LUXEMBURG
JEFF KARIER

Mit „Ralph Breaks the Internet“ gelingt Disney eine gelungene Fortsetzung

Durch zahlreiche Anspielungen auf Spieleklassiker und eine so einfühlsame wie unterhaltsame Geschichte konnte 2012 der Animationsfilm „Wreck it Ralph“ nicht nur Kinderherzen für sich gewinnen. Vor allem Gamer hatten mit dem Film der Walt Disney Animation Studios viel Spaß. Dass mit „Ralph Breaks the Internet“ sechs Jahre später ein weiterer Teil in die Kinos kommt, dürfte daher viele freuen. Wie bereits beim ersten Teil übernahm auch diesmal wieder Rich Moore die Regie, erhielt jedoch Verstärkung in Person von Phil Johnston.

Ersatzteil benötigt

Wie der Titel bereits ahnen lässt geht die Reise für den groben aber liebenswürdigen Ralph (John C. Reilly) und die süß wie aufgedrehte Vanellope (Sarah Silverman) in das „World Wide Web“. Denn die Spielhalle, in denen neben „Wreck-It Ralph“ und „Sugar Rush“, den Spielen der zwei Protagonisten, auch etwa Pac-Man, Sonic und Street Fighter zu finden sind, erhält endlich Wifi, oder „Wiffy“, wie Ralph es ausspricht.

Der Versuch von Ralph, durch das Anlegen einer neuen Rennstrecke seiner besten Freundin Vanellope etwas Abwechslung bei ihren Rennen zu bieten, geht mächtig nach hinten los. Denn während dem Spielen bricht am Automaten das Steuerrad ab. Da das einzige Ersatzteil auf eBay 200 Dollar kostet - mehr als das Spiel in einem Jahr einnimmt - entscheidet sich Mr. Litwak, der Besitzer der Spielehalle, den Automaten verschrotten zu lassen. Damit würden alle Charaktere von „Sugar Rush“ obdachlos werden und Vanellope könnte nie wieder Rennen fahren. Daraufhin beschließt Ralph, sich mit seiner besten Freundin auf den Weg ins Internet zu machen, um das Ersatzteil zu besorgen.

Gelungene Umsetzung des Internets

„Ralph Breaks the Internet“ schafft es nicht nur erneut auf clevere Art und Weise Computerspiele einzubauen. Auch wie der Film mit dem Internet und all dessen Facetten umgeht, ist beeindruckend. So wird das World Wide Web als eine Art unendliche Stadt dargestellt, in der die einzelnen Internetseiten, Plattformen, Shops und Dienste Gebäudekomplexe sind. Im Film tauchen so etwa Google, Amazon, Twitter oder auch Pinterest auf. Auch Ding wie penetrante Popups, virale Videos, Hasskommentare und das Darknet werden gekonnt aufgegriffen und in einer auch für Kinder verdaulichen Art und Weise aufbereitet. Auf ihrer Suche treffen die beiden auf viele originelle und einprägsame Charaktere. Etwa der Suchmaschine KnowsMore (Alan Tudyk), dem Algorithmus der Videoplattform Buzztube Yesss (Taraji P. Henson ) und der coolen Rennfahrerin Shank (Gal Gadot). Zu den vielen Referenzen gehört auch ein Cameo des kürzlich verstorbenen Comic-Zeichners Stan Lee. Disney hat es sich aber nicht nehmen lassen, besonders viele Selbstreferenzen einzubauen. Diese alle ausfindig zu machen bedürfte einer Szene-für-Szene-Analyse. Prominent vertreten war aber unter anderem „Toy Story“, „Big Hero 6“ und „Zootopia“. In einer Szene musste Vanellope vor einigen Sturmtruppen aus „Star Wars“ fliehen, samt der passenden Musik von John Williams. Und auch die Disney-Prinzessinnen sind Teil des Films und bevölkern einige der besten Szenen im Film. Somit bietet „Ralph Breaks the Internet“ noch mehr von dem, was den ersten Teil ausmachte. Technisch ist an dem Film nichts auszusetzen. Die Animationen sehen großartig aus und auch wenn vermutlich viele darauf verzichten können, ist das 3D ebenfalls gut.

Ein Spaß für jeden

Wie eigentlich immer wird auch dieses Mal wieder die Moralkeule geschwungen. Thematisiert wird dabei vor allem Freundschaft, vor allem, dass diese sich über die Zeit verändern kann, was aber nichts Negatives sein muss. Die Mischung von liebenswürdigen und gut vertonten Charakteren, der gelungen Umsetzung des Internet, den vielen Referenzen und der soliden Handlung ergibt einen Film, den man sich im Kino anschauen sollte. Und zwar egal, ob man Kinder hat oder keine. Denn jeder kann mit „Ralph Breaks the Internet“ viel Spaß haben.