LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Luka Grashoff erzählt, wie der momentane Pfadfinder-Alltag aussieht

Die Pfadfinder der LGS und der FNEL sind derzeit fleißig unterwegs, um mehr als nur eine gute Tat am Tag zu erledigen. Mit vollen Einkaufswagen und stets einem Lächeln im Gesicht laufen sie gerade in Teams durch die Supermärkte und Apotheken des gesamten Landes, um Personen, die zur Risikogruppe gehören, mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Insgesamt 400 bis 500 Pfadfinder in grünen und grauen Uniformen sind täglich im Einsatz. Wie ihr Alltag in Covid-19-Zeiten aussieht und welche Momente besonders im Gedächtnis bleiben, verrät der 26-jährige Luka Grashoff im Fern-Interview, das immer wieder auf Pause gedrückt wurde, wenn die nächste Bestellung eintraf.

Wie muss man sich den Tagesablauf eines Pfadfinders momentan vorstellen?

LUKA GRASHOFF Vor allem morgens ist recht viel los. Dann kontaktieren Leute, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen, unseren Gruppenchef, der uns dann darüber informiert, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Wir fahren meistens mit dem Fahrrad, manchmal aber auch mit dem Auto, zu den jeweiligen Personen, sammeln Einkaufslisten, Rezepte für die Apotheke ein, oder fahren zum Arzt, um Rezepte abzuholen, bevor wir in Teams aus drei bis vier Leuten einkaufen gehen. Start ist bei uns normalerweise gegen 10.00, damit wir schon ein paar Bestellungen zusammenhaben. Gegen 18.00 Uhr endet der Tag normalerweise, es sei denn es handelt sich um einen Notfall, dann kümmern wir uns selbstverständlich auch nach 18.00 noch darum. Es kann vorkommen, dass wir bis zu zehn Aufträge auf einmal zu erledigen haben, deshalb machen wir uns eigentlich nie alleine auf den Weg. So können die einen schon mit dem Einkaufen beginnen, während andere noch Listen einsammeln gehen. Wenn wir alles besorgt haben, bringen wir die Waren zu den Leuten nachhause, machen die Abrechnung mit ihnen – ob und wieviel Geld sie zurückbekommen, oder ob es vielleicht etwas teurer war als erwartet - und dann geht es schon wieder zum nächsten Einsatz. Wie stressig es ist, ist tagesabhängig. Wir hatten schon 16 Bestellungen an einem Tag – freitags bekommen wir in der Regel die meisten Anfragen – es gab aber auch Tage an denen wir nur drei Personen mit Lebensmitteln versorgt haben. Im Durchschnitt würde ich sagen, kümmern wir uns täglich um acht bis zehn Leute.

Wie sind die Reaktionen der Personen, dessen Einkäufe ihr besorgt?

LUKA Die meisten freuen sich unglaublich und zeigen auch durchaus Verständnis, wenn das ein oder andere Mal etwas fehlt, weil es schon vergriffen war. Häufig werden wir für unser Engagement gelobt und viele ältere Personen freuen sich über die paar Minuten, in denen sie einfach ein kleines Bisschen sozialen Kontakt haben. Daraus haben sich auch schon manche „Stammkunden“ entwickelt.

Die komplizierteren Fälle gibt es zwar auch, sind aber eher selten. Eine Reaktion, die allerdings typisch geworden ist, ist die Verwunderung darüber, dass wir keine Handschuhe und keinen Mundschutz tragen. Dazu möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass wir ärztlich aufgeklärt wurden und genaue Anweisungen bekommen, wie wir uns zu verhalten haben. Wir gehen da keinesfalls irgendein Risiko ein.

Kam es schon vor, dass Leute Dir gegenüber skeptisch waren, wenn Du auf einmal vor der Tür standst?

LUKA Wir haben uns so organisiert, dass wir wirklich ausschließlich in unserer Uniform unterwegs sind, damit wir nicht für jemand anderes gehalten werden können. Allein das sorgt meistens schon für eine gute Vertrauensbasis. Ich denke, dass jemand, der keiner fremden Person vertrauen möchte, einfach nicht auf dieses Angebot zurückgreift. Das ist tatsächlich mit die traurigste Beobachtung, da wir in den Supermärkten immer wieder auf Leute stoßen, die offensichtlich auch zur Risikogruppe gehören, aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf all diese Hilfestellungen zurückgreifen.

Gibt es bisher Momente, die besonders im Gedächtnis geblieben sind?

LUKA Es gab ganz lustige Bestellungen, wo wir tatsächlich gebeten wurden nur zwei Lebensmittel zu besorgen, oder einmal waren wir nach dem Einkauf noch mit einem Hund spazieren – was wir eigentlich nicht machen – aber für das eine Mal, haben wir natürlich auch das gerne getan.

Dann ist der Empfang in den Läden auch jeden Tag aufs Neue ein Highlight. Zum einen würdigen sie die Aktion sehr, zum anderen sind wir dort mittlerweile bekannt wie bunte Hunde, weil wir anfangs oft nach Produkten gefragt haben – wir können schließlich nicht den ganzen Bestand des Supermarktes oder jeden Käse kennen. So langsam kommt das zwar, aber dennoch bleibt es nicht aus, dass wir auch mal nachfragen müssen. Doch selbst da kommen uns die Personen, die uns die Einkaufslisten mitgeben, sehr entgegen und schreiben keinen Zettel, sondern gestalten ihn regelrecht. Einige verschönern sie mit Aufklebern, die meisten schreiben noch groß „Danke“ drauf. Die Oma eines Freundes hat uns sogar kleine Zeichnungen hinzu gemalt, damit wir wissen, wie die Lebensmittel aussehen, die sie haben möchte. Zu sehen wie kreativ manche Leute werden, während sie ihre Bestellung aufschreiben, ist immer wieder schön zu sehen.

Würdest Du behaupten, dass es Sinn machen würde, eine solche Aktion in einem gewissen Maß auch nach der Corona-Krise professionell weiterzuführen?

LUKA Auf professioneller Ebene definitiv. Auf freiwilliger Basis stelle ich es mir schwierig vor. Es ist selbstverständlich praktisch und Leuten, die nicht alleine einkaufen gehen können, steht ein solcher Dienst sicherlich zu, aber das sollten nach der Krise dann wirklich Professionelle oder Firmen in Angriff nehmen. Wir kommen mit dieser Aufgabe eigentlich fast schon auf die Stunden eines Vollzeit-Jobs, sodass das in den normalen Alltag unmöglich integrierbar ist.