Seine familiären Wurzeln liegen in Tunesien, seit 13 Jahren lebt er im Big Apple. Frankreich wurde zu seiner Wahlheimat, hier bieten sich ihm zahlreiche Gelegenheiten, die choreografische Kreativität auszuleben. Tänzer und Choreograf Jonah Bokaer ist ein kreativer Globetrotter, den die Neugierde und sein Job immer wieder nach Luxemburg führen. Im Herbst des vergangenen Jahres präsentierte er im Mudam seine Solo-Tanzperformance „Study for Occupant“, in der der US-Amerikaner versuchte, die Linien des Pei-Gebäudes mit seinen Tanzschritten nachzuzeichnen. Diese sehr grafische Choreografie diente als Basis für sein Ein-Mann-Spektakel „Occupant“ , mit dem morgen Abend um 20.00 in der Bonneweger „Banannefabrik“ das Monodrama-Festival eröffnet wird. Die „Occupy-Bewegung“ habe zu Beginn des Entstehungsprozesses eine Rolle gespielt, erklärt der New Yorker im „Journal“-Gespräch zwischen zwei Proben, die Grundstruktur seines Spektakels habe er jedoch einer Geschichte entliehen, die von einem Mann und einer Bildhauerin handele.
Zerstörte Bühnenlandschaft
Die Protestbewegungen seien ein Thema von vielen, die im Spektakel angeschnitten werden, so Bokaer. „„Occupant“ betrachte ich eher als eine Verschmelzung verschiedener Themen“. Bühnenbildner Daniel Ashams zerbrochene Kamera- und Filmspulenattrappen symbolisieren die unschöneren Facetten von „Occupy“: Polizeikräfte hätten oftmals Kameraleuten die Geräte abgenommen und zerstört, erklärt Bokaer. Auf den ersten Blick, so der vielseitige Künstler, würden die Attrappen einen an Kinderspielzeuge erinnern. Erst bei näherem Hinschauen erkennt man die Auswirkungen der Gewalt. Das Echo des „Occupy Movement“ ist in „Occupant“ noch präsent, ohne jedoch das Stück komplett zu überschirmen.
Die Zuschauer werden morgen Abend inmitten des Geschehens sitzen, teilen sich die Bühne mit dem Darsteller Tal Adler-Arieli, der dieser das eine oder andere Mal den Rücken kehrt, um sich auf den verwaisten, Zuschauerrängen niederzulassen.
„Occupant“ spielt mit unterschiedlichen Perspektiven; „Ich drehe den Raum um: Der Künstler kommt auf die Zuschauerränge, die Zuschauer müssen sich auf der Bühne niederlassen.“ Jonah Bokaer stellt den Raum nahezu auf den Kopf.
Steve Karier, Leiter des Festivals, hat den jungen US-Amerikaner für das Monodrama-Festival engagiert, nachdem er ihn bei der letztjährige Produktion „Curtain“ in Paris gesehen hatte. Jonah Bokaer genoss bei der Auftragsarbeit übrigens komplette künstlerische Freiheit.
„Occupant“ von Jonah Bokaer.
Morgen um 20.00 in der Bonneweger Banannefabrik, 12, rue du Puits in Bonneweg


