LONDON PATRICK VERSALL

Ed Chivers über seine Band AK/DK

Als ein „musikalisches Experiment“ schlechthin kann das britische Schlagzeug/Synthesizer-Duo AK/DK bezeichnet werden, das heute Abend auf dem „Congés Annulés“-Sommerprogramm der Rotondes auftritt. Die beiden Musiker Ed Chivers und G Sowerby lernten sich durch einen gemeinsamen Bekannten kennen. Da beide Schlagzeug spielen und sich auch noch für elektronische Sounds und Synthesizer interessieren, verschaffte dieser Bekannte Chivers und Sowerby spontan einen Auftritt in einem Londoner Club. Allerdings gab es zu dieser Zeit das Projekt AK/DK noch gar nicht. „Die Band wurde sozusagen auf der Bühne geboren“, blickt Chivers auf das Jahr 2008 zurück. Beide kannten sich nicht besonders gut und lange, gingen sie einfach auf die Bühne und improvisierten- das Ergebnis war nicht vorhersehbar. Die Konzerte der Band bestehen auch heute noch zu 50 Prozent aus Improvisationen, der Rest aus Titeln aus dem Backkatalog des Duos.

Die Aufnahme ihres Debütalbums war eine lange Improvisationssession. Beide Musiker gingen morgens ins Aufnahmestudio, starteten das Aufnahmegerät und nahmen den ganzen Tag auf. Die manchmal 20-minütigen Stücke wurden dann auf knapp fünf Minuten heruntergekürzt, um sie auf das Album zu packen. Aus den einzelnen, gekürzten Jamsessions bauten die beiden dann ihre Platte zusammen. Das englische Duo unterstreicht, ohne Overdubs zu arbeiten. Die Aufnahmen würden manchmal rau wirken, erklärt Chivers und betont, dass er und sein Bandpartner es aber vermeiden würden, Fehler auszumerzen. Denn die Briten wissen, dass mit den Rechnern und der modernen Studiotechnik die Versuchung groß ist, Fehler oder Makel zu vertuschen. „Wir haben uns dazu entschlossen, ehrlich zu sein“.

Die Titel der beiden Musiker klingen keineswegs kalt und leblos, dies dank des massiven Einsatzes des Schlagzeuges. Chivers und Sowerby versuchen auf den Aufnahmen eine Balance zwischen den Schlagzeugsounds und den elektronischen Sounds herzustellen. Die Live-Drums würden den Kompositionen Energie zufügen, erklärt der Brite die elektronisch-akustische Mischung, die ihre Kompositionen auszeichnet.

Kassettenwahl

Zwei ihrer drei EPs haben die beiden auf Kassette gepackt und veröffentlicht. Nicht aus Marketinggründen, sondern weil Chivers mit Kassetten aufwuchs und das Format liebt. AK/DKs erste EP kam in die Regale, als die Musikdown-
loads ihre Hochzeit hatten. Das Duo überlegte sich, welche Datenträger infrage kommen würden, kam dann zum Entschluss, dass es keine Rolle spielt, ob die Musik auf Platte, Vinyl oder CD erscheint. Die allermeisten Hörer würden sich die Titel sowieso auf ihr Smartphone herunterladen, da der Kunde heute in der Regel mit seiner Platte oder Kassette einen Downloadcode bekommt, erklärt der Schlagzeuger. Die Band entschied sich dann für die Magnetbänder im Kunststoffgehäuse, weil Chivers seine Musik auf einer Kassette veröffentlichen wollte. Die Bänder wurden von einer Firma in der Nähe von Newcastle hergestellt.

Songs, wie das aktuelle „Toucan Tango“ weisen Parallelen zum frühen Material der Chemical Brothers auf. Chivers und Sowerby werden aber von deutschen Künstlern wie Kraftwerk, Neu! oder Harmonia und vom US-Amerikaner Raymond Scott beeinflusst. „Unser Titel ‚Seq and you shall find‘ ist eine Hommage an Scott“, betont Chivers.


AK/DK treten heute Abend um 21.00 in den Rotondes auf - www.akdk.co.uk - www.rotondes.lu