LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Künstler Jo Malano hat auch in diesem Jahr so einiges geplant

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Jo Malano den Entschluss gefasst, sich als Künstler selbstständig zu machen. Nun arbeitet er in seinem fünf Quadratmeter Atelier bei sich zuhause an seinen Werken. Neben seinen eigenen Bildern, arbeitet der 24-jährige an zahlreichen Projekten, die er in Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden organisiert. Die Inspiration für seine bunte und etwas wilde Kunst nimmt er größtenteils aus der Natur. Was in Zukunft bei ihm ansteht und wie man sich das Leben als Freiberufler vorstellen muss, erklärt er im Interview.

Wie muss man sich das Leben als freiberuflicher Künstler vorstellen?

Jo Malano Es gibt natürlich kein geregeltes Monatsgehalt mehr, da muss man sich das Geld richtig einteilen, aber für mich ist es genau das Richtige. Ich denke, egal welchen Job man ausübt, gibt es Vor- und Nachteile. Dass ich mir meine Zeit so einteilen kann, wie ich will, ist ein großer Luxus, vor allem weil ich vor einigen Jahren gar nicht damit gerechnet habe, dass das überhaupt möglich ist. Ich mache jeden Tag genau das, worauf ich Lust habe und was ich gerne mache. Die ersten sechs Monate, muss ich gestehen, waren etwas schwieriger, weil ich mich einfach umstellen und genügend Projekte am Start haben musste. Im Sommer habe ich zum Beispiel viel mehr Projekte als im Winter, da muss das Geld schon so eingeteilt werden, dass ich auch im Winter noch gut über die Runden komme. Es ist ein Beruf, der Spontanität und Disziplin fordert. Dass ich mir da einfach mal frei nehme, oder das ganze Wochenende auf der faulen Haut liege, geht als Freiberufler nicht mehr. Es gibt zwar mal Phasen, an denen man ein wenig Abstand von seiner Arbeit braucht, um wieder Inspiration zu schöpfen, aber bei mir war es bisher zum Glück immer so, dass ich aufgewacht bin und mit neuer Motivation und Inspiration in den Tag gestartet bin.

Wie hast Du Deinen Stil gefunden?

Jo Ich finde die Bezeichnung „seinen Stil zu finden“ immer etwas schwierig. Natürlich ist es wichtig, dass man seine Linie findet und herausfindet, welche Elemente und Farben einem gefallen, aber man befindet sich auch ständig in einer Entwicklung und auf der Suche nach neuen Einflüssen. Die Dinge, die sich wiederholen, sind das, wodurch ein Künstler einen bestimmten Wiedererkennungswert bekommt, was wichtig ist. Ich habe allerdings, als ich mit 16 so richtig angefangen habe, ganz anders gemalt als jetzt, denn mit der Erfahrung kommen immer wieder neue Erkenntnisse und Interessen hinzu. Mein Wiedererkennungswert ist zum Beispiel mein Strich, der mal dicker, dünner oder vielleicht geschwungener ist. Die vorhandenen Elemente können sich aber durchaus verändern. In den letzten Jahren nehme ich meine Inspiration aber hauptsächlich aus der Natur und aus Farben. Aber auch mit den Farben wird man erst über die Jahre richtig vertraut, was sich ebenfalls wieder auf die Kunst auswirkt. Deshalb würde ich das Dasein als Künstler als eine stetige Entdeckungsreise beschreiben. Man lernt nie aus und sollte sich auch immer wieder neu herausfordern.

Wie kam es dazu, dass Du angefangen hast Papier selbst herzustellen?

Jo Ich habe an einer Bilderserie gearbeitet und hatte einfach kein Papier mehr zuhause. Für die letzte Ausstellung hatte ich etwas groberes Papier benutzt, das ich mir noch gekauft hatte und als ich dann keins mehr hatte, dachte ich mir, statt für jedes Blatt eine bestimmte Summe an Geld auszugeben, wäre es doch eigentlich ganz lustig, das Papier selbst herzustellen. Ich habe dann ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass es keine Hexerei ist und habe es einfach mal versucht. Ich benutze natürlich auch noch gekauftes Papier, aber wenn ich jetzt auf groberem Papier arbeiten möchte, versuche ich schon das selbst zu machen. Es ist auch cool erzählen zu können, dass nicht nur das Bild, sondern auch das Papier von einem selbst ist. Was eigentlich eine Aktion aus Verzweiflung war, wurde schnell zum Spaß. Das beste wäre natürlich, wenn man als Künstler sein Papier und seine Farben selber kreieren würde, allerdings konnte ich das bisher noch nicht umsetzen. Für Leinwände wäre das auch etwas schwieriger, vor allem, weil ich vom Platz her begrenzt bin.

Gibt es zukünftige Projekte, die bereits bekannt gemacht werden dürfen?

Jo Am 1. März feiern wir zu dritt in der Galerie39 in Düdelingen Vernissage der Ausstellung „Ästhetix“. Da werden neben meinen Bildern, die Werke von Lenny Bucco und Jeremy Palluce ausgestellt werden. Diese Ausstellung wird recht groß, sie füllt dort den alten Bauernhof, deshalb sind wir zurzeit schon fleißig am arbeiten. Obschon wir grundverschiedene Stile haben, harmonieren die drei sehr gut. Wir setzen auf Kontraste, die die Leute in den unterschiedlichen Werken erkennen werden. Thematisch wollten wir uns nicht festlegen, damit wir uns kreativ nicht einengen.

Dann wird im Februar und im März auch noch mein Projekt in Zusammenarbeit mit der CREOS weitergeführt, bei dem wir die Stromkästen anmalen. Da hat die Düdelinger Gemeinde mir geholfen, die mit der besten Lage ausfindig zu machen. Einige sind ja bereits bemalt worden, um zwei weitere werde ich mich kümmern und Lenny Bucco übernimmt die dritte. Hier werden auch Schüler und Jugendliche aus dem Flüchtlingsheim helfen, bei dem zweiten Kasten werde ich mit Senioren zusammenarbeiten.

Seit dem 31. Januar geht auch das Projekt „art à l‘école“ und „art à la maison relais“ weiter, bei dem ich seit letztem Jahr mitarbeite. Hier werden Schulhöfe, teils auch Mauern innerhalb der Schule besprayt oder bemalt. Ich bin da um aufzupassen, zu helfen, oder um vielleicht die eine oder andere Idee in den Raum zu werfen, aber das Konzept besteht darin, dass die Kinder sich kreativ austoben können.

Muss man Kunst Deiner Meinung nach verstehen?

Jo Nein, auf keinen Fall. Es ist einfach reine Geschmackssache und jeder soll das Recht haben, das zu mögen, was ihm gefällt. Jeder hat eine andere Wahrnehmung und ein anderes Verständnis. Das ist auch das Spannende an Kunst. Es wäre doch langweilig, wenn auf einmal jedem dasselbe gefällt. Diversität ist für mich das, was Kunst ausmacht, und die muss niemand verstehen. Natürlich braucht man bei einigen Dingen eine Erklärung, um sie nachvollziehen zu können, doch auch hier stellt sich wieder die Frage, ob man etwas verstehen muss, um es cool zu finden. Genauso soll auch jeder Künstler das tun, was einem liegt. Wenn wir jetzt anfangen etwas zu tun, nur um löbliche Kritik zu bekommen, aber es uns selbst nicht mehr gefällt, geht das auf Kosten unserer Authentizität.