LUXEMBURG
SVEN WOHL

Mit der Comicreihe „Tow & Tank“ zeigt Andy Genen seine ganze Palette an Talenten

Andy Genen gehört zu jenen Namen, die in der luxemburgischen Comic-Szene unumgänglich sind. Sowohl bei der Luxcon, als auch bei den Walfer-Büchertagen und dem Festival de la BD in Contern ist er stets anzutreffen. Alle diese Events fallen dieses Jahr aus, doch auf den sozialen Netzwerken bleibt er weiter aktiv. Jüngst veröffentlichte der den dritten Band seiner im Eigenverlag erscheinenden Reihe „Tow & Tank“. Die Abenteuer rund um den namenlosen Panzerfahrer und das geschwätzige Zombiemädchen erhielt dieses Jahr bereits seinen dritten Band. Wir unterhielten uns mit dem Künstler über Inspirationen, Lernprozesse und stumme Protagonisten:

Weshalb bringst du „Tow & Tank“ im Eigenverlag heraus?

Andy Genen Ich habe über ein Jahr lang im stillen Kämmerlein vor mich hingewerkelt und niemand wusste, dass ich an einem neuen Projekt arbeite. Auf diese Weise konnte ich mir ganz ohne Druck die Zeit nehmen, die ich brauchte. Als dann auf einmal der erste Band fertig war, wollte ich ihn natürlich dann auch so schnell wie möglich der Öffentlichkeit zeigen und so habe ich damals für die Luxcon 2018 eine kleine Auflage drucken lassen. Irgendwie gefiel mir diese „do-it-yourself“-Herangehensweise bei der ich mich vom Anfang bis zum Ende um alles selber kümmere.

Beim Lesen von „Tow & Tank“ fühlt man sich schnell an die ersten Bände „Dragon Ball“ und an „Mad Max“ erinnert. Waren dies Inspirationsquellen für dich?

Genen „Inspiration“ eher im Sinne von einem allgemeinen „Spirit“ den ich der Serie geben wollte: Das Gefühl, das ich selber empfunden habe, als ich damals Sachen wie eben jene frühen „Dragon Ball“-Bände oder „Tellos“ zum Beispiel gelesen habe. Alles Serien, die einerseits nicht zu düster und ernst, andererseits aber auch nicht zu kindisch sind - „all ages“ halt. „Mad Max“ jedoch ist nicht so mein Ding und ich habe bis auf „Fury Road“ auch keinen der Filme ganz gesehen. Aber ich mag die Idee, Dinge zu nehmen, die mich auf den ersten Blick jetzt nicht so sehr begeistern, aber dann zu versuchen, sie mir auf eine Art eigen zu machen, dass sie mir dann wiederum Spaß machen, sie zu benutzen.

Du kombinierst einen stummen Protagonisten mit einer übermäßig geschwätzigen Co-Protagonistin. Läufst du da nicht das Risiko, die Leser einseitig zuzutexten und eine Figur uninteressant wirken zu lassen?

Genen Natürlich ist das Ganze schon eine etwas speziellere Herangehensweise und für mich als Autor eine zusätzliche Herausforderung. Aber dadurch, dass die Figuren so verschieden sind, ergibt sich so eine Art „Buddy-Movie“-Feeling, in denen zwei komplett gegensätzliche Figuren gezwungen sind, miteinenander auszukommen, um gemeinsam ihr Ziel zu erreichen.

Steht der Verlauf der Geschichte bereits komplett fest oder entscheidest du dich noch spontan um?

Genen Wenn man eine so große Geschichte erschafft, muss man schon von vorneherein wissen, wo man hin will und wie man dahin kommt. Ich habe wie gesagt über ein Jahr lang getüftelt bevor der erste Band raus kam. In jenem Jahr habe ich u.a. auch das ganze Story-Gerüst festgelegt.

Anschließend fülle ich das Ganze dann mit kleinen Nebenepisoden auf. Das Ganze soll wie ein „Roadmovie“ funktionieren.

Wie genau versuchst du, eine Balance zwischen Action, Ruhe und Tiefgang zu schaffen?

Genen Das ist so ein Bauchgefühl und man spürt das einfach, während man an der Geschichte arbeitet.  Es ist ein bisschen wie eine Achterbahn und man sollte versuchen, den Erzählstrang so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, damit es interessant bleibt, sowohl für mich, als auch für den Leser. Die goldene Regel ist letzten Endes zu versuchen, eine Geschichte zu erzählen, die man selber gerne lesen würde.

Während Nebenfiguren in den ersten beiden Bänden noch rar sind, erhalten die Leser mehr Einblicke im dritten Band. Weshalb wurde das World-Building eher in die späteren Bände verlagert?

Genen Helga weiß ja auch bisher noch nicht genau, um was es in der ganzen Geschichte geht. Und so möchte ich, dass der Leser mit auf die Reise geht und auf diese Weise mit den Figuren zusammen Stück für Stück den weiteren Verlauf der Ereignisse durchlebt und immer weiter in die Welt von „Tow & Tank“ eintaucht. Der erste Band funktioniert dabei wie die Pilotepisode einer Fernsehserie, in der die beiden Hauptfiguren vorgestellt und definiert werden. Ab dann geht es darum, häppchenweise nach und nach mehr von der Geschichte preiszugeben: Immer genug, um die Leute bei der Stange zu halten, aber nicht zu viel, so dass man nicht schon nach Band 2 erraten kann, wie das Ganze nachher in Band 7 enden wird.

Welche zeichnerischen Fähigkeiten konntest du hier ausprobieren oder weiterentwickeln?

Genen Beim Tuschen habe ich für „Tow & Tank“ wieder ganz traditionell hauptsächlich mit Pinsel und schwarzer Tinte gearbeitet. Auf diese Weise erhalten die Linien einen etwas „rustikaleren“ Stil, der, wie ich finde, ganz gut zur Geschichte passt. Ich hatte vorher eine Zeitlang fast ausschließlich nur noch digital gearbeitet, und mit der Zeit fühlte sich der gesamte Prozess nicht mehr so lebendig und dynamisch an. Ich mag einfach den direkten Kontakt zum Papier. Die Farben und das Lettering mache ich aber immer noch am Computer.


„Tow & Tank“ ist auch auf Facebook zu finden: facebook.com/towandtank - Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich die Bände per Mail bei Andy Genen direkt bestellen: towandtank[at]gmail.com