LUXEMBURG
INGO ZWANK

1.300 Rückmeldungen: Esch/Alzette will mit der Bevölkerung zusammen Stadtzentrum beleben

Die Rue de l’Alzette soll attraktiver, schöner und lebenswerter werden! Unter dem Motto „Mon quartier. Mes envies“ wollten die politisch Verantwortlichen der Minettemetropole Esch/Alzette zusammen mit den Bürgern die Aufwertung des Stadtzentrums vorantreiben. „Die Aufwertung der ‚Uelzechtstrooss‘ und des Stadtzentrums allgemein waren Thema im Wahlkampf - und auch im Koalitionsabkommen ist dies ein zentrales Anliegen“, sagte gestern Bürgermeister Georges Mischo - nicht zuletzt vor dem Hintergrund „Esch 2022“, wo der alte Glanz der „Uelzechtstrooss“ wiederbelebt werden soll. So startete die Gemeinde ein Bürgerforum samt Fragebogen. Zwischen dem 9. Mai und dem 15. Juli haben diesen über 1.300 Personen ausgefüllt. Die Rue de l’Alzette mit ihren Seiten- und Nebenstraßen sei ein wesentlicher Bestandteil des Lebens in der Stadt, „ein Ort, an dem nun einmal eingekauft, gearbeitet, freie Zeit verbracht und vor allem gelebt wird!“

Großangelegtes Beteiligungs- und Dialogverfahren

Aus diesem Grund startete die Gemeinde besagtes großangelegtes Beteiligungs- und Dialogverfahren, zu dem alle einladen wurden, mit Ideen einen ganz persönlichen Beitrag zur Zukunft der Rue de l’Alzette zu leisten. So wolle man die längste Einkaufsmeile in Luxemburg wieder in altem Glanz erstrahlen lassen, denn sie sei das Aushängeschild der Gemeinde, dies zusammen mit dem Architektenbüro WW+. Aber eben nicht, ohne die Escher und die Leute, die im Stadtzentrum wohnen, leben oder arbeiten, zur Thematik zu befragen. „Damit sie Gelegenheit haben, sich mit ihren Ideen und Vorstellungen einzubringen“, erläuterte Mischo. Der ausgearbeitete Fragebogen enthielt 19 Fragen zu insgesamt sechs Themenblöcken: Sicherheit/Sauberkeit, Mobilität, Aufenthaltsqualität/Gestaltung, Qualität des Branchenmixes, Qualität als Wohnstandort, Demographie und Gesellschaft, deren Ergebnisse gestern vorgestellt wurden. So gab die Mehrheit der Befragten an, dass es für sie grundsätzlich wichtig beziehungsweise sehr wichtig sei, sich an den zukünftigen Entwicklungen des Zentrums zu beteiligen. Die Befragung hat nun gezeigt, dass das Thema Sicherheit insgesamt einen hohen Stellenwert hat. Insbesondere stehen eine stärkere soziale Kontrolle, eine stärkere Polizeipräsenz, Prävention von Straßen- und Drogenkriminalität oder auch Vandalismus im Vordergrund.

Verbesserung der Qualität der Fuß- und Radwege

Für den Bereich Mobilität zielten die Fragen auf die Themen Verkehrssicherheit, Fuß und Radverkehr oder auch Parkplatzsituation ab. So soll bitte der motorisierte Verkehr aus dem Bereich der Fußgängerzone verbannt werden, eine Verbesserung der Qualität der Fuß- und Radwege soll angestrebt werden. Die Erreichbarkeit des Zentrums soll aus Sicht der Befragten insofern verbessert werden, dass mehr und bessere Möglichkeiten angeboten werden, das Zentrum mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen. Für 2019 seinen angestrebt, die Verkehrssicherheit im Zentrum zu erhöhen. Es werde auch an Lösungen gearbeitet, um das Angebot des öffentlichen Verkehrs sinnvoll zu ergänzen. Ausreichend Parkplätze seinen vorhanden, wie betont wurde.

Ferner sei für den Bereich Aufenthalt für 2019 vorgesehen, das Angebot und die Qualität der Stadtmöbelierung zu verbessern. Für den Bereich Rathausplatz und die Rue de d’Alzette bedeutet dies Spielmöglichkeiten sowie eine stärkere Begrünung, wobei eine Offenlegung der Alzette nicht möglich ist, wie betont wurde.

Durch die schnelle Beseitigung von schwerwiegenden Problemstellen soll auch die aufgegriffene Barrierefreiheit eine direkte Verbesserung erfahren. So soll die barrierefreie Erreichbarkeit der öffentlich zugänglichen Gebäude verbessert werden.

Bezüglich des Angebots für Studenten sollen Lösungen für die stärkere Verbindung des Zentrums mit der Uni Belval erarbeitet werden. Zur Verbesserung des gastronomischen Angebots sowie des Angebots an Orten, an denen Studenten arbeiten können, seien temporäre Nutzungen von leerstehenden Flächen denkbar, so Mischo.

Leerstehende Wohn- und Gewerbeflächen der Stadt Esch temporär nutzen

Und genauso wie die Verbesserung des Dienstleistungsangebotes sei auch die Verbesserung der Wohnsituation im Zentrum ein mittel- bis langfristiger Prozess, wie ausgeführt wurde, wobei die Reduzierung von leerstehenden Wohnungen sowie die Stärkung der gelebten Nachbarschaft mit gegenseitiger Hilfe und Kommunikation von den Befragten aufgegriffen wurde. So sollen 2019 leerstehende Wohn- und Gewerbeflächen der Stadt Esch temporär genutzt werden, um erwähnte Leerstände zu reduzieren und „so das Zentrum weiter zu beleben.“ Dauerhafte Lösungen würden parallel erarbeitet werden, wie ausgeführt wurde.

So wurde abschließend festgehalten, dass diese Ergebnisse am Ende des Dialog- und Beteiligungsprozesses nicht „in der Schublade landen dürfen“, stattdessen würden sie den politisch verantwortlichen in Form eines Bürgergutachtens übergeben, was dazu dienen soll, in Planungen, Maßnahmen und Entscheidungen einzufließen.

Am Rande der Konferenz sagte Mischo, dass bezüglich der Drogensituation die geplante „Fixerstube wohl Ende Juni 2019 eröffnet werden soll.“

Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 5. Dezember ist die Bevölkerung eingeladen, der Übergabe des Gutachtens an die Stadt beizuwohnen.