser Buchsparte beschäftigt. Seiner Philosophie entsprechend besteht das Sortiment aus grafisch besonders ansprechenden Kinderbüchern.

Zeitgenössische Kunst im Hinterhaus

Hans Fellner hat mit der neuen Buchhandlung eine Abkehr von der Vergangenheit vollzogen, was sich im Verzicht auf ein Antiquariat manifestiert. Er wolle sich lieber mit der Gegenwart, dem hier und jetzt, beschäftigen. Dazu gehört auch die Ausweitung der Buchhandlung um eine - noch nicht ganz fertiggestellte - kleine zweigeschossige Kunstgalerie im rückwärtigen Teil des Ladens. Hier sollen bald luxemburgische Künstler, genauer gesagt in Luxemburg lebende Künstler, ausstellen. Los geht es demnächst mit „Luxemburg - Tokio“, wo die Beziehungen zwischen den eingeladenen Künstlern und Japan durch Grafik oder Fotografie thematisiert werden. Fellner sieht den Schwerpunkt seiner Galerie betont zeitgenössisch.

Bücher erleben

Das vom Alltäglichen abweichende Konzept von „Fellner Louvigny“ zeigt sich ganz auffällig beim deutlich niedrigeren Alter der Kunden als in anderen Buchhandlungen. Der Altersdurchschnitt dürfte bei etwa 40 Jahren liegen und die Struktur der Kunden entspricht dem internationalen Bevölkerungsquerschnitt der Hauptstadt.

„Ich schätze das persönliche Gespräch mit dem Kunden, ohne dass ich ihm etwas aufdränge,“ beschreibt Fellner seinen persönlichen Stil. Beraten, zuhören und miteinander reden, man könne jeden Tag etwas dazulernen.

Über den Handel mit Büchern kann man heute nicht sprechen, ohne auf die online-Konkurrenz zu stoßen. „Fellner Louvigny“ hat keinen Internet-Vertrieb, aus klarer Überzeugung heraus: „Der stationäre Buchhandel kann die Leute überraschen!“ In Büchern zu stöbern, ein Buch anzufassen und zu sehen, sei etwas anderes, als sich durch Schlagwortverzeichnisse zu arbeiten. Anderseits helfe man auch gerne bei der Suche nach bestimmten Büchern und könne diese dann auch auf dem schnellsten Weg bestellen. Aber in erster Linie geht es bei „Fellner Louvigny“ darum, Bücher richtig erleben zu können.

Fellner Louvigny, 12, rue Louvigny, Luxemburg - (+352) 28 79 60 48 - artlivre@pt.lu - Di.-Fr.: 11.00-18.00 -Sa. 10.00-18.00