NIC. DICKEN

In einigen Wochen sind die wahlberechtigten luxemburgischen und auswärtigen Bewohner unserer Gemeinden aufgerufen, per Stimmentscheid die lokalen Parlamente in den 105 Kommunen des Landes für die nächsten sechs Jahre neu zu besetzen. Die Gemeinderäte gelten seit jeher, und völlig zu Recht, als die dem Bürger am nächsten stehenden demokratischen Institutionen, die eben wegen dieser Nähe eine besondere Verpflichtung haben, auf die konkreten Sorgen, Anliegen und Ansprüche der Bevölkerung einzugehen. Während in den größeren Gemeinden des Landes sehr gut strukturierte Verwaltungsabteilungen die verschiedenen Tätigkeitsfelder der kommunalen Verpflichtungen abdecken und mit fachlicher Kompetenz auf Anfragen und Kritiken der Bürger eingehen können, sind die personell deutlich schwächer besetzten Landgemeinden oft genug in der Bedrängnis, die dort nicht minder zahlreichen und vielfältigen Probleme zu ergründen und nach geeigneten Lösungen zu suchen.

Dem Bürgermeister einer der verbliebenen knapp 70 Majorzgemeinden (unter 3.000 Einwohner) des Landes stehen deutlich weniger Stunden und technische wie personelle Mittel zur Verfügung als seinen Kollegen in den Proporzgemeinden, um in allen Bereichen nach dem Rechten zu sehen, obschon die Aufgabenstellung nicht wesentlich anders ist als in den bevölkerungsreicheren Kommunen. Der Trend der letzten Jahrzehnte geht eindeutig in Richtung Konzentration und Verringerung der Anzahl von Gemeinden, ein legitimes Bestreben, das allerdings nicht ganz die lokale Originalität und Besonderheit der Verhältnisse außer Acht lassen sollte. Ein radikales Vorgehen mit dem politischen Brecheisen zum Zweck einer kurzfristigen Effizienzsteigerung wäre mit Sicherheit der falsche Weg, das an sich berechtigte Ziel zu erreichen.

Auf der anderen Seite sollten aber auch die Bürger in den größeren wie in den kleinen Gemeinden nicht der falschen Vorstellung unterliegen, mit der Stimmabgabe am 8. Oktober hätten sie sich für weitere sechs Jahre ihrer elementaren Bürgerpflichten entledigt und damit die Verantwortung für die Verwaltung und Gestaltung des unmittelbaren Lebensraumes abgetreten. Um wirklich Erfolg zu haben, erfordert jedes Zusammenleben die Mitwirkung einer möglichst großen Zahl von Beteiligten, ob es sich dabei um Sicherheit, Infrastrukturen, Freizeit oder kulturelle Anliegen handelt.

Erfahrene Kommentatoren sehen in den Wahlvorschlägen der Parteien, die zumeist auch noch uniform für die, in der Größe und Problemstellung doch schon sehr unterschiedlichen, Gemeinden plakatiert werden, sehr viele Allgemeinplätze und nur wenig konkrete Ansätze. Am besten Bescheid wissen nur die wirklich interessierten Kandidaten vor Ort, sofern sie sich nicht nur einige Wochen vor den Wahlen, sondern über Jahre hinweg Einblick und Verständnis in die Anliegen ihrer Mitbürger verschaffen konnten und wollten.

Gerade die lokale und kommunale Demokratie ist keine Einbahnstraße, sondern braucht das Zusammenwirken aller, um Genugtuung schaffen zu können.