LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die Zwitschersphäre war gestern entsetzt wegen des befremdlichen Interviews des konservativen britischen Abgeordneten mit dem schönen europäischen Namen Mark Gino Francois in der Sendung „BBC Newsnight“. Dort wurde er zum Brexit-Drama befragt und insbesondere zur unnachgiebigen Haltung der EU, die den Deal mit May nicht wieder aufschnüren will, nur weil nun der Premier gewechselt hat. Francois ist darüber wenig erbaut und überhaupt über die EU, die er auf „Herr Juncker in the bunker“ reduzierte. Worauf sich auf Twitter eine ellenlange Diskussion darüber entsponn ob a) man den Luxemburger EU-Kommissionsboss „Herr“ nennen dürfe und welche Sprachen so im Großherzogtum gesprochen werden und b) ob die Konservativen nicht endlich, 74 Jahre nach Ende des Blutbads, ihren 2. Weltkriegs-Jargon einpacken sollten. Aber uns dünkt, das wird in nächster Zukunft noch weit ärger, wenn wir uns das Kabinett des fürchterlichen Boris so ansehen, dessen erste Drohungen Richtung Brüssel und die Fortsetzungsromane mit dem Titel „BREXIT WAR“ in den britischen Tabloids. Dass Johnson und Juncker laut DPA nun ihre Handynummern ausgetauscht haben, „um einen direkten Draht zu ermöglichen“, beruhigt uns da nicht wirklich.
Was, wenn keiner rangeht?