LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Auch in Luxemburg leiden Tätowierte immer noch unter Vorurteilen

Immer mehr Leute tragen ihn, den Hautschmuck aus Tinte. Sei es nur ein winziges Tattoo auf einer versteckten Stelle oder Ganzkörperkunstwerke; die Kunst mit der Nadel wird immer mehr zum Modetrend. Doch wie reagieren Familie, Freundeskreis, Arbeitgeber und Co. auf die bunten Bilder auf der Haut?

Im Jahr 2016 sollte man meinen, dass Tattoos kaum noch für Aufregung sorgen. Unter jungen Leuten ist mancher sogar überrascht, auf jemanden ohne Hautschmuck zu treffen. Leider kommt es immer noch vor, dass Tätowierte auch in Luxemburg mit Vorurteilen zu kämpfen haben - oder sogar mit Diskriminierung. Bob Reinert hatte mal ein Erlebnis, das ihn aber eher zum Lachen brachte: „Ich durfte einmal bei einer Konferenz mit Politikern in der Schule, den Politikern Fragen stellen. Sowohl die Lehrer, als auch die Politiker lobten mich im Nachhinein und meinten, ich hätte noch eine große Zukunft vor mir.“ So weit, so gut, doch das dicke Ende kam noch: „Später, als wir noch alle was zusammen getrunken haben, habe ich mein Sakko ausgezogen und die Ärmel vom Hemd hochgekrempelt, weil mir heiß war. Als dann mein Tattoo hervorblitzte, nahm der Lehrer sein Lob zurück und meinte, dass ich mir damit meine Zukunft ruiniert habe. Die Politikerin hingegen konnte über diese Aussage nur lachen.“ Das intolerante Verhalten des Lehrers ist für den 20-Jährigen heute eher eine witzige Anekdote.

Ungebildet und drogenabhängig

Ungebildet, kriminell, drogenabhängig, aufmerksamkeitsbedürftig: Natürlich ist das eine Übertreibung, ein Zusammenwürfeln der absurdesten Klischees, mit denen so mancher Tätowierter sich aber tagtäglich konfrontiert fühlt. Alternativmodel und Youtuberin Victoria van Violence wollte in einem ihrer Youtube-Videos darstellen, wie haltlos diese Vorurteile oft sind. Sie spricht natürlich genau die genannten Vorurteile des Kriminell-Seins und des angeblich fehlenden Intellekts an.

Auf das Tattoo reduziert

Was in dem Video aber besonders hervorsticht, ist die Anekdote, dass fremde Leute sie in der Bahn, oder generell im öffentlichen Raum, fotografieren ohne zu fragen. Nachdem sie die Leute dann darauf anspricht, meinen die nur: „Wenn du das nicht wollen würdest, dann würdest du ja nicht so aussehen.“ Achtet man mal genauer auf sein Umfeld, so merkt man, dass tatsächlich immer mehr Leute mit bunten oder schwarz-weißen Tattoos versehen sind. Sieht man dann nochmal genauer hin, fällt einem auf, dass einem eigentlich gar nichts weiter auffällt, außer den Bildern auf dem Körper.

Trotzdem gibt es auch noch Dozenten und sogar Kommilitonen, die der Überzeugung sind, dass Tätowierte beispielsweise den Durchschnitt der Universität senken. Momente, in denen man als Tätowierter froh ist, dass Winter ist und der Hautschmuck unter warmen Klamotten versteckt ist. Wer noch einen genaueren Einblick in haltlose Vorurteile haben will, kann sich auch gerne einmal die Facebook-Seite „Tattoofrei - Es ist schön, keine Tattoos zu haben“ anschauen. Zum Teil gehen die Kommentare unter die Gürtellinie, einige andere wiederum sind so absurd und aus der Luft gegriffen, dass man tatsächlich mal schmunzeln muss. Natürlich sind diese Leute nur eine Minderheit, die aber durch ihre negativen und teils sogar destruktiven Bemerkungen auffällt.

Auch in Luxemburg berichten Tätowierte noch von solchen Problemen. Das Vorurteil, Tätowierte seien kriminell oder hätten psychische Probleme, findet Alison Annicchiarico sogar in der eigenen Verwandtschaft. Andere Leute wiederum würden ihr ein Tattoo gar nicht zutrauen: „Bei mir ist es eher so, dass die Leute mir gar nicht glauben, dass ich tätowiert bin. Sie schieben mich in die Schublade des süßen, blonden Mädchens und können sich gar nicht vorstellen, dass ich Tattoos habe.“ Dass die 21-Jährige ihre Tattoos auf Körperstellen hat, die von Kleidung bedeckt sind, verstärkt den Effekt. Aber die junge Frau ist noch auf ein anderes Vorurteil gestoßen: „Die, die es wissen, glauben allerdings oft, dass Leute sich nur tätowieren lassen um ,cool‘ zu sein.“

Nur wenige komische Blicke

Allerdings sind viele auch sehr tolerant, so kann Philippe Bonert über seinen Hautschmuck Positives berichten: „Meine Tattoos kommen eigentlich, sowohl im Privaten als auch in meinem Job als Krankenpfleger, recht gut an und haben mir in mancher Situation auch schon geholfen, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Direkt auf seine Tattoos angesprochen wurde der 33-Jährige aber noch nie. „Natürlich gibt es Leute, die einem komische Blicke zuwerfen und tuscheln, aber das interessiert mich nicht“, sagt Bonert. Denn Tattoos hat man in erster Linie für sich selbst und nicht für die anderen.

Youtuberin Victoria van Violence mit ihrem  Video „Dinge, die mich nerven - am tätowiert  sein (Vorurteile)“