LUXEMBURGMARC GLESENER

Deutsche Regierung bezieht Stellung zur Rolle des Ex-Hauptmanns

Die „Bommeleeër“-Affäre zieht weiter Kreise im Ausland, vor allem bei unseren deutschen Nachbarn. Dort hatte Anfang Mai die Bundestagsfraktion der Linken eine schriftliche Anfrage zur Klärung der Rolle des angeblichen BND-Agenten Johannes Kramer gestellt.

Kramer war beim Prozess vor der Kriminalkammer schwer von seinem eigenen Sohn Andreas belastet worden. Der Historiker aus Duisburg sagte aus, sein Vater habe ihm anvertraut, als Geheimdienstler die Anschläge in Luxemburg mitorganisiert zu haben. Als Spion soll Kramer senior „Stay Behind“-Netze aufgebaut und demnach auch im Auftrag der NATO in Luxemburg gebombt haben. Eine kleine Bombe ließ auch Me Gaston Vogel zu Beginn der zehnten Prozesswoche platzen. Der Verteidiger von Marc Scheer informierte das Gericht über die Antwort der Bundesregierung in Sachen Kramer senior. Die Personalakte von Johannes Kramer beim Heer ist nämlich aus Datenschutzgründen zerstört worden. Dies geht aus dem offiziellen Schreiben der Bundesregierung hervor, aus der Me Gaston Vogel im Sitzungssaal zitierte.

Demnach konnte in den noch vorhandenen Unterlagen in der Stabsabteilung G 4 (für Logistik zuständig) ein Hauptmann namens J. K. festgestellt werden. J.K., bei dem es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um den Vater von Zeuge Kamer handeln soll, wurde am 21. Juli 1937 geboren und war vom 16. Januar 1958 bis 30. September 1990 in der Bundeswehr.

Verteidigung: Symptomatisch, dass immer wieder wichtige Dokumente verschwinden

Sein letzter Dienstgrad war Hauptmann, letzte Dienststelle war das Streitkräfteamt in Bonn. J.K. starb im November 2012. Und nun der Hammer (im Wortlaut): „Die betreffende Personalakte wurde aus Datenschutzgründen nach Ende der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist vernichtet. Aus den noch vorhandenen Unterlagen ergeben sich keine Details seiner verschiedenen Tätigkeiten.“

Für die Verteidigung ist das Verschwinden der Akte Kramer geradezu symptomatisch für diesen Fall, in dem immer wieder wichtige Dokumente verschwinden und eine regelrechte Mauer des Schweigens aufgebaut werde.