CLAUDE KARGER

„Warum ist es so einfach, uns Waffen zu bringen aber so schwierig, uns Bücher zu geben?“. Diese Frage stellte Malala Yousafzai am vergangenen 10. Oktober, als sie in Stockholm den Friedensnobelpreis entgegen nahm. Die bewundernswerte 17jährige Pakistanerin brachte damit die Herausforderung auf den Punkt, die es zu meistern gibt, um dauerhaft Frieden zu stiften: Nicht die modernsten Kampfsysteme sind der Schlüssel, sondern die Bildung, für die sie seit frühester Jugend kämpft. Ein Kampf, der sie fast schon das Leben kostete: Im Oktober 2012 hatte ein Taliban dem Mädchen in ihrem Schulbus aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Nur mit viel Glück konnte sie gerettet werden.

Das Glück hatten die mehr als130 Kinder nicht, die am vergangenen 16. Dezember in einer Schule in Pakistan ihr Leben lassen mussten, als Taliban dort wahllos um sich schossen. Es war ein feiger Angriff auf das, was Extremisten am meisten hassen: Bildung, Aufklärung, die Befähigung des Einzelnen, selbst zu denken, sich selbst zu entfalten und Perspektiven für sich selbst zu schaffen um in Frieden und Zufriedenheit zu leben. Wer das schafft, der vererbt das wiederum den eigenen Kindern.

Das versuchen Extremisten mit aller Macht und Brutalität zu verhindern, schließlich sieht ihr borniertes „Modell“ die Diktatur einiger weniger vor, die ihre menschenverachtenden Machenschaften durch irgendwelche heiligen Schriften oder Traditionen zu legitimieren versuchen. Wer ihnen nicht auf ihrem Irrweg folgt, wird einfach gnadenlos ausgeschaltet.

Die Macht über Leben und Tod zu haben, sich auf Kosten anderer zu bereichern und sich dafür nie verantworten zu müssen, hat seit jeher fasziniert. Eine Faszination, die Bewegungen wie „Islamischer Staat“ Tausende meist junger Leute in die Arme treibt, denen über alle möglichen Propagandakanäle sofortige Macht und Wohlstand versprochen wird.

Verständlich, dass Entwurzelte, Perspektivlose, die in unseren Breitengraden am Rande der Gesellschaft leben, auf das verlockende Angebot hereinfallen und sich Mörderbanden anschließen. Lebend da raus kommen sie selten, selbst wenn ihnen ihr Fehler irgendwann bewusst wird. Auch die Verschärfung von Anti-Terrorgesetzen - auch Luxemburg will hier ja nachlegen - wird nicht vermeiden können, dass sich Menschen in einen „Heiligen Krieg“ locken lassen und Mitmenschen im Namen einer egoistischen Irrlehre auszuradieren.

Die beste Methode, das zu vermeiden, ist Perspektiven für die Verführbaren zu schaffen, sie nicht am Rande der Gesellschaft stehen zu lassen, sondern ihre Integration mit allen Mitteln zu fördern. Womit wir wieder vor allem bei der Bildung wären. Ja, wir haben auch hierzulande eine Verantwortung zu tragen, damit IS und andere Extremisten ihre Terrorregimes nicht etablieren können.

Wir tragen Verantwortung, damit in den betroffenen Regionen Frieden und Wohlstand einkehren kann, die besten Mittel gegen Extremismus. Indem wir die Kräfte dort unterstützen, die diese Ziele verfolgen und Rivalitäten schlichten helfen. Was auch voraussetzt, dass die so genannten „Westmächte“ ihre geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen in den betroffenen Gebieten zugunsten der dort lebenden Bürger hintan stellen. Nicht zuletzt die Westmächte stehen in der Pflicht, Malalas Schlüsselfrage zu beantworten.