LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Weltpremiere im Großen Theater: „Jungle Book“ in einer Inszenierung von Robert Wilson

Englische Songs aus der Feder einer bekannten US-amerikanischen Band, die Dialoge in Französisch. Eine Literaturvorlage, die jedem ein Begriff ist, und ein Starregisseur, der für das Ganze verantwortlich zeichnet: Am 26. April feiert „Jungle Book - Le livre de la jungle“ nach Rudyard Kipling in einer Inszenierung von Robert Wilson und mit Musik von CocoRosie Weltpremiere im „Grand Théâtre“. Nach „Two Lips and Dancers and Space“ im Jahr 2004 und „Oh les beaux jours“ in 2008 kehrt der weltbekannte US-amerikanische Regisseur und Theaterautor mit dieser Kreation des „Théâtre de la Ville - Paris“ nach Luxemburg zurück. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des internationalen Gegenwartstheaters. Auch die aus den Schwestern Sierra und Bianca Casady bestehende Musikgruppe gab bereits mehrfach Konzerte im Großherzogtum.

„Familienshow für jedes Alter“

Robert Wilson und Bianca Casady gaben sich gestern bereits die Ehre im Großen Theater, um der einheimischen Presse ihr Projekt vorzustellen. Tom Leick-Burns, Direktor der beiden Stadttheater, zeigte sich „extrem stolz“ und „sehr aufgeregt“, dieses in Koproduktion entstandene Stück auf seiner Bühne zeigen zu können. Die diesbezüglichen Diskussionen hätten bereits vor einigen Jahren begonnen. Die Idee stammt von Emmanuel Demarcy-Mota und Pierre Bergé. Das Ergebnis sei eine „Familienshow für jedes Alter“, letztlich ein Spektakel, das sich zwischen Musik, Theater und Tanz bewegt.

„Jede gute Arbeit sollte auch für ein Kind geeignet sein“, zeigte sich Wilson überzeugt. Laut seiner Beschreibung ist „Jungle Book“ „eine Reise eines jungen Menschen in verschiedene Welten, in die Welt der Natur, in die Welt der Träume, in eine menschengemachte Welt - eine ganze Kindheit voller Entdeckungen“. Die Geschichte des kleinen Mowgli, der im Dschungel von einem Rudel Wölfen aufgezogen wird und sich dann mit einem Bären und einem Panther anfreundet, dürfte bestens bekannt sein. Natürlich hat Wilson der Geschichte seine eigene fantasievolle Handschrift verpasst.

Wiederholte Zusammenarbeit mit CocoRosie

Es ist derweil bereits die vierte Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und den Casady-Schwestern. So hatten sie beispielsweise die Musik für „Peter Pan“ geschrieben. „Für uns war es von Anfang an sehr leicht, in seine Theaterwelt einzutauchen. Ich sehe es nicht als totales Abweichen von dem, was wir sonst in unserer musikalischen Arbeit und in unseren Live-Shows machen. Die Dschungel-Musik stellte uns diesmal auch vor keine allzu große Herausforderung“, erklärte Bianca Casady. Mit den französischen Schauspielern zu arbeiten, habe viel Spaß gemacht. Im Wesentlichen wirke die CocoRosie-Band in dem Musiktheaterstück mit. Mit manchen der Musiker würden sie seit fast zehn Jahren zusammenarbeiten, die Chemie stimme.

Über 2.000 Künstler hätten bei den Castings in Paris vorgesprochen beziehungsweise -gesungen, wusste Leick. Am Ende sei die perfekte, multidisziplinäre Besetzung gefunden worden, „alles sehr unterschiedliche Performer, mit vielen verschiedenen Talenten“. Es sei nicht immer selbstverständlich, die richtigen Sänger für solche Produktionen zu finden, gab derweil Wilson zu bedenken. „Es ist schockierend, wie wenige Musik wirklich fühlen. Wir hören schließlich nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Körper“, bemerkte er. Bei den Castings hätte er die Leute teils einfach nur auf der Bühne stehen und gehen lassen, was seiner Meinung nach auch gelernt sein will. „Die meisten Techniken, die Schauspieler in der Schule lernen, sind total ungeeignet für meine Arbeit, weil sie zu intellektuell sind. Wichtig ist es, mit dem Körper zu denken. Wenn ich ins Theater gehe, habe ich oft das Gefühl, dass sich das Denken bei den Protagonisten auf den Kopf beschränkt. Ich hasse übrigens Natürlichkeit auf der Bühne, Schauspielerei ist immer etwas Künstliches. Das kann sogar natürlicher wirken, als der Versuch, möglichst natürlich zu spielen. Die scheinbar einfachste Sache kann also oftmals die schwierigste sein. Das beginnt demnach damit, wie du auf der Bühne stehst“, erklärte Wilson, erhob sich von seinem Stuhl und demonstrierte auch gleich, was genau er damit meinte.

Siebtes Album vor Veröffentlichung

Auf die Frage, ob sie sich nun mehr aufs Theater konzentriere als auf das eigentliche Bandprojekt, antwortete Bianca Casady, dass sie beides gerne mache. Und auch wenn sie und ihre Schwester zuletzt eher im Theaterbereich unterwegs waren, würde CocoRosie kurz vor der Veröffentlichung des siebten Albums stehen. „Es ist nie das eine oder andere, weil wir die Band schließlich in dieses Projekt mit einbringen“, bemerkte sie.


„Jungle Book “ wird am 26. und 27. April jeweils um 20.00
sowie am 28. April um 15.00 im Großen Theater gespielt.
Weitere Informationen unter www.theatres.lu