LUXEMBURG
MADY LUTGEN

Der Luxemburger Sacha Cooper spricht über seine neue Kollektion und den Tod seiner kürzlich verstorbenen Mutter

Verspielte Pastelltöne mit einem Hauch von Glamour, so könnte man kurz die neue Kollektion von Sacha Cooper beschreiben. Doch nur die wenigsten wissen, was wirklich hinter seinen neuen Kreationen steckt.

Sacha hat vor kurzem seine Mutter unerwartet verloren. Dem „Journal“ erzählt er, warum ihm seine Mode in dieser schweren Zeit Kraft gibt.

Wie siehst Du die Modedesignszene Luxemburgs im Moment?

sascha cooper Ich finde, dass sie sich in den letzten Jahren recht gut entwickelt hat. Ich lerne immer öfters andere Designer-Kollegen kennen und bin sehr froh festzustellen, dass sich wieder mehr Leute trauen, diesen Bereich gezielt für ihr Studium anzuvisieren. Ich unterstütze auch jeden, der sich für diesen Bereich entscheidet – selbst wenn es kein einfacher Weg ist.

Was findest Du gut und was müsste geändert werden?

cooper Ich begrüße generell, dass Luxemburg gut funktioniert, was die Mund-zu-Mund-Propaganda angeht. Man entwirft zum Beispiel für eine Kundin ein Kleid, die es dann kauft und es ihren Freundinnen erzählt. Wenn davon auch nur eine ebenfalls zu mir kommt und sie es wiederum anderen Freundinnen oder Arbeitskolleginnen mitteilt, entsteht ein gewisser Bekanntheitsgrad.

Deswegen lege ich auch immer viel Wert auf Qualität und Freundlichkeit. Für mich ist es praktisch, noch hauptberuflich bei einer Privatbank zu arbeiten, da ich mittlerweile viele eigene Arbeitskolleginnen zu meinem treuen Kundenkreis zählen kann. Allerdings besteht, wie so oft, natürlich noch viel Luft nach oben.

Was ich nicht gut finde ist, wie der Staat mit Designern umgeht. Ich habe meine Marke eintragen lassen und konnte auf viel Hilfe der „Chambre des Métiers“ bauen. Allerdings gab und gibt es Diskussionen mit dem zuständigen „Ministère“, das mein Modedesign-Diplom nicht anerkennen will. Ich finde auch immer noch, dass uns Designern nicht genug Respekt und Hilfe angeboten wird, zum Beispiel mit einer professionellen „Fashionweek“. Ich bin der festen Meinung, dass man nicht nach Paris, Mailand oder London reisen muss, um hübsche Designer-Mode zu entdecken.

Auch die Einstellung von einigen potenziellen Kunden hier in Luxemburg finde ich nicht sehr ermutigend. Aussagen nach Anproben wie „Ich würde das Kleid direkt kaufen, aber du bist mir halt nicht bekannt genug“ oder „Damit kann ich bei meinen Freundinnen nicht angeben, weil ja nicht D&G oder Gucci draufsteht“, bekomme ich leider immer noch zu häufig zu hören.

Beim Einkauf von Milch oder Brot legt jeder Wert auf nationale Produkte. Warum nicht auch das handgefertigte „Made In Luxembourg“ bei der Mode würdigen? Dafür ist das Interesse leider immer noch viel zu klein. Man gibt lieber einen hohen Preis für etwas Bekanntes aus, anstatt, für eventuell nur ein paar Euro mehr, in ein Unikat zu investieren.

Deine Mutter ist vor kurzem gestorben und Du hast ihren Tod in deiner neuen Kollektion verarbeitet, wie war das für Dich?

cooper Ja, das war leider ein sehr unerwarteter und tiefer Schicksalsschlag für mich. Meine Modeschau für einen guten Zweck stand wenige Wochen später an. Ich war drauf und dran, alles abzusagen. Im Endeffekt habe ich die Arbeit und die Vorbereitungen aber auch als Therapie genutzt, um besser mit der Trauer umzugehen.

Ich habe viel Herzschmerz in die Kollektion investiert. Es war meine Art mit dem Verlust und der Trauer umzugehen, mit etwas, das ich für meine Mutter und für mich machen wollte.

Du hast viele Pastell-Farben benutzt, wie kam das?

cooper Viele gingen davon aus, dass meine Kollektion wegen des Verlustes recht düster und schwarz ausfallen würde. Aber genau das wollte ich nicht.

Ich trauere farbig und bin mir sicher, dass jeder Verstorbene uns von irgendwoher beobachtet. Der Name der Kollektion war deswegen auch „PAST|ELLE“ – ein Wortspiel für Vergangenheit und „Elle“.

Es ging um die Vergangenheit mit meiner Mutter und um eine Person, die einen Verlust verkraften musste und dann wieder aufblüht. Deswegen sieht die Kollektion recht romantisch aus in Pastell-Farben mit Blumenprints, auch weil ich einfach ein Mensch mit vielen Gegensätzen bin.

Wie stellst Du dir deine weitere Zukunft vor? Besteht der Wunsch noch immer, nur als Modedesigner arbeiten zu können?

cooper Ja, diesen Wunsch habe ich noch immer. Für die Zukunft wünsche ich mir, als Designer zu hundert Prozent mit meinem Label arbeiten zu können. Bis dato bin ich für alles dankbar, was passiert ist und jedes Interesse an mir macht mich stolz.

Ich denke mir auch immer, ich hätte nichts zu verlieren und arbeite einfach geduldig weiter, ohne etwas zu überstürzen. Ein Projekt für Designer, zu dem ich ausgewählt wurde, ist nun eines meiner nächsten Ziele.

Kannst Du dir vorstellen, auch einmal Männermode oder Mode für Frauen mit Kurven zu entwerfen?

cooper Ich muss bei solchen Fragen immer schmunzeln. Zum einen, weil mich alle meine Freunde immer wieder zu überreden versuchen, Männermode zu starten, und ich mich aber bis dato noch nicht getraut habe aus Angst vor Mangel an Ideen. Persönlich finde ich, dass man bei Frauen einfach mehr Ideen und Möglichkeiten hat. Aber die Überlegung besteht.

Zum anderen entwerfe ich ja auch auf Maß für Frauen mit Kurven und berechne dafür nicht mehr als für andere Damen. Allerdings wäre auch zu erwägen, solch eine Modenschau rein mit kurvigen Models zu organisieren, wer weiß.

Sind die Luxemburgerinnen in deinen Augen modisch?

cooper Es ist, denke ich, wie überall. Man hat die Burschikose, die sich im Jogginganzug am Wohlsten fühlt und aber auch die Diva, die nur bekannte Markensachen trägt.

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Der Jogginganzug kann von Chanel stammen und trotzdem mag die Frau, die ihn trägt, lächerlich aussehen. Ich persönlich finde viele Frauen modisch, bei denen ein guter Mix zu sehen ist. Von Kopf bis Fuß teuer und am besten noch knapp volljährig, mit der bekannten Handtasche ums Handgelenk, ist in meinen Augen kein Stil, sondern einfach ein Mitlaufen der Masse!

Darum seid individuell und folgt nicht der Masse, sondern eurem eigenen Geschmack.

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