LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Warum die „Rotondes“ in Bonneweg noch nicht ganz angekommen sind

Ja, auch die hatten wir hier, aber da waren sie noch nicht berühmt.“ Steph Meyers sagt das bescheiden, aber dennoch nicht ganz ohne Stolz. Inzwischen ist die Band „The XX“ ein Bestandteil der internationalen Charts und pflanzt vielen Musikfreunden Ohrwürmer ein. Das Beispiel der britischen Indie-Pop-Rock-Band steht für das Konzept der Rotunden: Jungen und vielversprechenden Bands einen ersten publikumswirksamen Auftritt in Luxemburg ermöglichen. Vor allem solchen Bands, für die das „Atelier“ noch zu groß, „de Gudde Wëllen“ aber schon zu klein ist. Und zu einem Zeitpunkt, an dem sie aufstreben, aber noch nicht auf dem Dringlichkeitsradar der Chartindustrie aufgetaucht sind.

Zukunft von Rotunde 2 noch unklar

Steph Meyers leitet seit dem 1. September 2016 als Direktor die Geschicke der Rotunden. Nach acht Jahren im Provisorium „CarréRotondes“ in Hollerich hat das Kulturzentrum vor zehn Monaten in den Rotunden, den Lokomotivrundschuppen hinter dem Bahnhof, eröffnet. Der Ort versprüht ein Gefühl von alternativer Lebensweise und einige Prisen Großstadtgefühl. Die Hoffnungen an die neue Spielstätte haben sich größtenteils erfüllt, nur in ein, zwei Punkten besteht Verbesserungsbedarf. „Wir haben das Programm über acht Jahre in den „CarréRotondes“ getestet, es war so gestaltet, dass es eins zu eins hier implementiert wird.“ Aber erst vor Ort wurde klar, dass der neue Ort dezentralisiert ist.

Es gibt also keinen Haupteingang, keinen markanten Mittelpunkt - außer dem zentralen Platz, den die Betreiber zuvor gar nicht im Konzept hatten. Doch der dann im Laufe des vergangenen Sommers und Spätsommers zu einer festen Größe wurde: Dank der Übertragung von Fußballspielen im Freien, Foodtruckfestivals und abendlicher Terrasse für eine paar Feierabendbiere. Ziehen am Himmel aber dunkle Wolken auf, kann die Freiluftidylle schnell ins Wasser fallen, vor allem bei geplanten Veranstaltungen eine herbe Enttäuschung für die Gäste und ein Umsatzverlust für den Kulturbetrieb.

Und da liegt das Problem: Momentan weiß der Rotunden-Direktor nicht, wie es mit der Rotunde 2, die derzeit größtenteils ungenutzt ist, weitergehen soll. „Selbst wenn wir nur punktuell etwas machen wollen, fällt ein Papierkrieg über drei Institutionen an.“ Die Sanierung steht aus, aber derzeit gibt es kein Gutachten. Ein Experte braucht man nicht zu sein, um zu erkennen, dass das Dach des Gebäudes von 1875 keinen guten, nicht einmal einen dichten Eindruck macht. Und über den hügeligen Sandboden darf aus Versicherungsgründen kein Besucher. Von den 16 Millionen Euro, die für die Sanierung der beiden Gebäude bereitstanden, sind zehn Millionen übrig. Wie und wann die Rotunde 2 saniert wird, entscheidet sich nach einer Anfrage an die Ministerien für Kultur und Nachhaltigkeit, welche diese dann an die „Administration des bâtiments publics“ weiterleitet.

Gemischtes Publikum

Für das zweite Gebäude wünscht man sich nur eine Minimalsanierung, keine „Totsanierung“ wie bei der ersten Rotunde, über deren institutionellem Charakter man laut Meyers aber „sehr froh“ ist. „Die Rotunde 2 wäre dann in Aussehen und Funktionalität komplementär zur Rotunde 1“, erklärt er. Das zweite Gebäude wäre ideal für weitere Konzerte und Ausstellungen, aber vor allem als Schlechtwetteralternative für Märkte und das Foodtruckfestival. Das Kulturzentrum könnte aber nicht nur über Veranstaltungen in der zweiten Rotunde mehr Einnahmen generieren, sondern auch über die Vermietung der Rotunde 1, von der mehr Veranstaltungen in den zweiten Bau verlegt werden könnten. „Es wäre toll, wenn wir die Rotunde 1 ganzjährig vermieten könnten“, sagt Meyers. Derzeit werde dieser Bau, in den 700 Gäste passen, zu 80 bis 90 Prozent für eigene Veranstaltungen genutzt. 

Seine Künstler und sein Publikum haben die Rotunden so oder so gefunden. „Wir haben aus der Zeit der „CarréRotondes“ sehr gute Beziehungen zu den Künstlern“, sagt Meyers. Das Publikum setzt sich derzeit aus sehr verschiedenen Gruppen zusammen. Zum einem sind die Abonnements für die Bühnenveranstaltungen schnell ausverkauft, zum anderen wissen die Feierabendbiertrinker auf der Terrasse nicht einmal, dass drinnen auch Konzerte stattfinden. „Wir müssen Brücken schlagen“, sagt Meyers. Wohlwissend, dass das seine Zeit brauchen wird.