LUXEMBURG
MARCO MENG

Cargolux China konkretisiert sich

Nachrichten rund um Cargolux hatten in der letzten Zeit eher einen negativen Touch. Grund sind die Uneinigkeit von LCGB und Firmenleitung beispielsweise im Hinblick auf Cargolux China, was die stockenden Verhandlungen zum neuen Kollektivvertrag zur Folge hat. Gestern aber fand das Unternehmen dennoch Grund, die Korken knallen zu lassen.

Der luxemburgische Luftfrachtcarrier feiert dieses Jahr nicht nur sein 45jähriges Bestehen, sondern würzte das gestern noch mit einem Flugzeug der ganz besonderen Art. Das heißt: Einer Boeing mit ganz besonderem Anstrich.

Der 13. Jumbo 747-8 Freighter (kurz: 747-8F), der gestern Morgen auf dem Findel landete, ist nämlich anlässlich des Jubiläums vom belgischen Karikaturisten Philippe Cruyt reichlich verziert worden. Damit ist Cargolux sicher ein augenfälliger Marketing-Coup gelungen. Die einzelnen der insgesamt aus 460 Aufkleber bestehenden Zeichnungen zeigen dekorativ das Angebot, das Cargolux bietet, denn der Luftfrachtkonzern hat langjähriges Know-How im Transport unterschiedlichster Warengruppen, das reicht vom Transport lebender Tiere bis übergroße Maschinen oder Pharmaartikel. Seit Mai sind diese Produktkategorien katalogisiert und werden besonders vermarktet. Nun eben auch mit humorvollen Dekorationen auf dem neusten Flugzeug, das sicherlich auf so manchem Flughafen in Zukunft für Aufsehen sorgen wird.

Die Cartoons auf der neuen Cargolux-Boeing mit dem Namen „City of Redange-sur-Attert“ bestehen aus 460 einzelnen Aufklebern. Der Zeichner Philippe Cruyt ist unter anderem auch für Buchillustrationen bekannt.

Fünf neue Flugzeuge für Cargolux China

„Die Möglichkeit zur Beladung durch die hochklappbare Bugklappe sowie die besondere Eignung für den Frachttransport helfen uns, unsere führende Position in der Luftfrachtbranche zu halten. Das außergewöhnliche Design von Philippe Cruyt auf unserer 13. Boeing 747-8F unterstreicht nicht nur das Knowhow und die Erfahrung, die Cargolux im Umgang mit einer Vielzahl von Normal- und Sonderfracht hat, sondern feiert auch die lange und bewegte Geschichte unseres Unternehmens“, erklärte Cargolux-Geschäftsführer Dirk Reich. Das neue Flugzeug, das vorletzte aus einer Bestellung von insgesamt 14, solle Botschafter für die Leidenschaft und den Spirit der Cargolux sein. Dass die Gewerkschaften und Piloten in letzter Zeit an diesem Spirit lautstark Zweifel äußerten, mochte man gestern vergessen, wäre nicht auch publik geworden, dass Cargolux derzeit mit Boeing über den Kauf von fünf neuen Jumbos verhandelt - und zwar für Cargolux China, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Der Wert dieses Geschäfts läge bei 1,9 Milliarden Euro. Cargolux arbeitet mit dem größten Anteilseigner Henan Civil Aviation Development & Investment (HNCA) am Aufbau eines Joint Ventures in China. Geplanter Start ist Anfang 2017. Der Kauf von fünf Flugzeugen dürfte wieder einmal Diskussionen hochkochen lassen, befürchten doch die Mitarbeitervertreter eine Verlagerung von Luftfrachtvolumen nach Fernost.

Die im Juni vereinbarte Absichtserklärung zwischen Cargolux und HNCA besagt nicht nur, dass zehn wöchentliche Linienflüge zwischen Luxemburg und Zhengzhou geplant werden, sondern auch Flüge von Mailand nach Zhengzhou, durchgeführt von Cargolux Italia. Während die Firmenleitung das mit Wirtschaftlichkeit erklärt, hatte es von Gewerkschaftsseite darauf stets geheißen, man befürchte ein schleichendes Outsourcing von Luxemburg weg.