LUXEMBURG
DANIEL OLY

Autoren, Werke und Urheberrecht stehen bei den „Journées du Livre“ im Rampenlicht

Welchen Stellenwert nehmen Bücher in unserer modernen Gesellschaft ein? Dieser Frage widmet sich die diesjährige „Journées du Livre et du Droit d’Auteur“, deren Motto in diesem Jahr mit „Future visions, Mam Buch an d’Zukunft“ denn auch entsprechend klare Ansagen macht.

Zeichen setzen wollen die Organisatoren deshalb besonders mit einem großen, teils multidisziplinärem Programm, das in diesem Jahr unter anderem bekannte Größen ins Großherzogtum holen soll. So gibt mit Christopher Priest niemand geringeres als der Autor des Bestseller-Werkes „The Prestige“, das unter anderem 2006 als Film umgesetzt wurde, den Anfang des Festivals. Am 23. April wird er im Campus Geesseknäppchen über sein Werk, die Umsetzung und andere wichtige Punkte sprechen.

Jung übt sich

Selbst Hand anlegen kann man aber auch im Workshop „Kreative Schreibwerkstatt“, bei dem die eigene kreative Ader gekitzelt werden kann. Derartige Workshops, wie die Organisatoren betonten, richten sich dabei auch gezielt an Kinder und Jugendliche, denen wieder eine gewisse Wertschätzung für Literatur und Literaten eingepflanzt werden müsse. Die Präsidentin der Initiative „Freed um Liesen“, Claudia Schneider-Schoo, wählte deutliche Worte: „Das geistige Eigentum muss genau so stark geschützt werden, wie das bei physischem Eigentum der Fall ist. Besonders in Zeiten, wo ein Download schnell gemacht, eine Kopie schnell erstellt ist“, betonte Schneider-Schoo. „Wir müssen wieder einen neuen Respekt für Autoren und das Autorenrecht vermitteln“. Deshalb bemühe man sich, in Schulen und Gymnasien für mehr Aufmerksamkeit und ein besseres Verständnis zu sorgen. „Damit die Schüler verstehen, was bei einer Nicht-Respektierung von Urheberrecht noch so alles mitschwingt“, meint die „Freed um Liesen“-Präsidentin.

Darum freue man sich, dass man auch in diesem Jahr erneut eine große Beteiligung der Schulen und Gymnasien zu den Teilnehmern zählen kann: 20 halten ihre Workshops ab und arbeiten mit Schriftstellern zusammen, wie etwa mit Isabel Spigarelli im „Lycée des Arts et Métiers“, wo die Literatin über die Freuden des Schreibens berichtet und den Schülern vermitteln soll, welche unterschiedlichen Abschnitte ein Buch durchlaufen muss, um vom ersten Konzept über das Schreiben hin zum Druck zu gelangen.

Das Buch lebt

Immerhin: Die Organisatoren konstatierten auch, dass trotz aller vermeintlichen Abgesänge auf den Büchermarkt auch weiterhin eine starke Nachfrage nach Lesestoff bestehe. So merkten die Betreiber der Bibliotheken an, dass kein dramatischer Rückgang der Leserzahlen zu bemerken sei. Im Gegenteil, man erfreue sich einer regen Leserschaft, was eindeutig zeige: „Das Buch lebt noch immer!“

Selbiges gelte für das Schreiben in luxemburgischer Sprache: Schließlich war die Frage nach einer klaren Identität für das Luxemburgische zuletzt immer stärker in das öffentliche Bewusstsein geraten - und eine literarische Betätigung sei eher selten. Was es bedeutet, sich dieser Herausforderung zu stellen, geht deshalb unter anderem auch aus einem Workshop in der Ettelbrücker Bibliothek hervor, der von dem jungen Autor Sven Wohl geführt wird. Dessen jüngstes Werk war auf luxemburgisch erschienen. Wie in den letzten Jahren werden auch bei dieser Ausgabe der „Journées du Livre“ wieder Bücher verschenkt. Die Aktionen „Ich schenk dir eine Geschichte“ und „E Buch am Zuch“ verteilen Bücher - ob in Buchhandlungen oder am Bahnhof -, um zum Lesen anzuregen.

Bücher als Politikum

Auch der Staatssekretär für Kultur, Guy Arendt, lobte den großen Einsatz der Verantwortlichen am Büchermarkt. „Sie leisten einen unwahrscheinlich großen und wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Das Lesen ist sehr wichtig, und ebenso wichtig ist es, das Lesen zu unterstützen und zu erhalten“, meinte Arendt in seiner Rede. Es sei daher zu begrüßen, dass die diesjährige Bücherwoche nicht nur die Werke und Autoren, sondern der gesamte Apparat dahinter ebenfalls ins Rampenlicht steht.

Literatur sei dabei keinesfalls veraltet - obwohl der Sektor stark im Umbruch steckt und sich gewaltigen Herausforderungen ausgesetzt sehe, wie Arendt meinte. „Die Zukunft des Buches ist eine gesellschaftliche und politische Frage, die uns auch auf Dauer beschäftigen muss und wird. Wir können nicht tatenlos zusehen“, sagte der Kulturstaatssekretär.

Er sei jedoch zuversichtlich, denn „Zukunft, Innovation und das Neue waren schon immer ein Thema in der Literatur“, unterstrich Arendt. „Schließlich wusste schon Jules Verne: Was sich der eine vorstellen kann, ist für jemand anderes machbare Realität“. So, wie es bei einigen Science-Fiction-Werken bereits geschehen sei.