NEW YORK
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Überraschungen bei den Golden Globes: „Bohemian Rhapsody“ und Glenn Close setzen sich durch

Bunte Mischung bei den Golden Globes: Es gab Trophäen für Filmbiografien, Musikdramen und Politsatiren. Preise gingen an Schwarze, an asiatische Filmschaffende und nach Mexiko. Auch die Stars überboten sich an Farbe - Lady Gaga glänzte in Hellblau, Catherine Zeta-Jones in kräftigem Grün, Nicole Kidman trug hauteng und weinrot. Was für ein Gegensatz zu der Globe-Gala in Beverly Hills vor einem Jahr, als die Promis statt Farbe und Glitter Schwarz trugen, solidarisch mit der #MeToo-Bewegung. Doch Frauenpower und Diversität spielten auch jetzt wieder eine Rolle, von der Moderation über Dankesreden bis zu „Time’s Up“-Ansteckern.

Glenn Close und „Bohemian Rhapsody“ haben überraschend bei den Golden Globes gewonnen. Close setzte sich am Sonntag (Ortszeit) bei der Präsentation der Film- und Fernsehpreise gegen Lady Gaga durch und gewann den Golden Globe als beste Schauspielerin in einem Drama, für „The Wife“. „Bohemian Rhapsody“ gewann den diesjährigen Golden Globe für das beste Filmdrama. Der Film über Freddie Mercury und dessen Band Queen hat mittelmäßige Kritiken bekommen. Allerdings gab es viel Lob für Mercury-Darsteller Rami Malek, der als bester Schauspieler in einem Drama ausgezeichnet wurde. „Bohemian Rhapsody“ von Bryan Singer zog am vorab als Favorit gewerteten Film „A Star Is Born“ von Bradley Cooper vorbei.

Hollywoodlegende sorgt für Aufsehen

Es hatte als sehr wahrscheinlich gegolten, dass Lady Gaga den Preis als beste Schauspielerin in einem Filmdrama bekommen würde. Die hoch gelobte Romanze war derweil mit fünf Nominierungen ins Rennen gegangen. Doch dann sorgte die 71-jährige Hollywoodlegende Glenn Close für Aufsehen, als sie für ihren Part in „The Wife“ ausgezeichnet wurde. Darin spielt sie die geduldige Ehefrau eines Schriftstellers, die sich nach Jahren gegen den egoistischen Mann auflehnt. „Wir müssen persönliche Erfüllung finden“, sagte Close, die weinte. „Wir müssen unseren Träumen folgen“. Für ihre Aussage bekam Close Standing Ovations.

Schon wenige Minuten später gab es eine noch größere Überraschung, als „Bohemian Rhapsody“ die wichtigste Auszeichnung des Abends bekam. Kurz zuvor war Malek als bester Drama-Schauspieler für seine magische Verwandlung in den Queen-Frontmann Freddie Mercury ausgezeichnet worden. „Danke an Freddie Mercury dafür, dass er mir die Freude eines Lebens bereitet hat“, sagte Malek. „Das ist für dich, Schöner.“ Filmproduzent Graham King, der den Spitzenpreis als bestes Filmdrama entgegennahm, widmete ihn mit ähnlichen Worten dem 1991 gestorbenen Sänger: „Danke, dass du die Kraft hattest, dein wahres Selbst zu akzeptieren.“

Christian Bale bekam den Preis als bester Schauspieler in einer Komödie oder einem Musical für seine Darstellung in „Vice: Der zweite Mann“. Die bissige Politsatire war mit sechs Nominierungen als Favorit in das Rennen gezogen, konnte aber am Ende nur einen Preis holen. Bale spielt mit Extra-Pfunden und gekonnter Maske den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Als frisch gekürter Komödien-Star holte er prompt gegen den erzkonservativen Politiker aus. „Ich danke Satan für seine Eingebung, wie ich diese Rolle spielen kann“.

Die Vielfalt wurde gefeiert

Die Co-Moderatorin Sandra Oh setzte sich auf emotionale Weise für Vielfalt ein. „Ich sagte ja zur Angst, heute Abend auf dieser Bühne zu sein, weil ich hier sein wollte, um auf dieses Publikum zu blicken und Zeugin von diesem Moment der Veränderung zu sein“, sagte sie mit Tränen in den Augen. Einige der Angehörigen von Minderheiten im Publikum, auf die sie sich bezog, gewannen auch. Mahershala Ali wurde als bester Nebendarsteller für „Green Book“ ausgezeichnet. In der Filmbiografie spielt er einen schwarzen Jazz-Pianisten, der in den 60er Jahren mit seinem weißen Chauffeur (gespielt von Viggo Mortensen) durch die US-Südstaaten reist. Die tiefsinnige und zugleich amüsante Tragikomödie von Peter Farrelly bekam auch den Preis für die beste Komödie oder das beste Musical und den für das beste Drehbuch. Damit hat „Green Book“ vielleicht bessere Karten bei den Oscars.

Die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Lady Gaga (32) wiederum konnte wie erwartet über einen Golden Globe für den besten Filmsong jubeln. Der Verband der Auslandspresse würdigte das Lied „Shallow“ aus dem Musikdrama „A Star Is Born“. Sie teilt sich den Preis mit Mark Ronson, Anthony Rossomando und Andrew Wyatt.

Als bester Regisseur gewann der Mexikaner Alfonso Cuarón für das Schwarz-Weiß-Drama „Roma“. Er holte mit dem Werk über das Leben von Haushälterinnen im Mexiko der 70er Jahre auch den Preis in der Sparte „bester nicht-englischsprachiger Film“.

Olivia Colman wurde als beste Schauspielerin in einer Komödie oder einem Musical ausgezeichnet. Sie spielt in der Tragikomödie „The Favourite“ von Yorgos Lanthimos die britische Queen Anne im frühen 18. Jahrhundert. Als beste Nebendarstellerin in einem Spielfilm wurde die Oscar-Favoritin Regina King für „Beale Street“ ausgezeichnet.