LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Anke Fuchs hat heute einen Gastauftritt zum Auftakt der neuen Lesebühne-Saison im Rocas

Eine Lesebühne ist, vereinfacht gesagt, eine Mischung aus Poetry Slam, Autoren-Lesung, Kabarett und Musik, von allem etwas und dabei ein ganz eigenständiges und buntes Format. Am heutigen Mittwoch startet Luxemburgs einzige Lesebühne im hauptstädtischen Rocas in die neue Saison, wie gewohnt mit den Stamm-Ensemblemitgliedern Claudine Muno, Christian Happ und Francis Kirps sowie Gastauftritten der Bonner Schriftstellerin und Poetry Slammerin Anke Fuchs und des preisgekrönten Düdelinger Lyrikers Tom Hengen. Anke Fuchs ist kein unbeschriebenes Blatt in Luxemburg und stand schon Mal bei einem Poetry Slam in Niederanven auf der Bühne.

Seit wann schreiben Sie?

Anke Fuchs Eigentlich habe ich schon immer geschrieben. Ich habe schon früh Geschichten verschenkt, statt selbstgemalter Bilder, wie es andere Kinder tun.

Worüber schreiben Sie?

Fuchs Ich schreibe über alles, was mich bewegt, über Interessantes, das ich beobachte, und dies manchmal Jahre später.

Seit Ende 2006 nehmen Sie immer häufiger an Poetry-Slams teil. Was macht einen solchen Literaturwettstreit so spannend?

Fuchs Mein erster Poetry Slam war Zufall. Hätte ich gewusst, dass es einer ist - dort fand bis kurz zuvor eine offene Lesung ohne Wettbewerb statt, diese wollte ich besuchen - wäre ich sicher nicht hingegangen. Mein dritter Poetry Slam war dann gleich die deutschsprachige Meisterschaft in München 2006. Ich bin froh, dass ich mir das Finale angesehen habe.

Es hat mich so beeindruckt, dass ich mehr davon hören wollte. Deshalb habe ich weiter Poetry Slams besucht. Und eben auch mitgemacht. Oft ist der Text, der mich am Abend am meisten berührt oder am besten unterhält gar nicht der, der gewinnt. Und so geht es vielen im Publikum. Aber irgendwas ist immer dabei, das „hängenbleibt“ aus der „Wundertüte“ Poetry Slam-Abend.

Welches sind die wichtigsten Unterschiede zwischen klassischen Lesungen und Poetry Slams?

Fuchs Wenn mir der oder die eine nicht gefällt, dann geht es schneller vorbei und die Chance ist größer, dass noch etwas kommt, das mir gefällt, weil es mehrere Teilnehmer sowie Teilnehmerinnen gibt und die Wechsel schneller sind. Als Vortragende habe ich bei Lesungen natürlich mehr Möglichkeiten, mehr Zeit für Zwischentöne. Ein „Fehler“ ist nicht so schlimm.

Für welche dieser Disziplinen haben Sie eine Vorliebe und aus welchen Gründen?

Fuchs Ich habe eigentlich keine Vorliebe, beides hat Vor- und Nachteile.

Ein Literaturwettstreit im Format der Poetry Slam war in der Vergangenheit eher männerdominiert. Wie haben Sie sich durchsetzen können?

Fuchs In der Tat gibt es derzeit noch mehr Männer auf Slam-Bühnen, beim „Nachwuchs“ ist die Diskrepanz aber schon lange nicht mehr so groß. Frauen bleiben seltener dabei, sind kritischer mit sich selbst. Aber dies hat alles nichts mit durchsetzen zu tun. Texte setzen sich durch.

Welche Themen liegen Ihnen am meisten?

Fuchs Das müssen andere beantworten. Ich weiß allenfalls, welche ich am liebsten mag.

Inwiefern binden Sie das Publikum in ihre Performance ein?

Fuchs Ich trage sehr häufig auswendig vor. Wenn das Licht passt, kann ich das Publikum ansehen. Das ist aber auch schon alles, bis auf Pausen, wenn zum Beispiel gelacht wird. Ich bin keine große „Performerin“, ich stehe nur herum.

Was können sich die Zuhörer und -Schauer von Ihrem Auftritt erwarten?

Fuchs Hoffentlich eine gute Zeit.

Wie werden Sie sich auf den Abend vorbereiten?

Fuchs Ich habe gestern schon getankt und die Tasche gepackt, damit ich es rechtzeitig nach der Arbeit nach Luxemburg schaffe. Ich entscheide heute Abend spontan und eventuell als Reaktion auf den, der vor mir dran ist, was ich lese oder vortrage.